Frottierwaren Womit sich Obama abtrocknet

Nach Einschätzung von Bernhard Egner, Geschäftsführer des Herstellers Floringo, geht der Trend bei Frottierwaren zu Qualität und Langlebigkeit. Wie hat sich das bayerische Unternehmen auf dem Markt etabliert und kann es diese Anforderungen erfüllen? RWTextilservice war zu Besuch in Obersöchering.

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    Geschäftsführer Bernhard Egner präsentiert den Bestseller von Floringo. Fotos: Knewitz
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    Bei diesen Badetüchern ist jeweils ein RFID-Transponder im Rand eingearbeitet.
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    Zwei Drittel der Lagerkapazität in Obersöchering wird für die Kundenware genutzt.
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    Am Standort in Bayern erfolgt eine nochmalige Kontrolle. Foto: Floringo

3 In jedem Hotelzimmer liegen sie im Bad bereit und werden nicht selten als kleines Mitbringsel auch mal mit nach Hause genommen: Frottierwaren. An diese Flachwäsche stellen die Benutzer hohe Anforderungen. Handtücher, Duschtücher, Badetücher und Bademäntel sollen Wasser gut aufsaugen, schnell trocknen und dabei noch angenehm zu Tragen sein. Dieser Herausforderung stellt sich der Frottierwarenhersteller Floringo.

Das Unternehmen mit Sitz im bayerischen Obersöchering beliefert Textilserviceunternehmen, Hotelausstatter, Handelspartner für Pflegeheime und Handelspartner für den Werbemittelbereich. „Der Objektbereich macht 80 Prozent unseres Umsatzes aus, Großhandel und Werbung 20 Prozent“, erzählt Geschäftsführer Bernhard Egner. Seit der Gründung 1997 stellt das Unternehmen Frottierwaren her – und ist seither stetig gewachsen.

Großes Lager für Objektkunden

In den ersten drei Unternehmensjahren war Floringo zur Miete in Weilheim. Im Jahr 2000 entstanden das Verwaltungsgebäude und die erste Lagerhalle am jetzigen Standort in Obersöchering. Sechs Jahre später wurde die zweite Lagerhalle gebaut und die neueste wurde 2012 bezogen. Die neueste Lagerhalle verfügt über 1.000 Palettenstellplätze und ist ausschließlich für die Einlagerung der Waren für Kunden im Objektbereich gedacht. Hierdurch kann Floringo die Kunden innerhalb von drei bis vier Werktagen mit Ware beliefern. Die älteren beiden Hallen verfügen zusammen über 1.300 Palettenstellplätze. In eine Regalzeile passen 15.000 Handtücher und 15.000 Duschtücher. Zwei Drittel der gesamten Lagerkapazität belegt das Kundenlager.

Mittlerweile beschäftigt Floringo 21 Mitarbeiter in Obersöchering. Derzeit gibt es einen Auszubildenden zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Im September schult ein weiterer Auszubildender zur Fachkraft für Lagerlogistik um. Bisher sind alle Auszubildenden übernommen worden.

Das Unternehmen setzt auf einen schlanken Verwaltungsapparat. In Obersöchering ist die Abteilung Marketing und Vertrieb, sowie die Logistik, das Lager und die Produktentwicklung ansässig. Floringo produziert in Denizli in der Türkei. Dort sind auch das Qualitätsmanagement und die Zentrallagerbelieferung ansässig. Von diesem Standort aus findet der Vertrieb sowohl über Land, als auch über den Seeweg statt. Es gibt fünf verschiedene Produktionen in der Türkei. Diese sind jeweils auf gewisse Textilien spezialisiert. 50 Prozent der Produktion findet in einem Betrieb statt, an dem Floringo eine Beteiligung hat. Für die Qualitätskontrolle sind in der Türkei vier Mitarbeiter vor Ort, die eine ständige Kontrolle während aller Produktionsschritte durchführen. Eine Stichprobenkontrolle gemäß Artikeljournal findet dann nochmal in Obersöchering statt. Hier untersuchen Mitarbeiter die Ware auf Webfehler, Nähte, die richtigen Maße und das richtige Gewicht. Die Reklamationsrate beim Kunden liegt deshalb weit unter einem Prozent. In Obersöchering macht die Qualitätskontrolle etwa 20 Prozent der für Warenein- und -ausgang sowie für die Kommissionierung erforderlichen Arbeitszeit aus. Stickereien werden am Standort in der Türkei getätigt. Für kleinere Mengen arbeitet Floringo in Deutschland mit Lohnstickereien zusammen.

