Besuch des Instituts für Ökologie, Technik und Innovation GmbH Wie ein Zuckerwürfel im Bodensee

Wenn ein Fleck nicht einwandfrei entfernt ist, kann es zur Reklamation kommen. Beratung bietet das Institut für Ökologie, Technik und Innovation GmbH in Wien. 60 Textilreiniger aus der Steiermark werfen einen Blick in die Labore.

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    Ein Kinosessel muss je nachdem auch noch fertig produziert geprüft werden, wenn belegt werden soll, dass Stoff und Schaumstofffüllung zusammen dem Brandschutz genügen, erklärt Ing. Brigitta Colbert, Geschäftsbereich Technik am ÖTI. Fotos: Geimer
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    Mit ausgeklügelter Technik untersuchen Ing. Brigitta Colbert und ihre Kollegen am ÖTI Textilien auf ihre Qualität und sonstige Eigenschaften.
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    KommR Annemarie Mölzer, Bundesinnungsmeisterin der Mode und Bekleidungstechnik der Wirtschaftskammer Österreich, und KommR Walter Imp, Bundesinnungsmeister (Mitte), mit den Textilreinigern beim Besuch des ÖTI in Wien.
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    Interessiert verfolgten die Textilreiniger und Wäscher, welche Textilien im ÖTI untersucht werden.
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    Einen interessanten Einblick bekamen die steirischen Teilnehmer der Besichtigungsfahrt bei der Teppichreinigung Stepanek.Foto: Innung
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    In Guntramsdorf in Niederösterreich hat sich die Teppichreinigung Stepanek auf die Reinigung und Reparatur von Teppichen und Lederwaren spezialisiert.Foto: Innung

Wie ein Zuckerwürfel im Bodensee

20 °C, 65 Prozent relative Luftfeuchtigkeit, ein Stück einer Feuerwehruniform steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Interessiert beugen sich die Textilreiniger der Landesinnung Mode und Bekleidungstechnik der Wirtschaftskammer Steiermark über die Labortische. Im Institut für Ökologie, Technik und Innovation GmbH (ÖTI) in Wien prüfen die Analytiker Textilien und andere Materialien. Je nach Auftrag geht es z.B. um die Qualität, die sich in Farbechtheit oder Witterungsbeständigkeit äußern kann. Ein aus Sicht der Textilreinigung wichtiger Bereich des Instituts sind die Reklamationsberatungen. Ob Wäscherei, Textilreiniger, Privatkunde sowie Hersteller oder Aufbereiter von Leasingtextilien - das ÖTI kann in seinen Laboren viele offene Fragen zu einem Schaden beantworten.

Unklar ist vielen Auftraggebern nach Erfahrung der Mitarbeiter jedoch, was das Institut genau leisten kann und welche Informationen den Prozess beschleunigen und damit auch preisgünstiger machen. Deswegen erlebten rund 60 Textilreiniger bei einer Führung, was das ÖTI leistet und wie Untersuchungen angegangen werden.

Blaue Handschuhe, weißer Kittel und ein konzentrierter Blick auf die kleine Waage - Analyst Lukas Damjanovic untersucht eine Stoffprobe. Im Chemielabor beantworten die Mitarbeiter offene Fragen zum pH-Wert und zu Schadstoffen, zum Beispiel bei Hautirritationen oder Geruchsreklamationen. Im Labor kann exakt nachgewiesen werden, ob ein Stoff gut gespült wurde oder Waschmittelrückstände beinhaltet.

Gut für die Techniker ist, möglichst viele Informationen über das Zustandekommen eines Fleckes, Stoffes und der bisherigen Behandlung von vorneherein zu kennen. Wenn bekannt ist, wonach gesucht werden muss, wird die Prüfung nicht nur schneller, sondern damit auch kostengünstiger. „Der Nachweis von Substanzen ist häufig, wie einen Zuckerwürfel im Bodensee zu suchen“, erklärt Ing. Brigitta Colbert, Geschäftsbereich Technik am ÖTI, bei der Führung für die Textilreiniger. Daher ist es für die Prüfer wichtig, eine genaue Fragestellung zu bekommen.

