Bettwäsche Das Verhältnis von Stoff und Falten

Die hauswirtschaftliche Leitung eines Altenpflegeheimes beschwert sich mit den Worten: „Warum ist unsere Bettwäsche in letzter Zeit so faltig?“ In ihren Augen sei dies ein unbefriedigender Glättungs-effekt. Dann legt sie auch noch nach: „Haben Sie neue Leute an der Mangel?“

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    Bild 1Viele Falten auf der Oberseite. Fotos: Meinrad Himmelsbach
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    Bild 2Bei Quereingabe bildet sich eine Z-Falte.

Das Verhältnis von Stoff und Falten

Einem Betriebsleiter, der mit dieser Aussage konfrontiert wird, gehen zahlreiche Möglichkeiten durch den Kopf. Eine erste spontane Reaktion ist: „Warum beschwert sich die Kundin eigentlich, bei dem Preis, welchen sie zu zahlen bereit ist? Dann der nächste Gedanke: „Habe ich an den ,Mangelteams‘ etwas verändert?“ Oder: „Die Mangel wurde doch vor zehn Tagen neu bewickelt, habe ich etwas übersehen?“ Und: „Der Anwendungstechniker des Anbieters war kürzlich hier, vielleicht hat er wieder etwas verstellt?“

Mit diesen Fragen im Hinterkopf wird ein Stapel fertiger, zur Auslieferung bereitstehender, Ware durchgesehen. Die Bettbezüge weisen tatsächlich etliche Knitterfalten auf.

Durch die Dreirollenmangel, auf der die Bettwäsche bearbeitet wird, läuft gerade Mietbettwäsche, die im einwandfreiem Zustand aus der Faltmaschine kommt. Der anschließende Versuch, mit der reklamierten, kundeneigenen Bettwäsche führt erneut zur Faltenbildung. Die Wäsche macht aber insgesamt einen festen und stabilen Eindruck.

Also hoch auf die Mangel und genau beobachten. Die Falten treten bereits nach Durchlaufen der ersten Walze auf. Somit scheidet ein Abstimmungsfehler zwischen den Walzen als Fehlerquelle aus. Ein solcher Fehler könnte zu einem Schieben der Wäsche von einer vorgelagerten, schnelleren Walze auf eine nachgelagerte Walze sein. Dies hätte zur Folge, dass auf der Wäsche ein so genannter Plissiereffekt entsteht. Auch ein Übersäuern der Wäsche durch ein fehlerhaftes Waschverfahren kann zu Mangelproblemen führen. Aber auch diese Ursache konnte ausgeschlossen werden.

Bei genauerem Untersuchen der betroffenen Teile zeigte sich, dass die Falten überwiegend auf der Oberseite der Bettbezüge zu finden sind. Zieht man nun die Falten glatt, erkennt man, dass es sich um einen einseitigen Stoffüberschuss handelt. Das bedeutet, dass Ober- und Unterseite der Bettbezüge nicht glatt aufeinandergelegt werden können. Von Naht zu Naht gesehen ist eine Seite breiter als die andere. Der Stoffüberschuss beträgt etwa 1 cm. Aber warum konnte die Bettwäsche über ein Jahr zur Zufriedenheit des Kunden bearbeitet werden?

Schadensursache

Bisher wurden die Bettbezüge quer eingegeben. Dabei sammelte sich der Stoffüberschuss an der nachlaufenden Kante an und bildete, nur schwach sichtbar, am Rand eine Z-Falte. Mit der Längseingabe konnte in der Wäscherei ein höherer Automatisierungsgrad erreicht werden. Allerdings verteilt sich der Stoffüberschuss nun „wild“ über den Bettbezug, was zur Faltenbildung und der vorliegenden Reklamation führte.

Schadensregulierung

Eine Umstellung des Altenheims auf Mietwäsche wäre sicherlich ideal. Der Kunde müsste sich in Zukunft weder mit der Beschaffung von Bettwäsche noch mit damit verbundenen Qualitätsprüfungen beschäftigen.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Erhebung eines Bearbeitungsaufschlags aufgrund des höheren Arbeits- und Organisationsaufwands, der durch Quereingabe der Bettwäsche entsteht.

Da die Bettwäsche in der Verarbeitung einen Mangel aufweist, könnte das Altenpflegeheim auch bei der Verkaufsstelle der Bettwäsche mit dem Ziel reklamieren, gewerblich pflegbare Wäsche als Ersatz zu bekommen.

Oder es steigt, da die Wäscherei als Verursacher der Faltenbildung ausscheidet, bei den Verantwortlichen des Altenpflegeheims vielleicht auch die Akzeptanz gegenüber dem beschriebenen Erscheinungsbild der Bettwäsche.