Eine Kundin reklamiert ein blaues Seidenkleid. Nach der Reinigung im professionellen Textilpflegebetrieb habe sie das Stück mit auffälligen örtlichen Farbveränderungen zurückerhalten. War eine falsche Behandlung die Ursache?
Nach der Reinigung verfärbt
Seine hochwertigen Bekleidungsstücke aus Seide möchte der Verbraucher in guten Händen wissen. Mit der richtigen Behandlung können Sie als Fachmann punkten und gegenüber dem Kunden die Kompetenz einer professionellen Textilpflege herausstellen.
Ob Blusen, Kleider oder Hosenanzüge Garderobe aus Seide ist zeitlos und hochwertig. Besonders im Sommer ist das leichte Material beliebt. Die Geschichte der Seide geht lange zurück, bereits die Bevölkerung im alten China soll das Material gekannt haben.
Seide ist eine tierische Faser. Die Seidenraupen haben vier spezielle Drüsen im Maul. Mit zwei Drüsen werden die feinen Seidenfäden (Fibroin) produziert, die sie um sich herumwickeln. Zwei weitere Drüsen produzieren den Seidenleim (Sericin), mit dem sie den Kokon verfestigen.
In der Seidenproduktion werden die Raupen vor dem Schlüpfen abgetötet, damit die Kokons nicht kaputtgehen. Durch spezielle Verfahren wird der Seidenleim entfernt und die Fäden können abgewickelt (abgehaspelt, daher das Wort Haspelseide) werden.
Die Reste, das heißt die kurzen Fäden am Ende des Abhaspelns, ist dann die Schappeseide.
Die verschiedenen Seidenqualitäten, die auf dem Markt erhältlich sind, entstehen durch
-die unterschiedlichen Qualitäten (Haspelseide, Schappeseide),
-die nachträgliche Erschwerung,
-die unterschiedlichen Zuchtvorgaben (Zuchtseide, Wildseide),
-die unterschiedlichen Provinienzen (Herkunft), und
-die unterschiedlichen Produktionsverfahren.
So kann z.B. nach dem Entfernen des Seidenleims durch Zugabe von Metallsalzen das gleiche Gewicht (Fibroin/Sericin) wieder hergestellt werden, man spricht dann von „pari“. Wenn mehr Metallsalze zugeführt werden sollen, als vorher Seidenleim vorhanden war, von „überpari“. Wenn weniger Metallsalze zugeführt werden sollen, von „unterpari“. Der Grund für diese Erschwerung liegt grundsätzlich darin, dass sich so höhere Erlöse erzielen lassen.
Diese Metallsalze werden durch Detachiermitel wie z.B. Rostentferner beseitigt. Damit wird deutlich, dass Rostflecken auf Seidenartikel zu Ränderbildung und Materialveränderung führen. Bei „unterpari“ weniger, bei „überpari“ stärker. Gleichzeitig werden dadurch die Gebrauchseigenschaften verändert.
Ob eine deartige Ausrüstung vorliegt, kann durch eine Brennprobe ermittelt werden. Je mehr Metallsalze vorliegen, je deutlicher bleibt ein Skelett des Gewebes nach der Brennprobe erhalten.
In unserem vorliegenden Fall reklamierte eine Kundin ein blaues Seidenkleid. Nach der Reinigung im professionellen Textilpflegebetrieb habe sie das Stück mit auffälligen örtlichen Farbveränderungen zurückerhalten.
Ein Blick auf das Materialkennzeichen verrät, dass der Oberstoff des Kleides aus 100 Prozent Seide besteht, der Futterstoff aus 100 Prozent Polyester. Laut Pflegekennzeichen darf dieses Bekleidungsstück nicht gewaschen, nicht gebleicht und nicht im Tumbler getrocknet werden. Das Bügeln ist bei 100 °C möglich. Eine Grundreinigung (P) ohne Einschränkung kann vorgenommen werden.
Nach der Reinigungsbehandlung zeigte das Bekleidungsstück eine blaue, scheckige Farbe. Die Kundin verwies auf ein Stück Stoff in Taubenblau und erklärte, dass das Teil vor der Reinigung diesen Farbton besessen habe.
Schadensursache
Eine genauer Blick zeigte, dass das Bekleidungsstück in der Kette aus einem blauen Seidengarn und im Schuss aus einem weißen Seidengarn besteht. Eine Überprüfung der Lösungsmittel- und der Nassechtheiten ergab, dass der blaue Farbstoff gegenüber Lösungsmittel beständig ist, jedoch in Wasser ausblutet.
Schadensregulierung
Das Gesamtaussehen dieses Bekleidungsstücks ist auf eine Nassbehandlung zurückzuführen. Im Pflegekennzeichen wird jedoch ausdrücklich eine Nassbehandlung ausgeschlossen. In diesem Fall ist der entstandene Schaden dem Textilreiniger anzulasten.