Fehler bei der Detachur Feuchtigkeit greift Gewebe an

Ein in Material und Verarbeitung hochwertiges Sakko ist nach der Bearbeitung so schwer beschädigt, dass es nicht mehr zu reparieren ist. Wie die mikroskopische Untersuchung zeigt, wurde beim Detachieren nach der Reinigung versäumt, die behandelte Stelle zu trocknen. Ein Fehler, den der Textilreiniger zu verantworten hat.

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    Bild 1:An den dunklen Stellen ist die Oberfläche aufgeraut.
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    Bild 2:Die Futterseite ist an derselben Stelle kleinknittrig.
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    Bild 3:Der Faserstoffanteil befindet sich flusenartig auf dem Gewebe.

Feuchtigkeit greift Gewebe an

Gegenstand einer Reklamation in einem Textilreinigungsbetrieb ist ein hochwertiges Sakko. Die Hochwertigkeit leitet sich dieses Mal nicht nur vom Namen des Konfektionärs (Scabal) ab, sondern auch die faserstoffliche Zusammensetzung und die Verarbeitung verdienen dieses Prädikat.So besteht der karierte Oberstoff aus einer Fasermischung von 55 Prozent Seide und 45 Prozent Schurwolle. Auch sind die Rohstoffangaben für das Futter mit 100 Prozent Viskose vorhanden.

Die Pflegekennzeichen besagen, dass das Kleidungsstück nicht gewaschen und nicht gebleicht werden darf. Erlaubt dagegen sind eine Chemischreinigung in Perchlorethylen und Kohlenwasserstofflösemittel unter reduzierten Verfahrensbedingungen. Damit ist gemeint, dass die Lösemitteltemperatur von 30°C nicht überschritten werden darf, die maximale Behandlungsdauer im Lösemittel maximal zehn Minuten dauern sollte und die Trommelauslastung zwei Drittel Beladung nicht überschreiten darf. Das entspricht einem Verhältnis von 30 l Lösemittel auf 1 kg Textil. Zusätzlich geht aus dem unter das Symbol gelegten Balken hervor, dass die maximale Trockentemperatur am Trommelausgang von 50°C nicht überschritten werden darf und eine Feuchtigkeitszugabe nicht erlaubt ist.

Weiterhin besagt das Bügeleisensymbol, dass eine Temperatur von maximal 180°C erlaubt ist. Sind nun bei der Bearbeitung des Sakkos die Pflegekennzeichen mit ihren Einschränkungen und erkennbaren Empfindlichkeiten des Kleidungsstückes in vollem Umfang berücksichtigt? Darüber gibt die folgende Schilderung des Auftraggebers für das Gutachten einen Teil der Antwort:„Das Sakko wurde in Perchlorethylen gereinigt. Danach befanden sich im Vorderteil auf dem Oberstoff noch Verfleckungen. Diese wurden mit einem handelsüblichen Vordetachiermittel vorbehandelt und erneut gereinigt.“

Wenn auch beim Lesen dieser Vorgehensweise schon gewisse Zweifel an der Richtigkeit der Bearbeitung entstehen, so sollte das Schadensbild die Frage vollständig beantworten. Am Oberstoff liegen an beiden Vorderteilen plackenartige Oberflächenveränderungen vor, die ein dunkles Aussehen haben und sich besonders in schräg einfallendem Licht als Aufrauungen darstellen. Die Futterseiten sind in diesem Bereich deckungsgleich stark klein knittrig.

Unter dem Stereolupenmikroskop zeigt sich, dass ein Faserstoffanteil aus dem Garn- und Gewebeverband herausgearbeitet worden ist und sich flusenartig mit beginnender Verfilzung auf demGewebe befindet. Wie nicht anders zu erwarten, bestätigt die mikroskopische Untersuchung des herausgearbeiteten Faseranteils die Vermutung, dass die Wolle betroffen ist. Neben dieser Veränderung des Oberstoffes und Futters fällt auf, dass eine Maßänderung eingetreten ist, was am Futterüberhang und der Welligkeit der Verbindungsnähte zwischen Oberstoff und Futter zu erkennen ist.

Schadensursache

Das Schadensbild zeigt am Oberstoff Veränderungen, die nur durch Feuchtigkeitseinwirkungen verursacht worden sein dürften. An der Kleinknittrigkeit des Viskosefutters gegenüber der veränderten Oberstoffseite sind weitere Hinweise dafür vorhanden. Dabei reagiert gerade das Viskosegewebe bei Anwesenheit von Feuchtigkeit mit einer Knitterbildung. Und schließlich weist auch der Einlaufschaden des Obermaterials auf Anwesenheit von zu hoher Feuchtigkeit im Sakko hin.

Wo kommt also diese Feuchtigkeit her? Sie stammt aus der lokalen Vorbehandlung verbliebener Verfleckungen nach der ersten Reinigung. Nicht zu klären ist dabei, ob das Produkt, das zur Beseitigung der Verfleckungen selber Feuchtigkeit in den Oberstoff eingetragen hat, oder ob zur Unterstützung der Wirksamkeit zusätzlich Wasser eingesetzt worden ist. Letztendlich spielt dies auch keine so entscheidende Rolle, denn der eigentliche Fehler bei der Bearbeitung besteht darin, dass die Feuchtigkeit im wollhaltigen Oberstoff verblieben ist und so das Sakko in die Reinigungsmaschine gelangte.

Während des Reinigungsvorgangs gleicht sich die lokal vorhandene Feuchtigkeit in der Ware oder über die Flotte, also Lösemittel und Reinigungsverstärker, nicht aus, sondern verbleibt dort, wo sie aufgebracht worden ist.

Da es sich im vorliegenden Fall um eine sehr feine, im Oberstoff verarbeitete Wolle handelt, hat sie mit einem Herausarbeiten aus dem Garn- und Gewebeverband und einer beginnenden Verfilzung reagiert. Wäre also das Sakko von der Feuchtigkeit durch Abtrocknen befreit worden, hätte dieser Schaden vermieden werden können.

Schadensregulierung

Dem Reinigungsunternehmen ist die Beschädigung des Sakkos, das nicht reparabel ist, zur Last zu legen. Damit wird, sofern Lieferbedingungen dem Vertragsabschluss zu Grunde gelegen haben, entsprechend zu verfahren sein.