Ambulante Pflege und Wäschelogistik Zwei Dienstleister und eine Vierteilung

Wie kann man Pflegebedürftige effizient und zuverlässig mit Wäsche versorgen, auch im ambulanten Bereich? Auf diese Frage haben die PML Pflege mit Leidenschaft GmbH in Erfurt sowie die Ullmer GmbH & Co. KG in Bad Neustadt gemeinsam eine Antwort gefunden. Das ausgeklügelte Logistikkonzept stellt PML-Geschäftsführer Marcel Müller-Rechenbach im Interview mit R+WTextilservice vor.

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    Marcel Müller-Rechenbach ist Geschäftsführer der PML Pflege mit Leidenschaft Erfurt GmbH. Fotos: PML Pflege mit Leidenschaft Erfurt GmbH
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    PML kümmert sich vorrangig mit ambulanten Angeboten um pflegebedürftige Menschen.

Bewohnerwäsche aus Pflegeheimen oder betreuten Wohneinrichtungen zu managen, ist für viele Textildienstleister eine Herausforderung. Nicht nur interne Prozesse, Wasch- oder Finishverfahren müssen passen. Besonders im Logistikbereich sind für Bewohnerwäsche spezielle Lösungen gefragt, damit jedes Teil zeitnah wieder beim richtigen Besitzer landet. Und was, wenn auch noch ambulante Patienten mit Wäsche versorgt werden sollen? Die PML Pflege mit Leidenschaft Erfurt GmbH hat gemeinsam mit der Ullmer GmbH & Co. KG ein Logistikkonzept entwickelt. Pflegedienst und Wäschedienstleister arbeiten Hand in Hand.

Umfassende ambulante Versorgung

Die PML Pflege mit Leidenschaft Erfurt GmbH (PML) wurde im Jahr 2010 gegründet und hat ein Geschäftsmodell entwickelt, welches die umfassende, überwiegend ambulante Versorgung pflegebedürftiger Menschen erlaubt. Die Angebote der PML sollen es den Menschen ermöglichen, länger in der vertrauten Umgebung des eigenen Wohnortes und in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Machen jedoch körperliche und geistige Einschränkungen oder die Vereinsamung eines Menschen den Umzug in eine betreute Wohn­umgebung notwendig, kann PML ebenfalls Lösungen bieten. Zum Angebot gehören folgende Punkte:

  • ambulante Pflege,
  • medizinische Pflege,
  • Pflegeberatung,
  • Tagespflegen,
  • Verhinderungspflegen,
  • betreutes Wohnen ,
  • intensiv betreutes Wohnen,
  • ambulant betreute Wohngemeinschaften,
  • Hol- und Bringservice Tagespflegen,
  • Wäscheservice,
  • Speisenservice,
  • hauswirtschaftliche Hilfe,
  • altersgerechte Sanierungskonzepte.

PML ist an folgenden Standorten vertreten: Erfurt, Straußfurt, Weimar, Apolda, Sonneberg, Neuhaus am Rennweg, Neuhaus-Schierschnitz, Schalkau und Frankenblick. In Planung befinden sich weitere Standorte in Bad Wörishofen, Heilbad Heiligenstadt und Arnstadt. Insgesamt hat das Unternehmen rund 300 Mitarbeiter. Diese sind für mehr als 900 Klienten an den aktuell neun Standorten tätig. PML-Geschäftsführer Marcel Müller-Rechenbach arbeitete bereits vor Gründung des Unternehemns in leitender Funktion in einem Erfurter Pflegeheim. Dort setzte er sich für eine professionelle Textilversorgung ein und arbeitete mit dem Wäschedienstleister Ullmer zusammen.

Müller-Rechenbach und der Ullmer-Geschäftsführer Stephan Ullmer-Kadierka kennen sich daher schon seit dem Jahr 2000. Als Müller-Rechenbach im Juli 2012 die Idee der PML Pflege mit Leidenschaft Erfurt GmbH in die Tat umsetzte, konnte er auf die Unterstützung von Ullmer-Kardierka und dessen Team setzen – mittlerweile ist mehr als eine reine Geschäftsbeziehung entstanden. Im Interview erläutert Müller-Rechenbach, wie die Zusammenarbeit aktuell abläuft.

R+WTextilservice: Wie wichtig ist das Thema Wäsche für Ihre Klienten?

