Eine Reinigung erhält Übergardinen zur Grundreinigung. Eine Pflegeanleitung und eine Materialangabe fehlen. Der Reinigungsbetrieb gibt an, dass er diese Gardinen lediglich einer Grundreinigung in Per unterzogen hat.
Einlaufschaden und Effektverlust
Im vorliegenden Fall sind die Vorhänge etwa 20 cm eingegangen, der Moiré-Effekt ist vollkommen verschwunden.
Grundsätzlich wird ein Moiré-Effekt durch Temperatur und Druck mittels Kalander erzielt, d.h., eine mit einer Musterung versehene Walze wird mit hohem Druck über einen Stoff geführt. Diese Musterung ist lediglich auf der rechten Warenseite zu erkennen. Derartige Effekte können durch entsprechende Kunstharze unterstützt werden.
Quillt dieser Stoff, so wird dadurch dieser Effekt mehr oder weniger verschwinden. Quellbare Fasern sind alle Zellulosefasern, wie z.B. Baumwolle, Viskose, Zellwolle usw. (siehe Bild 1). Weiterhin gibt es Moiré-Effekte, die über ein Köpergewebe erzeugt werden. Während der über Kalanderwalzen erzeugte Moiré-Effekt nur auf einer Warenseite zu erkennen ist, ist der über die Bindung gewählte Effekt auf beiden Seiten sichtbar.
Im vorliegenden Fall besteht der Oberstoff (Moiré) aus Viskose und der Futterstoff aus Baumwolle. Erschwerend kommt hinzu, dass es sich um ein Ripsgewebe handelt, d.h. um eine Gewebeart, die sich bei Einwirkung von Feuchtigkeit in stärkerem Maße entspannt. Die Veränderungen, die durch die Einwirkung von Feuchtigkeit, Mechanik und Wärme entstehen, gehen bei Rips in Verbindung von Zellulose und hier insbesondere bei Viskose über ein Maß hinaus, welches oftmals nicht als normal zu betrachten ist. Normal wäre eine Veränderung von zwei bis drei Prozent bezogen auf die Gesamtlänge und nicht in der Größenordnung von acht bis zehn Prozent. Der Textilreiniger hatte die Vorhänge angenommen und nach eigenen Angaben in Perchlorethylen einer Schonreinigung unterzogen und danach dem Kunden ausgehändigt. Dieser reklamierte nach etwa zwei Wochen den Flächenverlust und den Verlust des Moiré-Effektes. Damit stellt sich die Frage, wo und wodurch der Schaden auftrat.
Bei einer Grundreinigung kann sowohl durch das Material als auch über den Wasserabscheider Wasser in das System gelangen.
Bei der Zusammensetzung der Charge ist daher grundsätzlich darauf zu achten, dass gleichartige Teile in die Maschine kommen und dass diese trocken sind. Im Zweifelsfall sollten daher Textilien zuvor über Nacht hängend lagern, um damit das Risiko zu verringern. Grundsätzlich muss Reinigungsverstärker der Reinigungsflotte zugesetzt werden.
Durch Feuchte im System, aber auch durch das Textilmaterial kann Feuchtigkeit eingebracht werden, die somit zwangsläufig auf der Ware ist. In diesem Fall kann es auch durch die Grundreinigung zu Veränderungen kommen. Dabei kann das empfindlichste Teil einer Reinigungscharge eine Flächenveränderung erleiden. Das geschieht dadurch, dass die Restfeuchte zu einem Verlust des Moiré-Effektes und zu einem durch Mechanik und Temperatureinwirkung begünstigten Flächenverlust führen kann.
Verschiedene Pflegemöglichkeiten wurden mit vorhandenem Neumaterial geprüft. Das Ergebnis war eindeutig: Der Moiré-Effekt bei dem gewaschenen Teil wurde vollständig entfernt. Beim Waschen im Sensitiv-Programm wird bei maximal 30 °C unter geringer Mechanik – vergleichbar der Nassreinigung – gewaschen. Der Flächenverlust war vergleichbar mit dem der Reklamation.
Der Moiré-Effekt bei dem gereinigten Teil blieb voll erhalten. Der Flächenverlust lag bei zwei bis drei Prozent, was sich im Normalbereich bewegt. Grundsätzlich können diese Gardinen lediglich einer Schonbehandlung in Lösemittel unterzogen werden. Dabei ist dafür Sorge zu tragen, dass im Rahmen einer einfachen Warenschau auf eventuell vorhandene Restfeuchte geachtet wird. Durch Zugabe von Wasser, d.h. Einnebeln der Schmutzstellen, längeres Lagern und anschließendes Reinigen, konnte hingegen (ohne Reinigungsverstärker) ein mit dem Schadensfall vergleichbares Bild erzielt werden. Bei Vorhängen ist von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von sieben bis zehn Jahren auszugehen. In diesem Fall waren sie zehn Jahre alt. Der Zeitwert sollte festgestellt werden, bekannt war jedoch nur der Wiederbeschaffungswert. Die Vorhänge zeigten im Futter starke Lichtschäden (vgl. Bild 2). Gleichzeitig waren Verfleckungen zu erkennen, wie sie weder durch die Textilreinigung noch danach auftreten können. Dabei handelt es sich um Verfleckungen, die durch den Gebrauch entstanden. Im unteren Bereich des Oberstoffes und des Futterstoffes befindet sich ein 12 cm bis 13 cm langer Schmutzrand. Dieser Rand war weder in der Trockenreinigung noch bei einer Nassbehandlung bei 30 °C zu entfernen.
Schadensursache
Es konnte festgestellt werden, dass der Verlust des Moiré-
Effektes und der Flächenverlust nur durch eine Nassbehandlung hervorgerufen werden kann. Nicht auszuschließen ist, dass Feuchtigkeit in der Reinigungsmaschine zu einem vergleichbaren Ergebnis führt.
Schadensregulierung
Der Schaden kann bereits durch eine Nassbehandlung bei 30 °C hervorgerufen werden bzw. durch freies Wasser in der Reinigungsmaschine, d.h., die Vorhänge wurden vor der Grundreinigung mit Wasser angesprüht oder angebürstet oder sie kamen mit zu hoher Eigenfeuchte in die Lösemittelanlage. Daher ist davon auszugehen, dass der Schaden zu Lasten des Reinigers geht.