Vergangenes Jahr konnte die ENGEL Wäschereitechnik GmbH bereits ihr 40. Firmenjubiläum feiern. Silvie Engel führt das Unternehmen in zweiter Generation, seit Jahresbeginn 2024 hat Ivo Lorenz die Geschäftsführung der Tochterfirma Engel-Gematex in Tschechien übernommen. Grund genug für ein R+WTextilservice-Gespräch mit den beiden und Verkaufsleiter Jan Bartoska.

Frau Engel, Sie führen das Unternehmen nun in zweiter Generation. Wie würden Sie mit wenigen Worten das Leistungsspektrum Ihres Hauses umschreiben?
Silvie Engel: Unser Leistungsspektrum umfasst die vollständige Entwicklung, Konstruktion, Produktion und Inbetriebnahme innovativer Systeme für Wäschereien, Textilreinigungen und textilverarbeitende Unternehmen. Gemeinsam mit unseren Kunden realisieren wir individuelle Konzepte, unterstützen während des gesamtes Prozesses, von der Lieferung über die Installation vor Ort bis zur Wartung. Ein Rundum-Sorglos-Paket.
Vor genau 30 Jahren (ein weiteres Jubiläum) kam es zur Gründung eines Tochterunternehmens in der Tschechischen Republik. Können Sie diese 2-Länder-Struktur näher erläutern?
Silvie Engel: Familienbedingt. Die Wurzeln meiner Eltern liegen in Deutschland und Tschechien. Ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, aber in Prag geboren und spreche auch Tschechisch. Unsere Verwandtschaft lebt zudem größtenteils in Tschechien. Durch einen glücklichen Zufall entdeckte mein Großvater unser aktuelles Firmengebäude, und so nahm die Geschichte unserer Firma ihren Anfang. Viele unserer Mitarbeiter haben die Firma gemeinsam mit meinen Eltern aufgebaut und sind bis heute ein wesentlicher Bestandteil unseres Unternehmens.
Die Engel Wäschetechnik GmbH in Güglingen steht vornehmlich für…
Silvie Engel: …den ersten Firmensitz. Hier haben meine Eltern, in den 80er Jahren die Engel GmbH gegründet.
…wogegen Engel-Gematex im tschechischen Sezemice…
Ivo Lorenz: …1994 gegründet wurde. Hier befindet sich mittlerweile die Hauptschlagader unseres Unternehmens. Verkauf, Produktion, Konstruktion, Elektro – alles unter einem Dach.
Welche Mitarbeiterstruktur steht dabei dahinter?
Jan Bartoska: Engel Gematex hat ca. 30 Mitarbeiter, zusammengesetzt aus langjährigen Mitarbeitern sowie neuen, jüngeren Kollegen. Wir haben ein hervorragendes und beständiges Team, das maßgeblich zum Erfolg unserer Firma beiträgt. Viele unserer Mitarbeiter sprechen Deutsch oder Englisch, was bei uns auch eine Einstellungsvoraussetzung darstellt.
Was war denn, mit Rückblick auf vier Jahrzehnte, die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen?
Silvie Engel: Der Tod meines Vaters war ein großer Verlust für uns alle. Wir mussten uns nach seinem Tod neu aufstellen, was eine Zeit in Anspruch nahm. Dank des starken Zusammenhalts in unserem Team, der langjährigen Mitarbeiter und des gesammelten Know-hows haben wir diese schwierige Phase jedoch erfolgreich gemeistert. Corona stellte uns ebenfalls vor Herausforderungen. Als kleineres Unternehmen, das jedoch ein breit gefächertes Portfolio anbietet, konnten wir schnell reagieren und uns an die veränderten Bedingungen anpassen. Diese Flexibilität half uns, die Schwierigkeiten dieser Zeit gut zu bewältigen.
Sie definieren „maßgeschneiderte Lösungen für individuelle Anforderungen“ auch als Motivation für die Zukunft. Wo sehen Sie im Augenblick die größte Notwendigkeit für die Branche?
Jan Bartoska: Angesichts der Vielfalt und Größe der verschiedenen Wäschereien ist es unmöglich, Maschinen für alle Betriebe zu standardisieren. Daher besteht eine dringende Notwendigkeit, kontinuierlich individuelle Lösungen und Technologien zu entwickeln. So können wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden, basierend auf unserer langjährigen Erfahrung, Maschinen auswählen und liefern, die exakt auf ihre spezifischen Anforderungen zugeschnitten sind.
Wie beurteilen Sie die Produktentwicklung in Sachen Automatisierung und Robotik?