Marcel Müller-Rechenbach: Für Menschen, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind, ist die Unterstützung beim Wäschewaschen – neben der Versorgung mit Essen – enorm wichtig. Für viele Klienten ist saubere und gebügelte Wäsche nicht nur für den Eindruck auf Dritte von hoher Bedeutung, sondern spielt auch für das eigene Wohlgefühl eine übergeordnete Rolle. Angehörige erzählen uns immer wieder, dass viel Zeit investiert wird, um die Wäsche der Eltern oder Schwiegereltern zu waschen, auf- und abzuhängen, zu bügeln und in den Schrank zu legen.

Sie arbeiten beim Wäscheservice mit dem Textilserviceunternehmen Ullmer zusammen. Welche Vorteile sehen Sie darin?

Der größte und wichtigste Vorteil ist die Entlastung der Klienten und ihrer Angehörigen. Die zu waschende Wäsche wird in Wäschebeuteln gesammelt und man erhält die gewaschene Wäschestücke schrankfertig – gebügelt und zusammengelegt – zurück. Ein weiterer Vorteil: Eine Waschmaschine wird nicht mehr benötigt. Es fallen weder Kosten für Strom, Wasser und Waschmittel an. Zudem muss nicht mit Reparaturkosten oder der Neuanschaffung einer Waschmaschine gerechnet werden. Der private Wohnbereich wird nicht mehr durch Wäscheständer zugestellt und das für viele lästige Bügeln und Zusammenlegen der Wäsche entfällt.

Zudem, aus Unternehmersicht, wird dadurch auch unser Pflegepersonal entlastet, welches sich ausschließlich auf pflegerische und betreuerische Leistungen konzentrieren kann. Bis zur Umstellung haben wir das Wäschewaschen vor Ort beim Klienten oder in unseren Standorten mit Hilfe von firmeneigenen Waschmaschinen durchgeführt.

Hierbei ist bemerkenswert, dass Pflegeunternehmen nur einmal wöchentlich das Waschen von Klientenwäsche bei der Pflegekasse oder Krankenkasse geltend machen dürfen, egal wie hoch der tatsächliche Bedarf des Klienten bzw. der Aufwand beim Klienten ist. Die PML Pflege mit Leidenschaft Erfurt GmbH und ihre Tochtergesellschaften haben mit den entsprechenden Pflegekassen folgenden Abrechnungswert verhandelt, der sich aus einem Punktwert ergibt (die Vergütungssätze variieren stark zwischen einzelnen Unternehmen und nochmals zwischen den Bundesländern):

  • Leistungskomplex 18 (Wäschen, Bügeln, Zusammenlegen und Einräumen der Wäsche) einmal wöchentlich 15,41 Euro bei einem Zeitfenster von zehn Minuten. Leistungen über die zehn Minuten hinaus mussten privat in Rechnung gestellt werden.

Wenn man allein den Zeitaufwand des Bügelns in Augenschein nimmt, merkt man schnell, welche Kosten auf den Klienten oder seine Angehörigen zukommen können bzw. welchem Zeitdruck unser Pflegepersonal ausgesetzt war.

Wir bieten unseren Klienten und Angehörigen den Wäscheservice zum durchschnittlichen monatlichen Preis von 75 Euro an, keine Zusatzkosten oder versteckte Kosten. Lediglich chemische Reinigung ist in der Pauschale nicht enthalten. Die Pauschale kann entweder über das Pflegebudget oder privat beglichen werden.

Warum haben Sie keine Inhouse-Wäscherei?

Der Hauptgrund hierfür liegt in den hygienischen Voraussetzungen, die eine solche Wäscherei erfüllen muss, sowie in der Vielzahl an weiteren Regelungen, die der Gesetzgeber vorgibt. Hinzu kommt, dass eine Inhouse-Wäscherei in unserem Konzept nicht realisierbar ist, da wir keine Räumlichkeiten wie ein Pflegeheim besitzen, sondern uns durch alternative Wohnkonzepte mit integrierten Tagespflegen auszeichnen.

Bitte umreißen Sie kurz, wie bei Ihnen die Wäschelogistik in Zusammenarbeit mit Ullmer funktioniert.

Die zu waschende Wäsche wird in personalisierten Wäschebeuteln beim Klienten gesammelt. Jeder Klient erhält nach Anmeldung drei personalisierte Wäsche­beutel und hat zweimal wöchentlich die Möglichkeit, die Wäschebeutel abzugeben. Im ambulanten Bereich sowie in den Wohnformen sammelt unser Pflegepersonal die Wäschebeutel ein und wirft sie an einem Sammelpunkt ab. Unser Fahrdienstteam holt die Wäsche dort ab und bringt diese an einen zentralen Sammelpunkt, von dem aus die Ullmer GmbH & Co. KG die Wäschewagen zweimal wöchentlich mitnimmt.

