Just-in-Time-Versorgung, präzise Lieferfenster und sinkende Lagerbestände verändern die textile Versorgung im Gesundheitswesen. Wie die ZWZ AG ihre Logistik- und Produktionsprozesse neu verzahnt und auf diese Anforderungen ausgerichtet hat – und dafür als „Textilservice des Jahres 2026“ ausgezeichnet wurde.
Als das Universitätsspital Zürich seine Logistik neu organisierte, entwickelte die ZWZ AG gemeinsam mit der Klinik neue Versorgungskonzepte für die textile Versorgung. Statt einer zentralen Anlieferung rückten mehrere Zustellungen pro Tag mit klar definierten Zeitfenstern in den Fokus. Kurz darauf zog das Kantonsspital Aarau nach. Die Konzepte ließen sich auch dort mit nur wenigen Anpassungen umsetzen.
Die Anforderungen im Schweizer Gesundheitswesen verändern sich deutlich. Kliniken reduzieren ihre Lagerbestände und setzen verstärkt auf Just-in-Time-Versorgung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Lieferpräzision und Transparenz. Für Textildienstleister bedeutet das: Produktion, Kommissionierung und Logistik müssen enger aufeinander abgestimmt werden. Denn wer diese Anforderungen nicht zuverlässig erfüllen kann, riskiert Wettbewerbsnachteile.

Benedetto, Leiter für Innovation und Prozesse, Holger Hippke, Geschäftsführer Philip Peters, Leiterin Handel und Supply Chain
Management, Astrid Hämmig, und Produktionsleiter Christoph Erni. - © Bettina Schmid
Die ZWZ entwickelte ihre Prozesse umfassend weiter und stellte ihre Abläufe neu auf – vom Gebäude bis zur Software. Ziel war es, die Versorgungskette konsequent an den Anforderungen der Kliniken und deren eng getaktete Lieferlogik auszurichten – von der Aufbereitung über die Kommissionierung bis zur termingerechten Auslieferung. Für diesen Ansatz zeichnete die Jury die ZWZ AG mit dem RWin als „Textilservice des Jahres 2026“ aus. Ausschlaggebend war, dass die ZWZ Produktion und Logistik vollständig verzahnte und so eine durchgängige Steuerung aller Prozesse erreichte.
Wände raus, neue Prozesse rein
Der Umbau begann am Gebäude selbst. Wände wurden versetzt, Flächen zusammengelegt und Wege verkürzt. Dadurch entstand mehr Platz für die Kommissionierung, klarere Abläufe und ein besseres Raumklima. Im Zuge der baulichen Anpassungen mussten unter anderem Brandschutz und Lüftung neu organisiert werden.
Parallel dazu digitalisierte das Unternehmen zentrale Abläufe. Bestellungen laufen heute über ein Online-Portal. Bei Großkunden sind sie teilweise direkt an deren ERP-Systeme gekoppelt. In der Kommissionierung ersetzen Tablets die früheren Papierlisten. Jeder Artikel und jeder Wagen ist mit QR-Codes versehen. Ein Scan genügt, und der Artikel ist im Auftrag verbucht. Fehlende Positionen werden durch das System sofort sichtbar, was Fehler in der Kommissionierung reduziert.
Ein weiterer Schritt hin zu mehr Präzision brachte die Umstellung von Kilo- auf Stückabrechnung. Gewichtswerte sind ungenau. Stückzahlen hingegen machen selbst kleine Unterschiede sichtbar. So lassen sich Bestände deutlich präziser planen und steuern.

Eine Software, die den Überblick behält
Für die neuen Anforderungen entwickelte die ZWZ eine eigene Pack- und Logistiksoftware. Sie verknüpft sämtliche Prozessschritte – vom Bestelleingang über die Kommissionierung bis zur Verladung auf den Lkw. Die Software führt Auftragsdaten, Artikelstämme und Informationen zur Tourenplanung zusammen und unterstützt die Mitarbeitenden bei Priorisierung, Kommissionierung und Logistik. Die Herausforderung lag dabei vor allem in der Feinsteuerung der Anlieferlogistik. Denn große Kliniken arbeiten mit festen Zeitfenstern – oft nicht nur für das gesamte Haus, sondern für jede einzelne Station. Dadurch entstehen zahlreiche einzelne Bedarfsanforderungen mit unterschiedlichen Artikeln und Lieferzeitpunkten.
Die Software bündelt die Aufträge je Station, ordnet die passenden Artikel zu und stellt die notwendigen Informationen für Kommissionierung und Auslieferung bereit. Die eigentliche Tourenplanung erfolgt weiterhin operativ. Gleichzeitig werden die Wäschereiprozesse auf die Lieferprioritäten abgestimmt, sodass die benötigten Mengen zum richtigen Zeitpunkt bereitstehen.
Um diese Anforderungen zuverlässig bedienen zu können, erweiterte die ZWZ ihre Fahrzeugflotte um zwei zusätzliche Lkw. Heute sind zwölf Fahrzeuge im Einsatz. Gleichzeitig stellte das Unternehmen die Bereitstellung von kundenbezogener auf tourenbezogene Kommissionierung um. Das erhöhte die Transparenz in der Auslieferung und erleichterte die Planung der Touren.
Automatisierung, wo es Sinn macht
Auch die Produktionsprozesse wurden weiterentwickelt und enger mit der Logistik verzahnt. Der Materialfluss auf der unreinen Seite läuft weitgehend automatisiert. Unterschiedliche Produktgruppen werden dabei über Farbcodes getrennt geführt – infektiöse Wäsche etwa in gelben Säcken, Reinigungsartikel in Violett.
Pickroboter (Inwatec) vereinzeln die Textilien und prüfen sie auf Fremdkörper. Anschließend sortiert die Anlage die Teile nach Produktgruppen und Farben. Sobald genügend Artikel für eine Charge vorhanden sind, werden sie automatisch in Wäschesäcke überführt. Diese gelangen über Fördersysteme unter das Hallendach, wo sie zwischengelagert werden, bis sie entsprechend der Lieferpriorität in den Waschprozess eingeplant werden. Betriebswäsche folgt dabei dem First-in-First-out-Prinzip, Arbeitskleidung wird strikt nach Liefertermin verarbeitet. Die Software steuert den Prozess im Hintergrund und stellt sicher, dass jeder Sack rechtzeitig gewaschen wird und alle Artikel termingerecht geliefert werden können.


