Lederimitat Die Flamme gibt Aufschluss

Eine Jacke aus Lederimitat ist weder mit einem Material- noch mit einem Pflegekennzeichen ausgestattet. Ein einfacher Test mit einem Kupferdraht und einer Flamme verrät die Zusammensetzung des Materials, aus dem das Bekleidungsstück gefertigt wurde.

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    Bild 1Nach der Reinigung war die Jacke geschrumpft und verhärtet.
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    Bild 2Die linke Warenseite zeigt das Emblem der Marke Reportage R.G.A.

Die Flamme gibt Aufschluss

Eine braune Jacke aus einem Lederimitat wurde einer Grundreinigung unterzogen. Nach dieser Grundreinigung war das Bekleidungsstück verhärtet und etwas geschrumpft.

Eingenäht ist auf der linken Seite der Jacke ein Emblem der Marke Reportage R.G.A. Ein Material- oder Pflegekennzeichen sucht man vergebens.

Die Vermutung liegt nah, dass es sich hierbei um ein Bekleidungsstück aus oder mit dem Material PVC (Polyvinylclorid) handelt. Eine Überprüfung mit Hilfe eines Kupferdrahtes (Beilstenprobe) bestätigte diesen Verdacht: Es handelt sich um eine Lederimitation aus einer Polyvinylclorid-Beschichtung.

Doch wie lässt sich diese Überprüfung durchführen? Bei einer fehlenden Material- und Pflegekennzeichnung oder bei falschen Angaben kann der Textilreiniger wie folgt prüfen, ob PVC vor-
liegt:


Beilsteinprobe: Bei einer Beilsteinprobe wird ein Kupferdraht in eine Flamme gehalten, bis der Draht ausgeglüht ist. Danach wird der Draht auf den Prüfling gedrückt, um ihn dann wieder der Flamme zuzuführen. Färbt sich nun die Flamme grün, wird Chlor freigesetzt. Somit wird auf einfache Art Polyvinylchlorid nachgewiesen. Zur Klärung macht man sich eine chemische Reaktion zunutze: Das in der Beschichtung enthaltene Chlor reagiert mit Kupfer.


Gewebeprobe: Bei einem fehlenden Material- oder Pflegekennzeichen kann der Textilreiniger dem Gewebe auch eine Probe entnehmen und diese einer Grundreinigung unterziehen.

Schadensursache

Zurück zum aktuellen Fall. Auch hier wurde mit Hilfe der Beilsteinprobe bestätigt, dass es sich um eine Lederimitation aus einer Polyvinylclorid-Beschichtung handelt. PVC wird im Lösungsmittel der Weichmacher entzogen.

Dies geschieht sowohl in Perchloretylen, in KWL-Lösungsmittel als auch in CO2. Kurz: In allen üblichen Lösungsmitteln, die in einer Textilreinigung zur Anwendung kommen.

Es kann also festgehalten werden: Das vorgelegte Bekleidungsstück ist nicht reinigungsfähig.

Schadensregulierung

In diesem speziellen Fall kann davon ausgegangen werden, dass ein Plagiat vorliegt. Der Hersteller wird daher nicht um Stellungnahme gebeten werden können. Grundsätzlich daher: Egal ob PVC-, PU-Beschichtungen oder „Kunstleder“ – diese Materialien sollten immer einer Nassreinigung unterzogen werden.