Bei Abholung der Schmutzwäsche durch den Textildienstleister Ullmer wird gleichzeitig die saubere Wäsche angeliefert. Hier sortiert das Fahrdienstteam die Wäsche nach Standorten. Die Standorte sind durch Beschilderung an den Wäschewagen ersichtlich. Die gewaschene Wäsche wird auf die entsprechenden Touren verteilt und zu den Standorten und ihren Sammelpunkten gebracht. Die saubere Wäsche wird in Folie verschweißt angeliefert – inklusive des ebenfalls frisch gewaschenen Wäschebeutels, der für die Abgabe genutzt wurde. Mit Hilfe gut sichtbarer Belege in den Wäschepäckchen ist die Zuordnung des Standorts und des Klienten problemlos zu realisieren. Das Pflegepersonal räumt schließlich die Wäschepakete in die entsprechenden Schränke unserer Klienten.

Die Zuordnung der Wäsche folgt also dem „Pro-Persona-Prinzip“. Dazu wird ein Barcode am Wäschestück und am Wäschesack angebracht. Warum ist das so wichtig?

Das „Pro-Persona-Prinzip“ ermöglicht die eindeutige Zuordnung der Wäsche zum entsprechenden Klienten und sorgt auf Nachfrage für die nötige Transparenz, in welchem Stadium sich die zu waschende Wäsche befindet. Zudem ist es für die Rechnungsstellung aus Sicht von Ullmer an PML unumgänglich.

Die PML-Pflegedienstfahrzeuge sind viergeteilt, sodass Wäsche und Essen gleichzeitig transportiert werden können, aber auch alle hygienischen Vorschriften erfüllt werden. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Anlass dafür gaben die hygienischen Voraussetzungen und deren strikte Einhaltung, die beim Transport von Speisen und Wäsche von absoluter Wichtigkeit sind. Beim Ausarbeiten des Konzepts wurde schnell klar, dass Klienten in den Standorten sowie ambulant versorgte Klienten im besten Fall neben dem Wäsche- auch unseren Speiseservice nutzen möchten. So hätte sich aus der Nutzung von Fahrzeugen ohne Trennung ein negativer Nebeneffekt ergeben: Für jeden Service hätte eine separate Fahrt zum bzw. vom Klienten geplant werden müssen. In dem Fall wären die Kosten (für Personal, Fahrzeuge, Benzin usw.) ins Unermessliche gestiegen, die wir schlussendlich unseren Klienten hätten weiterberechnen müssen. Mit der Vierteilung ist dieses Problem gelöst und eine strikte Trennung zwischen sauberer und schmutziger Wäsche sowie frischem Essen und zu spülendem Geschirr gewährleistet.

Mit welchem Zulieferer haben Sie die räumliche Trennung umgesetzt?

Den Einbau der Trennwände in die Fahrzeuge hat ein örtliches Fahrzeugtechnikunternehmen durchgeführt, das vorrangig auf den behindertengerechten Fahrzeugumbau spezialisiert ist.

Welche Wäschemengen fallen bei PML wöchentlich insgesamt an, die bei Ullmer landen?

Das ist schwierig zu sagen, da die Abgabe pro Klient und Woche sehr differenziert. Zudem kommt es auch auf die Konfektionsgröße des jeweiligen Klienten an: Davon hängt die Anzahl der Bekleidungsstücke ab, die in den Wäschebeutel passen. Des Weiteren sind größere Wäschestücke wie Bettbezüge, Handtücher oder Decken auch in regelmäßigen Abständen dabei. Klienten in unseren geräumigen Wohnkonzepten haben – im Vergleich zur Klinik und zum Pflegeheim – mehr Möglichkeiten, ihre persönliche Wäsche zu behalten und zu tragen, sodass die anfallenden Wäschestücke dementsprechend höher sind. Pauschal kann man sagen, dass jeder Klient drei personalisierte Wäschebeutel erhält und zweimal wöchentlich Wäsche abgeben kann. Wenn man von einer Durchschnittsperson ausgeht, die zweimal wöchentlich maximal 30 Wäscheteile aus Hosen, Oberbekleidung, Strümpfe, Unterwäsche abgibt, und dies mit der Anzahl an 788 Klienten multipliziert, ist es möglich, dass 23.640 Wäschestücke wöchentlich bei der Wäscherei Ullmer allein von der PML Pflege mit Leidenschaft Erfurt GmbH und deren Tochtergesellschaften eingehen.

Elena Schönhaar

www.pflege-mit-leidenschaft.net

www.wir-sind-ullmer.de