Frottierwäsche für die internationale Politik

Derzeit ist Floringo am stärksten auf den Märkten der D/A/CH-­Staaten und der Beneluxländer vertreten. Hier werden Wäschereien direkt und Hotels über Hotelausstatter beliefert. Internationale Hotelketten wie z.B. die Steigenberger-Gruppe werden von Floringo beraten und mit Objektfrottier ausgestattet. Auf ­internationaler Ebene liefert Floringo über Partnerunternehmen auch an Luxus­hotels in Dubai und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
In Zukunft möchte Floringo den Hotel- und Leasingbereich auf
die EU, die baltischen Staaten und Russland ausdehnen. „Das liegt logistisch und vertriebstechnisch für uns in der Nähe“, erklärt
Egner.

Um die Internationalisierung voranzutreiben, ist das Unternehmen auf Messen wie der Heimtextil in Moskau, oder der Cruise-Shipping-Messe in Miami vertreten. Demnächst wird Floringo ein Aida-Schiff ausstatten, das in Japan fertig gestellt wird. Der Umfang des Auftrags entspricht in etwa der Kapazität von fünf Lkw.Besonders freut sich Egner darüber, dass das Schloss Elmau, Schauplatz des diesjährigen G7-Gipfels – an dem Staats- und Regierungschefs aus sieben Industrienationen wie die USA teilnahmen – mit Frottierwaren von Floringo ausgestattet ist. Der Kunde Greif Textile Mietsysteme beliefert das Hotel. Für den G7-Gipfel gab es gesonderte, größere Aufträge.

Insgesamt hat Floringo 3.500 feste Kunden, unter denen sich auch viele Kleinkunden aus dem (Werbemittel-)Handel finden, die täglich aus einer großen Artikelvielfalt bedient werden.

Transparenz als Strategie

Kunden von Floringo – egal ob klein oder groß – können die Produktion in der Türkei besichtigen. „Transparenz ist für uns sehr wichtig“, versichert Egner. Diese Strategie hat das Unternehmen auch durch die Baumwollkrise 2010 geführt. Durch Börsenspekulationen verdreifachte sich der Preis für Baumwolle innerhalb weniger Monate. Das Unternehmen war daher gezwungen, Baumwollaufschläge festzulegen. Diese betrugen jedoch lediglich etwa 20 Prozent; somit wurde nicht die komplette Verteuerung von Baumwolle an die Kunden von Floringo weitergegeben. Innerhalb eines Jahres normalisierten sich die Preise am Markt wieder vollständig. „Deshalb konnten unsere Kunden zu dem Zeitpunkt die Baumwollwaren wieder komplett ohne den Aufschlag er­werben. Das haben einige Mitbewerber nicht so gemacht. Sie ­haben den Preis stattdessen auf diesem Niveau gelassen“, weiß Egner.

Dieser Umgang mit Preisschwankungen brachte dem Unternehmen einen Umsatzschub. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Kunden gesehen haben, dass wir fair und transparent arbeiten“, vermutet Egner, „die Zukunft liegt nicht in Zertifikaten, sondern in der Transparenz.“ Deshalb arbeitet das Unternehmen derzeit weiter daran: Noch in diesem Jahr soll der erste Nachhaltigkeitsbericht erscheinen. „Die Vorgaben an Nachhaltigkeit haben wir aber bereits vorher schon erfüllt. Das bedeutet, dass wir nichts anpassen oder ändern müssen“, erklärt der Geschäftsführer.

Verstärkte Nachfrage nach Biolinie

Doch auch Zertifikate sind nicht zu vernachlässigen. Seit sechs Jahren hat Floringo eine Biolinie im Sortiment, die nach dem Global Organic Textile Standard (G.O.T.S.) zertifiziert ist. Erst seit zwei Jahren fragen Kunden diese Produktlinie verstärkt nach, wobei es sich im Leasingbereich als hemmend erweist, dass auch die Waschverfahren umgestellt werden müssen. Die Fair-Trade-Produkte von Floringo sind 20 bis 25 Prozent teurer als die konventionelle, generell nach Ökotex-Standard 100 produzierte Ware, da das Garn hierbei circa 50 Prozent mehr kostet. Auch das Qualitätsmanagement und die besondere Eignung der Frottierprodukte von Floringo für den gewerblichen Einsatz sind zertifiziert: nach DIN ISO 9001:2008 und DIN EN 14697 durch die Hohenstein Institute. Werbefrottier wird nach dem Produktsicherheitsgesetz etikettiert.

