Beim Wiederaufziehen eines Sofabezuges nach der Reinigung stellt der Kunde fest, dass einige weiße Schadstellen zu sehen sind, die bei der Abgabe nicht vorhanden waren. Der Reiniger erklärt, dass die Schadensursache in der Materialbeschaffenheit liegt. Doch hat er damit recht?
Ein Auftrag mit Haken und Ösen
Auf der Suche nach Entspannung und Ruhe ist das Zentrum der Wohnung meist das Sofa im Wohnzimmer. Einladend soll es sein, bequem, gut aussehen und - erfahrene Sofaliebhaber wissen es - die Bezüge sollten abziehbar sein, um dann und wann gereinigt werden zu können. Hat man dann auch noch einen gröberen Stoff in einer gedeckten Farbe gewählt, so wurde beim Sofakauf eigentlich alles richtig gemacht.
Um ganz sicherzugehen, bringt man den schönen Sofabezug auch regelmäßig in die Reinigung, um ihn auffrischen zu lassen. Mit diesem Gefühl wird ein Sofabezug mit leichter Anschmutzung in einen Textilreinigungsbetrieb gegeben. Beim Wiederaufziehen des Bezuges nach der Reinigungsbehandlung stellt die Familie jedoch fest, dass einige weiße Schadstellen zu sehen sind, die bei der Abgabe nicht vorhanden waren. „An den Stellen ist das Gewebe zerstört“, reklamiert der Kunde. „Das ist materialbedingt. Da kann man nichts machen“, lautet die lapidare Antwort des Textilreinigers. Nachdem man beim Kauf des Sofas so viel bedacht hat, möchte der Kunde es nicht dabei bewenden lassen und bittet um eine neutrale Begutachtung.
Schadensursache
Bei der Inaugenscheinnahme durch den Gutachter kann eine Gebrauchsverfleckung auf den ersten Blick ausgeschlossen werden. Es handelt sich vielmehr um Fadenzieher des Bezugsstoffes, verursacht durch das Hakenband des am Bezugsstoff angenähten Klettverschlusses. Diese erscheinen auf der grauen Grundfarbe des Bezugsstoffes durch die Lichtbrechung als „weiße Stellen“. Ein Klettverschluss besteht aus zwei aufeinander abgestimmten Bändern, die ihrerseits beispielsweise auf ein Stück Stoff aufgenäht oder an ein Möbelstück angetackert werden. Auf einer Seite ist ein Hakenband angebracht, auf der anderen Seite ein Ösenband, auch Flauschband genannt, in dem sich die Haken verfangen können. Durch „aneinanderkletten“ beider Bänder wird der Verschluss geschlossen (siehe auch Kasten „Klettverschluss“).
Die Ursache ist also augenfällig, es bleibt die Frage, wer für den Schaden die Verantwortung trägt. Warum bringt der Hersteller das Hakenband am Sofabezug an, während das Flauschband an das Sofagestell getackert ist? Das Flauschband hat nicht die Eigenschaft, sich in gröberen Stoffen festzuhaken. Heinrich Kreipe, Textilingenieur und Branchenkenner aus Tönnisforst: „Es ist mir kein Grund dafür bekannt.“
Die Stellungnahme des Bundesverbandes der vereidigten Sachverständigen im Raumausstatterhandwerk bestätigt diese Aussage grundsätzlich, benennt jedoch einige Ausnahmen. Der Fachbereichsleiter Polsterei, Manfred Horbach, gibt zu bedenken, dass in speziellen Fällen aus fachlicher Sicht durchaus das Häkchenband am Bezugsstoff anzubringen ist. Vor allem wenn kein Flauschband als Gegenstück verwendet wird, sondern eine entsprechend strukturierte, textile Fläche, auf der das Hakenband variabel festgedrückt werden kann. Ein weiterer Aspekt ist die Beschaffenheit des Hakenbandes. Hakenbänder sind in aller Regel fester bzw. steifer als Flauschbänder. Teilweise werden diese Eigenschaften in dem Sinne genützt, als dass die Hakenbänder eine optische Straffung der Bezugsstoffe an den Übergängen bewirken. Allerdings seien dies Spezialfälle. Ansonsten gibt es keinen Grund für die Verwendung von Hakenbändern auf Textilien. Durch entsprechende Konfektionierung von Industrie und den Raumausstattern könnten derartige Schadensfälle vermieden werden.
Bis es in diesen Fragen allerdings zu einem durchschlagenden Erfolg kommt, muss der Textilreiniger mit den Hakenbändern der Klettverschlüsse rechnen und sich auf diese Ware einstellen. Abhilfe können beispielsweise Flauschbänder aus einem Kurzwarengeschäft schaffen, die vor dem Reinigen auf die Hakenbänder aufgebracht werden und diese dadurch „unschädlich“ machen. Kann sich das aufgenähte Hakenband im betreffenden Stoff nicht verhaken, kann beispielsweise auch durch die Verwendung von Netzen eine Schädigung anderer Teile vermieden werden.
Schadensregulierung
Ist nun doch eine Schädigung eingetreten, gibt es meist eine Möglichkeit der Nachbesserung. Durch Abrasieren der herausgezogenen Faserbüschel kann der Schaden eventuell unsichtbar gemacht und das Textil für eine weitere Verwendung gerettet werden. Wenn es dem Reinigungsbetrieb gelingt, sich auf die Verwendung von Hakenbändern einzustellen, hat der Kunde weiterhin das Gefühl, mit seinem Sofa alles richtiggemacht zu haben.