Gelbe Ränder und Flecken verbleiben in Matratzenbezügen nach einer chemischen Reinigung. Um ein optisch sauberes Ergebnis zu erzielen, ist eine Nassreinigung nötig. Dabei gilt es, Maßänderungen und Verfilzung zu verhindern.
Nassreinigung nur mit Vorsicht
Ein Umzug steht ins Haus. Alles ist gepackt und vorbereitet. Aber mit der alten Matratze in die neue Wohnung? Nein! Zumindest sollte der Bezug mal tüchtig gewaschen werden. Das denkt sich der Kunde und erkundigt sich in seiner Reinigung nach den Möglichkeiten der Reinigung von Matratzenbezügen.
„Matratzenbezüge? Klar kann man die waschen“, die freundliche Mitarbeiterin der Reinigung hat schon viele Matratzenbezüge angenommen und ausgegeben und alles war eigentlich immer in Ordnung. Noch am selben Tag kommt der Kunde vorbei und gibt seinen Bezug ab. Er soll zum Umzug am Wochenende frisch gewaschen sein, damit er an den neuen Wohnort mitgenommen werden kann. „Kein Problem das dauert nur zwei Tage“, sagt die Servicefachkraft.
Es dauert tatsächlich lediglich zwei Tage und der Matratzenbezug ist auch wirklich schön sauber geworden. Alle Flecken sind entfernt. Allerdings ist der Bezug jetzt wesentlich härter und kleiner als vorher. Das eingesteppte Flies aus Schurwolle ist vollkommen verfilzt. Der Kunde trägt es mit Fassung. Dann muss halt eine neue Matratze her. Auch die Textilreinigung reagiert angemessen. Sie bekennt sich zu dem verursachten Schaden und bittet den Kunden um Entschuldigung.
Die Textilreinigung wendet sich nach der Schadensregulierung mit der Frage, welche Möglichkeiten es gibt vergleichbare Matratzenbezüge zu bearbeiten an den Sachverständigen. Man kann drei Gruppen von Matratzenbezüge bilden: Einige Matratzenbezüge sind mit Pflegeanleitungen versehen. Neben der Temperaturangabe 30 °C, 40 °C, 60°C oder 95°C findet sich meist auch ein Balken unter dem Waschbottich, welcher Schonwäsche empfiehlt. Das erfordert neben geringerer Mechanik und höherem Flottenstand auch die Verwendung eines geeigneten Waschmittels. Ein Vollwaschmittel, welches in der Regel eine relativ hohe Alkalität aufweist, ist im Rahmen einer Schonwäsche zu vermeiden. Der Gebrauch eines Vollwaschmittels könnte für eine Massänderung ebenso verantwortlich sein, wie ein Übertrocknen im Wäschetrockner. Um die häufig vorhandenen Verfleckungen zu entfernen, empfiehlt es sich, dem Feinwaschmittel eventuell noch ein Bleichmittel und/oder Waschenzyme zu zusetzen.
Mit Schurwoll- oder Zellulosefaseranteil gefertigte Matratzenbezüge sind oft mit dem Hinweis „Nur chemisch reinigen“ oder einem „P“ gekennzeichnet. Diese Bezüge können zwar problemlos gereinigt werden, Flecken oder gelbe Ränder lassen sich im Gegensatz zu Hautschuppen, Milben und Milbenkot in der Regel jedoch nicht entfernen. Als dritte Gruppe gibt es noch die Matratzenbezüge ohne Pflegekennzeichnung und ohne vollständige Materialkennzeichnung. Bei diesen Bezügen ist das Risiko einer Bearbeitung zunächst auf Seiten des Textilpflegebetriebes. Oft werden diese Bezüge auch gereinigt um kein unnötiges Risiko einer Nassbehandlung einzugehen. Allerdings sind die Ergebnisse von chemisch gereinigten Bezügen meist unbefriedigend.
