Ein Abendkleid wird in einer Textilreinigung abgegeben. Nach der Behandlung in Kohlenwasserstofflösemittel unter reduzierten Verfahrensbedingungen kommt es zu Verfärbungen im Achselbereich. Erst ein Prüfverfahren nach ISO105 – E04 zeigt, dass der Oberstoff eine schlechte Schweißechtheit besaß.
Da kommt man ins Schwitzen!
Die wahrnehmbare Absonderung von Schweiß durch die Schweißdrüsen der Haut wird „Schwitzen“ oder vornehmer „Transpiration“ genannt. Das ist ein normaler Vorgang der Wärmeregulierung, der bei stärkerer Hitze oder anstrengendem Arbeiten der Abkühlung des Körpers dient. Diese Schweißabsonderung wird von Gefäßnerven, also vom Nervenzentrum im Gehirn, gleichsam vollautomatisch reguliert, ist also dem Willen nicht unterworfen.
Wie wirkt sich aber nun die Schweißabsonderung auf Textilien aus, die damit in Kontakt kommen?Da stellt sich zunächst einmal die Frage nach der Zusammensetzung des Schweißes.
In dem Schweiß ist der Hauptanteil Wasser. Aber auch Harnstoff, Fett, Fettsäuren und Salze, z.B. Kochsalz, Cholesterin und Duftstoffe sind enthalten. Allerdings hängt die Zusammensetzung vom Alter des Menschen, seinem Gesundheitszustand und den Medikamenten, die er einnimmt, ab. Deswegen ist die Wirkung auf Textilien auch sehr unterschiedlich.
Und es kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Es werden Deodorationen zur Geruchsbehandlung eingesetzt, die sich ebenfalls allein und in Verbindung mit dem Schweiß nachhaltig auf Textilien auswirken können. Antitranspirants, die eine schweißhemmende Wirkung haben und Aluminiumsalze enthalten, können zu Substanzeinlagerungen führen, die nicht oder nur schwer zu beseitigen sind. Bei mehreren Anwendungen und damit erhöhter Salzeinlagerung kann es zu Verhärtungen kommen, die zu Gewebedurchbrüchen führen. Besonders empfindlich reagieren da natürlich feine Gewebe, die z.B. aus Seide bestehen. Die meisten dieser Schäden passieren im Achselbereich von Kleidungsstücken, da diese Mittel dort bevorzugt angewendet werden.
Der vorliegende Fall betrifft ein Abendkleid aus Seide, das zur Chemischreinigung abgegeben wurde und bei der einfachen fachmännischen Warenschau keine erkennbaren Mängel aufgewiesen hat. Das Kleid wurde in Kohlenwasserstofflösemittel unter reduzierten Verfahrensbedingungen gereinigt. Danach stellte man fest, dass sich in beiden Achselbereichen eine Verfärbung der ursprünglich blauen Einfärbung in starkem Umfang ergeben hat (Bild 1). Doch damit nicht genug. Sowohl innen, also im direkten Kontaktbereich zur Achselhöhle, als auch außen hatte sich ein weißer Belag gebildet (Bild 2). Hierbei handelte es sich um eine Ablagerung, die aus dem Innenleben des Kleides stammte, und zwar von den eingenähten Schweißblättern.
Schadensursache
Erstaunlich und überraschend bei dem Schadensfall war, dass ein angrenzendes grünes Seidengewebe nicht farblich verändert wurde. Um den Vorwurf einer Falschbehandlung durch den Textilreinigungsbetrieb zu entkräften, musste ein Beweis geschaffen werden. Es bestand nämlich wie so oft der Hinweis, das Abendkleid sei in einem intakten Zustand abgeliefert worden und daher müsse eine Fehlbehandlung stattgefunden haben.
Der Beweis erfolgte mit der „Bestimmung der Schweißechtheit von Färbungen und Drucken“(ISO 105 – E04). So wurde ein aus einer Nahtfahne entnommenes Stück des Kleides mit einer alkalischen bzw. sauren Prüflösung getränkt und vier Stunden unter Belastung einer Temperatur von 37 °C ausgesetzt. Die Zusammensetzung der Prüflösung ist in den Prüfvorschriften festgelegt.
Diese Prüfung ergab, dass der blaue Oberstoff des Kleides eine schlechte Schweißechtheit besaß und außerdem das Schweißblatt keine Funktionstüchtigkeit mehr aufwies.
Schadensregulierung
Nicht nur Farbschäden und Gewebeverhärtungen können bei Schweißeinwirkung und Anwendung von schweißhemmenden Mitteln an Textilien entstehen, sondern Wolle kann durch Schweiß, Körperwärme und Reibung im Achselbereich Verfilzungserscheinungen auslösen. Ja, sogar Seide kann im Faserstoff angegriffen und abgebaut werden.