Möbelreinigung Woher kommt der Florschaden?

Im aktuellen Fall reklamiert ein Kunde eine Wohnlandschaft wegen örtlicher Schäden im Oberstoff. An diesen Stellen fehlt die Beflockung, der Sachverständige endeckt klebrige Rückstände. Wurde das Möbelstück falsch behandelt oder sind Gebrauchsspuren die Ursache?

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    Bild 1Die Florschäden traten am Seitenteil der Wohnlandschaft, der Recamiere, auf.
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    Bild 2Betroffen ist der Kantenbereich des Stoffes. Hier ist die Beflockung beschädigt. Fotos: Kreckel

Woher kommt der Florschaden?

Zunächst ergab eine Überprüfung des Oberstoffes, dass dieser aus einem Grundmaterial aus Polyester und Baumwolle besteht, auf das ein Kleber aufgebracht wurde, der mit einem Polyamidbeflockung versehen ist. Diese Beflockung ist am Seitenteil der Wohnlandschaft im Kantenbereich beschädigt. Der frei liegende Kleber fühlt sich an der Oberfläche klebrig an. Der Schaden trat an der zum Fenster gerichteten Seite des Möbelstücks auf.

Außerdem sind im Oberstoff zwei Löcher in einem Abstand von 5 cm zu sehen. Hier wurde offensichtlich ein Gegenstand befestigt. Mit der Lupe betrachtet wird dies besonders deutlich. Wie die Spuren erkennen lassen, sind hier zwei Nägel verwendet worden. Dabei könnte es sich um eine Transportsicherung handeln. In diesem Bereich ist die Beflockung beschädigt, sowohl an der Kante als auch an den erhabenen Stellen, wo der Stoff gerafft ist.

Betrachten wir einmal den Arbeitsschritt der Beflockung näher. Grundlage dazu ist der Siebdruck. Dabei wird das Gewebe mit einer dickflüssigen Beschichtung getränkt. Diese Beschichtung ist lichtempfindlich und härtet mit UV-Licht aus. Statt Farbe wird hier ein Dispersionskleber aufgetragen. Dabei hängt über dem Stoff ein Flockbehälter. Dieser Behälter besteht aus einem Metallsieb. Ein Hochspannungserzeuger baut zwischen dem Sieb und der Metallpalette ein elektrostatisches Feld auf. Die durch ein Sieb aufgebrachten Flocken stellen sich innerhalb des elektrostatischen Feldes senkrecht auf, wenn sie auf die Kleberfläche fallen.

Eine derartige Beflockung ist grundsätzlich beständig gegenüber den in der Polstermöbelreinigung verwendeten Teppichwaschmitteln. Auf keinen Fall dürfen Lösemittel oder lösemittelhaltige Produkte zum Einsatz kommen. Intensive Gebrauchseinwirkung, Licht, Schweiß und Mechanik können ebenfalls zu einer regionalen Schädigung führen.

Verklebte oder verhärtete Stellen dürfen weder in trockenem Zustand noch in nassem Zustand mit einer Bürste abgerieben werden, da dadurch mögliche Florschäden entstehen können. Unbeständig ist der Kleber jedoch auch gegenüber Fettlösern, wie sie auch im Haushaltsbereich eingesetzt werden.

Schadensursache

Die Oberflächenveränderung im vorliegenden Fal lässt auf mechanische Einwirkung schließen. Diese kann sowohl durch Gebrauchseinwirkung entstehen als auch durch mechanische, örtliche Bearbeitung.

In Kombination, das heißt durch örtliche Bearbeitung und nachfolgende mechanische Beeinflussung, werden derartige Schäden beschleunigt. Inwieweit Lichteinwirkung solche Schäden beeinflusst, kann nicht festgestellt werden. Der Sachverständige stellte fest, dass die Oberfläche leicht klebt. Diese oberflächlichen Schäden an dem Seitenteil, links mit Kopfstütze und Relaxrücken, sind auf der Fensterseite, im Bereich der Tür aufgetreten. Über die beiden senkrecht untereinander liegenden Löcher kann der Sachverständige nur aussagen, dass diese Schäden auf eine Verfestigung in Verbindung mit Schrauben oder Nägel schließen lassen. Hier kann durchaus eine Schädigung vorliegen, die bereits vor der Textilpflege vorlag.

Schadensregulierung

Diese Mängel sind im Rahmen einer einfachen Warenschau jedoch leicht zu erkennen. Daher kann der Sachverständige einen Bearbeitungsfehler nicht ausschließen. Diese Wohnlandschaft war ca. fünf Jahre alt. Sie besteht aus mehreren Teilen. Diese Einzelteile waren auch nach dieser Zeit noch käuflich zu erwerben. Da der Oberstoff nicht verschossen war, kann das Einzelteil ergänzt werden. Der Restwert dürfte mit 50 Prozent vom damaligen Kaufpreis angemessen zu entschädigen sein. Die Gesamtkosten betrugen demnach ca. 290,00 Euro.