Wie lassen sich diese Ergebnisse noch optimieren? Es muss doch unbefriedigend sein, optisch verschmutzte Ware herauszugeben. Erfahrungen, die im Rahmen der Bearbeitung von Oberbekleidung erworben wurden, könnten auf die Pflege von Matratzenbezügen übertragen werden. Warum also nicht einmal Bezüge nassreinigen? Wenn Wollpullover und Baumwollhosen eine Nassbehandlung vertragen, könnten dies vielleicht auch Matratzenbezüge aus dem gleichen Material? Falls ja, unter welchen Bedingungen?
Ein klassisches Nassreinigungsverfahren ist oft ungeeignet, da sich sehr viel Wasser in der Polsterung sammelt und die Bezüge dadurch sehr schwer werden. Deshalb wird die mechanische Einwirkung auf das Material im Rahmen des Programmablaufs erheblich größer als bei einer Charge, die lediglich aus Wollpullovern und Wollhosen besteht. Die erhöhte mechanische Einwirkung kann folglich zu einer erheblichen Verfilzung der Füllung und dadurch zu einer Schrumpfung der Matratzenbezüge führen.
Eine Reduktion der Mechanik im Rahmen eines normalen Nassreinigungsverfahren beispielsweise nur eine Trommelbewegung pro Minute und niedriger Flottenstand, würde weder einen ausreichenden Spüleffekt für wasserlösliche Gebrauchsverschmutzung noch eine ausreichende Fleckentfernung mit sich bringen.
Wie könnte dann aber eine wirklich erfolgreiche Behandlung mit Wasser aussehen? Kann ein Programm mit viel Wasser und wenig Mechanik für diese Warenart eine Lösung sein? Viel Wasser, um sowohl eine Fleckentfernung, als auch eine gute Verdünnung für wasserlösliche Substanzen zu erreichen und um eine geringe Mechanik zu gewährleisten. Bei der Ausgestaltung eines solchen Programms müssen Trommelbewegungen ohne Wasser (beim Wasserzu- und Ablauf, sowie in der dem Schleudern vorangehenden Phase des Waschprogramms) weitestgehend vermieden werden. Ein entsprechendes Nassreinigungsverfahren unter Zusatz geeigneter Enzyme und eventuell eines Bleichmittels, könnte eine Lösung für die Bearbeitung „nicht waschbarer“ Matratzenbezüge darstellen. Viel versprechende Praxisversuche sind sowohl für Wasserbettbezüge als auch für Schurwollbezüge durchgeführt worden und mit sehr guten Ergebnissen bewertet worden.
Nach der Bearbeitung in der Waschmaschine sollten die Bezüge kurz im Trockner aufgelockert werden, um anschließend an der Luft durchzutrocknen. Anschließendes Aufdämpfen der Bezüge ist ratsam, um die ursprüngliche Größe wieder zu erreichen und damit das Beziehen der Matratze zu erleichtern.
Eine pauschale Erfolgsgarantie kann an dieser Stelle natürlich nicht gegeben werden. Mit Sicherheit gibt es Spezialisten, die in diesem Bereich mit eigenen Ideen und Versuchen schon weit gekommen sind. Der Autor würde sich über entsprechende Zuschriften oder kurze Anrufe mit Erfahrungsberichten sehr freuen. Jede Idee und Erfahrung ist dabei von Interesse. Wer bereit ist eigenes Wissen und Erfahrungen an Kollegen weiterzugeben engagiert sich ganz besonders für seinen Beruf. Nur durch gute, in Qualität und Service überzeugende Textilreinigungen hat die Branche eine gute Zukunft vor sich.
Der Sachverständige rät
Matratzenbezüge sind, fachlich gesehen, ein interessantes Produkt im Hinblick auf die Bearbeitung und Pflege. Ein Textilreiniger ist gefordert, basierend auf seinen Fachkenntnissen und seiner Berufserfahrung, sich Gedanken zu machen, wie passende Pflegeverfahren gestaltet werden müssen. Meist stehen dem Textilreiniger für die Umsetzung der Verfahren kompetente Anwendungstechniker der Waschmittelindustrie zur Seite.