Ivo Lorenz: Automatisierung ist in allen Industriezweigen von großer Bedeutung, und das gilt auch für Wäschereien. Unser Ziel ist es in erster Linie, körperlich belastende Tätigkeiten und bestimmte Zwischenschritte in den Prozessen zu ersetzen. Zwar verläuft der Fortschritt in unserer Branche etwas langsamer, da wir mit Textilien arbeiten, die nicht so kompakt und homogen sind wie Objekte in anderen Industrien. Dennoch ist der Trend zur Automatisierung klar erkennbar und wird ein unverzichtbarer Bestandteil der weiteren Entwicklung sein.
Wie würden Sie Ihren Qualitätsanspruch definieren? Wie den Begriff der Nachhaltigkeit?
Jan Bartoska: Qualität bedeutet für uns, dass der Kunde exakt das erhält, was er bei uns bestellt. Die Zufriedenheit unserer Kunden ist dabei unser wichtigstes Maß. Wir setzen auf langlebige, energieeffiziente Maschinen und ressourcenschonende Prozesse. Unser Ziel ist es, durch innovative Lösungen den ökologischen Fußabdruck in der Branche zu minimieren, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen.
Kundenzielgruppen sind Wäschereien, Großwäschereien, Textilreinigungen oder textilverarbeitende Unternehmen. Gibt es hierbei ein bestimmtes Ranking?
Ivo Lorenz: Wir konzentrieren uns auf mittlere und große Wäschereien.
Was verbirgt sich hinter Ihrer Vertriebsphilosophie? Zeichnen sich dabei auch länderspezifische Schwerpunkte ab?
Jan Bartoska: Unsere Vertriebsphilosophie basiert auf dem Grundsatz, dass die beste Referenz ein zufriedener Kunde ist. Unsere Hauptsitze sind in der Tschechischen Republik und in Deutschland, aber in über 90 Prozent der Länder weltweit arbeiten wir mit lokalen Geschäftspartnern zusammen. Diese Partner wissen am besten über ihre jeweiligen Märkte Bescheid und können dadurch schnell und effizient auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden eingehen, einschließlich Service und Support. Unser Erfolg basiert auf dieser engen Zusammenarbeit, die es uns ermöglicht, länderspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen und maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.
Betriebsleiter Ivo Lorenz hat die Geschäftsleitung der Tochterfirma in Tschechien übernommen. Bedeutet dies Änderungen in der Marktbearbeitung oder neue Ideen?
Jan Bartoska: Der Vorteil eines Quereinsteigers wie Ivo Lorenz liegt darin, dass er frische Ideen einbringen kann, die auf seinen Erfahrungen aus anderen Industriebereichen basieren. Dies betrifft nicht nur die Optimierung interner Abläufe, sondern auch die Erschließung neuer Marktsegmente.
Auf der diesjährigen Texcare finde ich Sie nicht unter den Ausstellern?
Silvie Engel: In diesem Jahr haben wir unsere strategische Ausrichtung etwas geändert und beschlossen, unseren Fokus sowie unsere Ressourcen neu zu bündeln. Obwohl wir auf dieser Messe nicht mit einem eigenen Stand vertreten sind, wird ein Großteil unseres Teams vor Ort sein. Wie gewohnt planen wir jedoch wieder unsere Teilnahme an der Expodetergo in Mailand und freuen uns darauf, dort unsere neuesten Entwicklungen zu präsentieren.
Was sind die nächsten Neuerungen, Aktivitäten oder Präsentationen, die wir aus Ihrem Haus erwarten können?
Ivo Lorenz: Wir arbeiten kontinuierlich daran, unsere internen Prozesse zu optimieren und moderne Technologien einzusetzen, um die Effizienz und Leistung unserer Maschinen weiter zu steigern und arbeiten hier auch eng mit Fachleuten aus der Forschung zusammen. Des Weiteren arbeiten wir an einer neuen Generation der Transport- und Speichersysteme und haben dabei auch die zunehmende Automatisierung in den Wäschereien fest im Blick.
Nur durch Partnerschaft und Transparenz können wir langfristig
Silvie Engel
erfolgreich sein und der Branche auch mehr Anerkennung und Wahrnehmung in der Gesellschaft
verschaffen.
Sie dürfen sich von der Branche etwas wünschen. Was wäre dies?
Silvie Engel: Als Spezialist für maßgeschneiderte Lösungen schätzen wir unsere Rolle in der Textilbranche besonders. Wir verstehen uns als Teil eines vielfältigen Ganzen, in dem kleine und große Akteure gleichermaßen wichtig sind. Für die Zukunft der Textilbranche wünschen wir uns mehr Zusammenarbeit und Austausch zwischen allen Ebenen, um gemeinsam nachhaltiger, effizienter und wettbewerbsfähiger zu werden. Nur durch Partnerschaft und Transparenz können wir langfristig erfolgreich sein und der Branche auch mehr Anerkennung und Wahrnehmung in der Gesellschaft verschaffen.
