Rettung in letzter Minute: Der italienische Zulieferer Pidigi übernimmt im Insolvenzverfahren zentrale Teile von Sympatex Technologies. Der Standort Unterföhring soll erhalten bleiben – ebenso ein Teil der Arbeitsplätze und das internationale Geschäft.

Im Insolvenzverfahren der Sympatex Technologies zeichnet sich eine Fortführungslösung ab. Der italienische Zulieferer Pidigi aus Verona übernimmt zum 1. Juni 2026 wesentliche Vermögenswerte des Münchener Membranspezialisten. Das teilte Insolvenzverwalter Axel W. Bierbach mit.
Die Übernahme erfolgt im Rahmen einer übertragenden Sanierung. Pidigi will den Geschäftsbetrieb unter der Marke Sympatex weiterführen. Auch die internationalen Niederlassungen in Frankreich, China und Hongkong sowie die Vertriebsrepräsentanz in Korea sollen fortgeführt werden.
Personalabbau und Erhalt internationaler Standorte
Am Standort Unterföhring bleiben 21 Arbeitsplätze sowie die vier Ausbildungsplätze erhalten. Für 25 Beschäftigte werden betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Bereits während der vorläufigen Insolvenzverwaltung hatten rund 20 Beschäftigte das Unternehmen eigenständig verlassen. Zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen wurden ein Interessenausgleich und ein Sozialplan vereinbart.
Sympatex hatte im Januar 2026 wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Laut eigenen Angaben beschäftigte das Unternehmen bei Antragstellung rund 70 Mitarbeitende, deren Löhne und Gehälter über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit bis Ende März 2026 abgesichert waren. Der operative Geschäftsbetrieb konnte während der dreieinhalb Monate seit dem Insolvenzantrag in vollem Umfang aufrechterhalten werden.
Geschäftsführerin Kim Scholze, die das Unternehmen Ende September 2025 als alleinige Geschäftsführerin übernommen und durch das Insolvenzverfahren geführt hatte, wird Sympatex nach Abschluss der Transaktion verlassen. Scholze sprach von einem „bedeutenden gemeinsamen Erfolg“, dass eine Investorenlösung für Technologie, Marke und wesentliche Unternehmensbereiche erreicht worden sei.
Langjährige Geschäftsbeziehung als Grundlage
Pidigi und Sympatex sind seit Jahrzehnten geschäftlich verbunden. Der italienische Familienbetrieb fungiert als langjähriger Distributor im Footwear-Segment in Italien und arbeitet auch in der Tapeproduktion mit Sympatex zusammen. Pidigi setzt die Laminate und Membranen von Sympatex bereits im Schuh- und Bekleidungsbereich ein. Daraus ergeben sich nach Einschätzung des Insolvenzverwalters erhebliche operative und wirtschaftliche Synergien entlang der Wertschöpfungskette. Die Übernahme soll den Fortbestand von Technologie, Marke und internationalen Kundenbeziehungen sichern.
Sympatex Technologies entwickelt seit 1986 Membranen und Laminate, die in funktionaler Bekleidung, Schuhen, Berufskleidung, persönlicher Schutzausrüstung und technische Anwendungen zum Einsatz kommen.
Pidigi ist seit 1953 am Markt aktiv und auf Materialien für die Schuh-, Lederwaren- und technische Sportbekleidungsindustrie spezialisiert.