An den Frottierwaren forscht Floringo ständig weiter. Der derzeitige Bestseller ist der Bademantel Twin-Star. Dieser ist innen zu 100 Prozent aus Baumwolle und außen aus Mikrofaser gefertigt. Das hat einen doppelten Effekt: Beim Waschen reduzieren sich die Trocknungskosten um 50 Prozent, für den Träger bleibt der Bademantel auch nach vielen Wäschen flauschig. „Das Produkt ist der Renner bei Hotelausstattern“, freut sich Egner.

Die Kunden aus den verschiedenen Bereichen haben spezielle Anforderungen. Für Textilserviceunternehmen steht Waschbeständigkeit und Formstabilität an vorderster Stelle, während für die Pflegeheime Farben eine große Rolle spielen, weil diese für eine warme Atmosphäre und Abwechslung sorgen. Flexibilität und Anpassung an individuelle Ansprüche ist den Geschäftsführern wichtig: Z.B. können Badevorleger oder Duschtücher bereits ab 300 Stück mit Hoch- und Tiefeinwebung individualisiert werden.

Für Frottierwaren im Objektbereich gibt es einen eigenen Katalog, der im Zweijahresrhythmus neu aufgelegt wird, wobei z.B. bei Leasingwäsche neue Farben und nur Qualitäten hinzukommen, die im Einsatz bereits bewährt sind. Bei der Objektwäsche berät Floringo zu kräftigeren Farben. „Pastelltöne sind problematisch bei optischen Aufhellern“, warnt Egner. Die Vielseitigkeit der Farben kommt bei den Kunden gut an. Besonders beliebt ist laut Egner die Farbe Jasmin, ein helles grün. Die ideale Leasingwäsche liegt laut Egner zwischen 400 bis 550 g/m², da schwere Ware durch moderne, wassersparende Waschprogramme nach der Wäsche vergrauen könne. Der Grund ist, dass Schmutzpartikel beim Spülen nicht mehr richtig herausgespült werden. Sollte schwerere Ware eingesetzt werden, empfiehlt Egner, die Waschprogramme anzupassen bzw. diese Ware separat zu waschen.

Eingenähte RFID-Transponder

Als aktuellen Trend sieht Egner die Ausstattung der Textilien mit RFID-Transpondern. „Wir sollen die Transponder für viele Kunden am Rand der Frottierwaren einnähen“, erzählt er. Solche Aufträge erhält das Unternehmen wöchentlich. Floringo hat dazu eine Naht entwickelt, bei der die Transponder nicht mehr sichtbar, aber gut lesbar sind. Insgesamt bewertet der Geschäftsführer die Marktsituation positiv. „Die Kunden legen wieder mehr Wert auf Qualität und Langlebigkeit. Da unsere Frottierwaren in etwa 20 bis 30 Prozent länger halten, ist die Anschaffung unserer Produkte wirtschaftlicher“, betont Bernhard Egner. Das Unternehmen Floringo stehe für hochwertige Produkte und sei nach wie vor erfolgreich auf dem Markt. Auf den permanenten Preisdruck reagieren die Geschäftsführer mit der Optimierung von Abläufen. Um das Transportvolumen zu reduzieren, wird die Ware seit einigen Monaten gepresst. Das verringert Frachtkosten, entlastet Verkehr und Abfallaufkommen, da auch Verpackungsmaterial eingespart wird.

Seit der Gründung wächst Floringo stetig. Alle sieben Jahre hat sich der Umsatz verdoppelt. Damit dieser Trend sich fortsetzt, investiert der Unternehmer ständig. Die derzeitige Investition ist ein neues, voll computergestütztes Lagersystem. Dieses wird es ermöglichen, exakt festzustellen, in welchem Bearbeitungsstatus sich ein bestimmter Auftrag befindet. Möchte der Kunde darüber informiert werden, reicht ein Telefonanruf bei Floringo und der Sachbearbeiter kann die Information sofort weitergeben. Das System wird komplett papierlos arbeiten. Der erste Testbetrieb soll Anfang Juli diesen Jahres laufen. Im September wird das System dann scharf gestellt. Darüber hinaus wird das Lager umgerüstet, um eine bessere Raumausnutzung zu erhalten. In diesem Zuge wird das Lager mit energieeffizienten LED-Lampen ausgestattet. Das ist für das Frühjahr 2016 geplant.

Das Unternehmen will zudem die neuen Medien verstärkt nutzen. Facebook soll für die Imagewerbung herangezogen werden und der neue Internetauftritt ist bereits seit Ende März 2015 online. Hierauf wird es laut Floringo demnächst einen Rentabilitäts­rechner geben, den Kunden nutzen können, um auszurechnen, wie sich Qualität und Langlebigkeit der Textilien im Endeffekt auszahlen.

www.floringo.de