Nach dem Waschen und Trocknen wird die Berufsbekleidung auf Bügel gehängt, durchläuft den Finisher und wird anschließend unter dem Hallendach zwischengelagert. Von dort aus werden die Teile automatisch abgerufen, gefaltet und manuell verpackt. T-Shirts, Hosen, Kasaks oder Kittel: Jeder Artikel wird automatisch erfasst und dem jeweiligen Auftrag zugeordnet.
Möglich wird das durch RFID-Technik. Inzwischen tragen nahezu alle Teile einen Transponder. Jeder Schritt wird erfasst, jeder Artikel bleibt sichtbar. Dadurch lassen sich Umlaufbestände und Bewegungen deutlich gezielter überwachen. Die höhere Transparenz brachte neue Erkenntnisse. Die ZWZ reduzierte daraufhin ihre Bestände. Weniger Kapitalbindung, mehr Platz, klarere Prozesse.
Viele Prozessschritte laufen vollautomatisiert – aber nicht alle. Die Qualitätskontrolle bleibt teilweise Handarbeit. „Für Flecken oder Beschädigungen an Berufsbekleidung gibt es bislang keine zuverlässige automatisierte Lösung“, sagt Geschäftsführer Philip Peters. „Das können geschulte Mitarbeitende besser.“
Alle Anlagen sind redundant ausgelegt. Fällt eine Maschine aus, übernimmt eine andere. Damit bleibt die Lieferfähigkeit auch bei engen Zeitfenstern gesichert.

Ein Markt im Wandel
Mit der Technik änderte sich auch die Organisation des Unternehmens. Die ZWZ schuf neue Teamleiterpositionen, verteilte Verantwortlichkeiten neu und schulte Mitarbeitende intensiv. Gerade in einem hochautomatisierten Umfeld seien Prozessverständnis und Qualifikation entscheidend für stabile Abläufe, erklärt Peters. Aktuell arbeitet der Betrieb im Bereich von 1,35-Schichten. Die Abendschicht zwischen 16 und 18:30 Uhr ist lediglich mit 30 bis 40 Prozent der Belegschaft besetzt.
Für Peters ist die Entwicklung eindeutig: „Der Markt wird logistikgetrieben.“ Der wirtschaftliche Druck im Gesundheitswesen steigt. Deshalb reduzieren Kliniken ihre Wäschebestände und erwarten dafür höchste Lieferpräzision. „Das fordert uns heraus“, sagt Peters. „Aber wir sehen auch die Chancen und wollen die Kliniken weiter begleiten.“ Das Sortiment umfasst rund 250 Mietartikel – von Bettwäsche über Frottee bis hin zu Reinigungsartikeln – sowie Berufsbekleidung. Perspektivisch denkt das Unternehmen über eine stärkere Standardisierung einzelner Sortimente nach. Weniger Varianten und stabilere Umlaufmengen sollen die Prozesse vereinfachen und die Steuerung der Lieferung erleichtern – mit direkten Effekten auf Kommissionierung, Lagerhaltung und Tourenplanung.
Weitere bauliche Anpassungen sind außerdem bereits geplant. Überlauf-Textilien sollen künftig näher am Materialfluss gelagert werden. Das spart Wege und reduziert interne Transporte. Für die Zukunft will die ZWZ Digitalisierung und Automatisierung weiter vorantreiben. Peters ist überzeugt: „Digitalisierung und KI bieten enorme Chancen. Wir stehen noch am Anfang.
Die ZWZ AG in Zahlen
Die ZWZ AG verarbeitet täglich rund 45 Tonnen Wäsche und beschäftigt etwa 270 Mitarbeitende. Das Einzugsgebiet reicht von Aarau bis ins rund 130 Kilometer entfernte Liechtenstein. Mehr als 95 Prozent der Kunden stammen aus dem Gesundheitswesen.