Statt auf Wachstum um jeden Preis setzt Stimpfl Textile Care auf durchdachte Prozesse, moderne Technik und konstante Qualität. Der Tiroler Mietwäschespezialist zeigt, wie sich Automatisierung, Energieeffizienz und Mitarbeiterorientierung zu einem stabilen Gesamtsystem verbinden lassen. R+WTextilservice war im österreichischen Flaurling vor Ort.

Jensen für Österreich und Süddeutschland. - © Elena Schönhaar
Ein klar strukturierter Betrieb mit durchgängigem Konzept: Wer den Betrieb von Stimpfl Textile Care betritt, merkt schnell, dass hier alles durchdacht ist. „Wir investieren nicht in Größe, sondern in saubere Abläufe“, bringt Geschäftsführer Daniel Stimpfl die Philosophie auf den Punkt. Diese Haltung prägt den gesamten Standort im Tiroler Oberland.
Das Unternehmen versorgt vor allem Kunden aus Hotellerie und Gesundheitswesen mit Mietwäsche. Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1945 zurück, als der Betrieb als Wäscherei Gasser gegründet wurde. Über Jahrzehnte entwickelte er sich zur Großwäscherei, bevor Hans Peter Stimpfl 2002 übernahm und eine gezielte Modernisierung einleitete. Mit dem Neubau in Flaurling im Jahr 2005 wurden die Weichen für die heutige Struktur gestellt.
Seit 2023 führt Daniel Stimpfl das Unternehmen, in dem er bereits seit 2007 fest tätig ist und schon zuvor während der Schulferien oder im Urlaub regelmäßig ausgeholfen hat. Im Laufe der Jahre durchlief er sämtliche Bereiche: von Auslieferung über Produktion bis Organisation und Steuerung der Abläufe. „Ich habe jeden Bereich selbst gemacht – deshalb weiß ich, worauf es in der Praxis ankommt und treffe Entscheidungen nicht vom Schreibtisch aus.“ 2024 entschied er, das Unternehmen in Stimpfl Textile Care GmbH umzufirmieren.
Strukturierte Prozesse und moderne Technik
Die Produktionslinie ist konsequent auf Effizienz und Qualität ausgelegt. Gewaschen wird in einer 14-Kammer-Waschstraße von Jensen. Für zusätzliche Energieeffizienz sorgen eine Wärmerückgewinnung von Christeyns, eine Kondensatwärmenutzung sowie eine Photovoltaikanlage auf dem Dach.
Nach der Entwässerungspresse wird der Wäschekuchen über einen Schüttler aufgelockert. Die Frotteewäsche wird anschließend über dampfbetriebene Takttrockner mit Saugzugbeladung getrocknet.

Im Finish-Bereich zeigt sich die Ausrichtung auf hohe Hotelqualität: Eine dampfbetriebene Drei-Roller-Mangel mit Logic-Plus-Eingabe sorgt für gleichmäßige Ergebnisse bei Flachwäsche. Daran schließt eine Universal-Faltmaschine von Jensen an. Für Kleinteile ist eine Zwei-Roller-Mangel Jenroll Exp1200 im Einsatz, ausgestattet mit Kombi- bzw. Kleinteileeingabe sowie mit der auf hochwertige Tischwäsche spezialisierten Kleinteilefaltmaschine „Napkin bottom up“. Im Formteile-Bereich arbeitet ein Jensen-Tunnelfinisher mit angeschlossener, individuell konfigurierter Transportbahn sowie einer neuen Jensen Fox Formteilefaltmaschine, die nahtlos in die bestehende Anlage integriert wurde, um Qualität und Leistung zu steigern.
Starke Technikpartnerschaft für hohe Qualität
Die eingesetzten Anlagen entsprächen dem aktuellen Stand der Technik und würden laufend erneuert, betont Stimpfl.Durch kontinuierliche Investitionen in neue Technologien sorgt Stimpfl Textile Care dafür, auch künftig effizient, wirtschaftlich und auf hohem Qualitätsniveau arbeiten zu können. Ein wesentlicher Partner ist seit vielen Jahren Jensen.
Besonders hebt Daniel Stimpfl die persönliche Betreuung durch Gerald Dallhammer, General Manager Jensen Österreich GmbH, sowie Rudolf Hofer, Regional Sales Manager bei Jensen für Österreich und Süddeutschland, hervor. „Eine starke Partnerschaft mit unseren Lieferanten ist für uns entscheidend, um technologisch auf dem neuesten Stand zu bleiben.“ Hofer freut sich ebenfalls über die langjährige Zusammenarbeit: „Die Famile Stimpfl ist eine Unternehmerfamilie mit echter Handschlagqualität. Wir kennen uns nun schon seit etwa 15 Jahren, noch von meiner Zeit in der Wäscherei, dementsprechend groß ist das gegenseitige Vertrauen. Ich freue mich schon darauf, gemeinsam weitere innovative Projekte umzusetzen.“
Die maximale Tagesleistung der Wäscherei liegt bei rund zwölf Tonnen – bewusst in nur einer Schicht. „Wir wollen keine zweite Schicht. Unser Ziel ist Stabilität, nicht Wachstum“, betont Stimpfl.
