Das GermanFashion Consumer Panel 2026 zeigt, die Deutschen kaufen seltener Kleidung und informieren sich gezielter. Dabei bleiben Passform, Qualität und Komfort die wichtigsten Kaufkriterien – ein Signal auch für Textildienstleister und die textile Wertschöpfungskette.

Die Deutschen kaufen seltener Kleidung und achten dabei vor allem auf Passform, Qualität und Komfort. Das zeigt das GermanFashion Consumer Panel 2026. Für Textildienstleister liefern die Ergebnisse wichtige Hinweise zu Materialvorlieben, Qualitätsansprüchen und dem veränderten Konsumverhalten.
Der Modeverband GermanFashion hat die repräsentative Verbraucherbefragung gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen INNOFACT durchgeführt. Im Vergleich zur Erhebung von 2022 kaufen die Verbraucher heute seltener Bekleidung und informieren sich gezielter. Die wichtigsten Kaufkriterien haben sich dagegen kaum verändert.
Passform und Qualität bleiben entscheidend
Passform bleibt mit 96 Prozent das wichtigste Kaufkriterium. Dahinter folgen Bequemlichkeit und Komfort sowie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis mit jeweils 95 Prozent. Für 90 Prozent der Befragten spielt außerdem die Qualität eine wichtige Rolle.
„Verbraucher treffen ihre Kaufentscheidungen weiterhin sehr rational und orientieren sich vor allem am konkreten Nutzen eines Kleidungsstücks", erklärte GermanFashion-Präsident Justus Lebek.
Auch bei der Markenwahl steht Verlässlichkeit im Vordergrund. Für 66 Prozent der Befragten ist eine gleichbleibend hohe Qualität das wichtigste Merkmal einer glaubwürdigen Bekleidungsmarke.
Verbraucher kaufen seltener Kleidung
Besonders deutlich zeigt sich die veränderte Konsumhaltung beim Einkaufsverhalten. Die Zahl der parallel genutzten Einkaufskanäle sank gegenüber 2022 von durchschnittlich 4,3 auf 3,4. Davon betroffen sind sowohl stationäre Geschäfte als auch Online-Anbieter. Die wichtigsten Einkaufsstätten bleiben dennoch Filialen günstiger Modeanbieter, der stationäre Fachhandel sowie große Online-Plattformen.
„Die Ergebnisse sprechen weniger für eine Verlagerung zwischen einzelnen Vertriebskanälen als vielmehr für eine insgesamt zurückhaltendere Konsumhaltung der Verbraucher", so Lebek.
Baumwolle bleibt die bevorzugte Faser
Bei den Materialvorlieben liegt Baumwolle mit 51 Prozent weiterhin deutlich vorn. Es folgen Stoffe mit Stretch-Anteil (22 Prozent) und Mischgewebe (21 Prozent). Auch elastische Materialien wie Jersey bleiben gefragt. Gleichzeitig gibt inzwischen mehr als jeder vierte Verbraucher an, keine besondere Materialpräferenz zu haben. Recycelte Fasern spielen bei der konkreten Materialwahl bislang nur eine untergeordnete Rolle.
Nachhaltigkeit verliert an Bedeutung
Nachhaltigkeitsaspekte bleiben zwar wichtig, haben jedoch gegenüber den Vorjahren an Einfluss verloren. 71 Prozent der Befragten bewerten den Verzicht auf Ausbeutung in den Produktionsländern als wichtig oder eher wichtig. Auch nachhaltige Herstellungsverfahren und natürliche Materialien werden mehrheitlich positiv beurteilt.
Für die Kaufentscheidung bleiben jedoch Passform, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis wichtiger als Nachhaltigkeitssiegel.
„Nachhaltigkeit ist für viele Verbraucher ein wünschenswertes Merkmal, ersetzt jedoch nicht die grundlegenden Erwartungen an Qualität, Komfort und Preis-Leistung", erklärte GermanFashion-Geschäftsführer Thomas Lange.
Marken entdecken Second Hand
Second-Hand-Angebote gehören weiterhin zum deutschen Modemarkt. Erstmals untersuchte die Studie auch Wiederverkaufsplattformen, die von den Marken selbst betrieben werden. 9 Prozent der Befragten nutzen diese Angebote überwiegend oder häufig.
Nach Einschätzung von GermanFashion entwickelt sich Second Hand damit zunehmend zu einem festen Bestandteil professioneller Marken- und Vertriebskonzepte.
Stationäre Geschäfte bleiben wichtigste Informationsquelle
Auch das Informationsverhalten verändert sich. Insgesamt beschäftigen sich Verbraucher seltener aktiv mit dem Thema Mode. Bekleidungsgeschäfte bleiben dennoch die wichtigste Informationsquelle. Es folgen Gespräche mit Freunden und Bekannten sowie die Websites der Händler.
An Bedeutung verloren haben dagegen Influencer und prominente Testimonials. Gleichzeitig betont GermanFashion, dass soziale Medien für viele Marken weiterhin ein wichtiger Marketingkanal bleiben.
Signal für Textilservice und Kreislaufwirtschaft
Für Textildienstleister und die textile Wertschöpfungskette liefern die Ergebnisse eine klare Botschaft: Verbraucher kaufen zwar seltener neue Kleidung, erwarten aber unverändert hohe Qualität, Tragekomfort und Langlebigkeit. Gleichzeitig bleibt Baumwolle die mit Abstand wichtigste Faser, während recycelte Materialien bislang nur eine geringe Rolle bei der Kaufentscheidung spielen.