Detektivarbeit bei Reklamation

Die Fehler und Gründe für Unzufriedenheit der Kunden mit einem Arbeitsergebnis in einer Textilreinigung sind unterschiedlich. „Reklamationen sind wie eine Detektivarbeit“, sagt Ing. Judith Pointner, Leitung Geschäftsbereich Technik am ÖTI. Die Analyse einer Reklamation kann je nach Komplexität des Schadens zwei bis drei Wochen dauern. Befindet sich in einem Vorhang ein Loch, an dem Schmelzstellen erkennbar sind, ist der Schaden relativ leicht zu analysieren. Schwieriger dagegen kann die Suche nach den Gründen für Hautrötungen sein, die z.B. mit einer pH-Wert-Prüfung beginnt.

Auch für Sachverständige kann die Untersuchung durch das ÖTI von Nutzen sein, denn sie liefern den belastbaren Beweis, ob beispielsweise ein Stoff wegen falscher Pflege eingelaufen ist. Alle eingesandten Muster anonymisieren die Mitarbeiter, damit die Prüfer nicht wissen, welche Stoffe von welchen Firmen sie prüfen.

Besondere Anforderungen an die Analysten stellt die Emissionsprüfung. Denn einen Geruch verbinden Menschen immer mit einem Objekt. Bei der Untersuchung versuchen die Prüfer eine Objektivierung.

Die einzelnen Tests verlaufen nach festgelegten Standards und Normen. So liegt das Klima zur Prüfung von Textilien in den Laboren bei 20 °C und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. „Der wesentliche Punkt ist die Vergleichbarkeit. Wenn es eine Norm gibt, dann prüfen alle Institute mit dem gleichen Maß“, erklärt Ing. Thomas Liebreich, Leitung der Prüfstelle und Auftragsabwicklung am ÖTI.

Die Textilreiniger staunen, als Colbert den Normschmutz für die Verunreinigung von Bodenbelägen vorführt. Allerdings müssen die Analysten auch immer wieder kreativ werden. So bekam das ÖTI im letzten Jahr den Auftrag, die Schmutz abweisende Wirkung verschiedener Markisen zu testen. Da Normen in diesem Bereich fehlten, entwickelten die Mitarbeiter selbst einen Text, so Colbert.

Ähnlich kreativ waren die Analysten bei der Entwicklung eines Zylinders zum Test von Inkontinenzunterlagen. Andere Untersuchungen bedürfen kostenintensiver Technik. Beispielsweise kostet die Birne im Belichtungs- und Bewitterungsgerät rund 900 Euro und muss alle 1.500 Stunden ausgetauscht werden. Mit dem Test können die Lichtechtheit und Witterungsbeständigkeit getestet werden.

Neben der Prüfung, Begutachtung, Zulassung und Zertifizierung bietet das ÖTI auch Seminare an. Die Fortbildungen sind keine Standardprogramme, sondern werden individuell nach den Wünschen der Unternehmen gestaltet. Bei mindestens fünf bis sieben Teilnehmern können auch Textilreiniger eigene Schulungen für ihre Mitarbeiter buchen.

Besuch bei Teppichreinigung Stepanek

Die steirischen Teilnehmer der Besichtigungsfahrt zum ÖTI besuchten außerdem die Teppichreinigung Stepanek. Das Unternehmen im niederösterreichischen Guntramsdorf hat sich auf die Reinigung und Reparatur von Teppichen und Lederwaren spezialisiert. Mit rund 20 Mitarbeitern schafft der Betrieb eine Kapazität von bis zu 300 Teppichen pro Tag. Serviceleistungen bietet Stepa-nek vor allem in der Ausbesserung und Instandsetzung der Teppiche. Außerdem bietet das Unternehmen Behandlungen zum Mottenschutz an.

Während die Textilreiniger beim ÖTI den Test von flammhemmenden Materialien kennenlernten, rüstet Stepanek Vorhang- und Bezugsstoffe auf Wunsch flammhemmend aus.Christina Geimer