Automatisierung durch Robotertechnik
Ein zentraler Baustein der Weiterentwicklung ist die Automatisierung. Seit Sommer 2025 ist der BLIZZ-Frotteeroboter vom Jensen-Tochterunternehmen Inwatec im Einsatz – eine der ersten Anlagen weltweit und die erste in Österreich. Das System, das auch auf der Texcare in Frankfurt am Main stand, sorgt seit seiner Inbetriebnahme für einen stabilen Prozess bei gleichbleibender Qualität. An den Roboter sind zwei Legemaschinen von Jensen angeschlossen, wodurch ein durchgängiger, automatisierter Prozess entsteht. Eine zweite BLIZZ-Anlage ist bereits geplant.
„Automatisierung ist für uns kein Selbstzweck“, sagt Stimpfl. „Sie hilft uns, die Qualität konstant zu halten und unsere Mitarbeitenden zu entlasten.“ Gerade körperlich belastende Tätigkeiten werden reduziert – ein Aspekt, der im Team sehr positiv aufgenommen wird. Viele Beschäftigte sind dem Unternehmen seit Jahren treu, insgesamt arbeiten rund 45 Mitarbeitende sowie fünf Fahrer im Betrieb, darunter auch Menschen mit Beeinträchtigung.
Aktuell erfolgt die Sortierung der Schmutzwäsche noch teilweise manuell, doch auch hier steht der nächste Schritt bevor: Eine automatische Sortieranlage von Inwatec/Jensen ist in Planung und soll die Prozesssicherheit weiter erhöhen.
BLIZZ: Automatisierte Frotteeverarbeitung
Mit BLIZZ bietet Jensen eine neue Generation der Handtuch-Eingaberoboter für Wäschereien. Das System sorgt laut Anbieter für stabile Prozesse, gleichbleibende Qualität und eine deutliche Entlastung der Mitarbeitenden.
- Vollautomatische Verarbeitung ohne manuelles Eingreifen
- Kontinuierlicher Produktionsfluss
- Verarbeitung verschiedener Größen ohne Programmwechsel
- Automatische Erkennung, Zentrierung und Ausrichtung der Textilien
Logistik, RFID und klare Warenströme
Parallel zur Technik investiert Stimpfl gezielt in die Infrastruktur. Neu entstanden ist eine Expeditionshalle mit zusätzlichen Lagerflächen im Obergeschoss – insbesondere für die Zwischensaison im Hotelbereich. Auch der Schmutzbereich wurde erweitert, unter anderem im Hinblick auf die zukünftige Sortieranlage. Beides verbessert vor allem die innerbetriebliche Logistik sowie die An- und Auslieferung.
Für transparente Prozesse setzt Stimpfl auf RFID: Die gesamte Flachwäsche ist gechippt, bei der Berufsbekleidung kommen je nach Kunde RFID oder Barcode zum Einsatz. Ein Lesetunnel von ThermoTex übernimmt die automatische Erfassung der Textilien mit RFID-Chip. Textilien können Kunden über ein Onlineportal bestellen; sie sind von Anfang an systemseitig beim Textildienstleister integriert.
Qualität als wirtschaftlicher Faktor
Ein bemerkenswerter Ansatz zeigt sich bei der Waschstrategie: Stimpfl nimmt bewusst höhere Waschkosten in Kauf, um Nachwäsche zu vermeiden. Das Ergebnis sind ein minimaler Nachwäscheanteil sowie eine hohe Hautverträglichkeit der Textilien, erläutert der Geschäftsführer. Auch bei den Materialien setzt das Unternehmen auf Qualität. In der Berufsbekleidung kommt häufig Tencel zum Einsatz, das für spürbar besseren Tragekomfort und dementsprechend zufriedene Kunden sorgt.
Die Kunden von Stimpfl Textile Care stammen zu gleichen Teilen aus Gesundheitswesen und Hotellerie, viele davon aus der gehobenen Tiroler Ferienhotellerie. Entsprechend hoch sind die Anforderungen – auch an die Auslieferungsqualität. „Die Wäsche muss nicht nur sauber sein, sondern auch perfekt im Wagen liegen“, sagt Stimpfl. Das Ergebnis der akkuraten Arbeitsweise sind langjährige, zufriedene Kunden. Und die sind auch die einzige Werbung für das Unternehmen, denn: „Wir machen kein Marketing und keine Akquise“, betont Stimpfl.
Konsequente Prozessoptimierung
Aktuelle Herausforderungen sieht Stimpfl vor allem in den Energiepreisen: „Niemand weiß, wohin sie sich entwickeln.“ Die Antwort darauf sei konsequente Prozessoptimierung. Er blickt positiv in die Zukunft: „Wir wollen nicht die Größten sein, sondern die Verlässlichsten – und genau daran messen wir uns jeden Tag.“


