Ein roter Damenanorak mit einem hellen Innenfutter, das mit bunten Streifen gewebt wurde, wird in die Reinigung gebracht. Beim Finishen wird festgestellt, dass es – trotz Bearbeitung nach Pflegekennzeichen – zu Ausblutungen gekommen ist. Erst ein Untersuchungsbericht kann den Fall klären.
Ungewollt rot-weiß
EE Da ist die Damenwelt (meist) ganz anders als die Männer: Bei Anschaffungen von Textilien – gleich welcher Art – ist bei der Kaufentscheidung nicht nur der Preis, sondern auch der modische Charakter des zu erwerbenden Kleidungsstückes von großer Bedeutung. Manchmal tritt dabei sogar der Kostenfaktor in den Hintergrund. So ist es auch bei dem im Folgenden zu beschreibenden Fall.
Die Auswahl an Damenjacken ist groß. Und daher wird aus der Vielzahl des Angebotes das ausgewählt, was besonders auffällt und zudem modisch ist. Die Wahl fiel auf einen roten Damenanorak. Aber die brillante und kräftige Farbgebung des Oberstoffes und die Schnittführung alleine taten es nicht. Hier musste noch etwas sein, das dem Kleidungsstück eine ganz besondere Note verleiht. Es handelt sich dabei um das Futter, das längsgestreift mit bunten Streifen gewebt wurde und damit einen Kontrast zu dem einheitlichen Rot des Oberstoffes darstellt.
Ob die parallel zum Reißverschluss eingearbeitete ebenfalls rote Paspel wesentlich zur Kaufentscheidung beigetragen hat, mag dahingestellt sein. Aber sie sollte im Laufe der Zeit eine unerwartet wichtige Rolle spielen. Das Kleidungsstück musste nämlich zur Reinigung, weil das helle Futter schmutzig geworden war. Aus der Rohstoffkennzeichnung (Baumwolle – Polyester – Polyamid) und den Pflegesymbolen war zu lesen, dass das Teil bei 30 ºC waschbar und in Perchlorethylen und KWL zu reinigen ist, jeweils unter Verfahrenseinschränkungen.
Daraus war abzuleiten, dass die Pflege des Anoraks unproblematisch zu sein schien, auch wenn man bei roten Textilien immer ein wenig Bedenken hat, dass Ausbluterscheinungen auftreten können. Mit dieser Erkenntnis und der Tatsache, dass das Futter keine nassgebundenen Verschmutzungen oder Verfleckungen aufwies, wurde eine Reinigungsbehandlung in Perchlorethylen der Pflegekennzeichnung entsprechend durchgeführt. Nach Entnahme aus der Reinigungsmaschine fiel an dem Kleidungsstück zunächst nichts auf. Erst als es zum Finishen kam, sah man, dass das helle Futter im Bereich der roten Paspel rötlich angeblutet war. F
Schadensursache
E Obwohl der Reiniger sich ganz sicher war, die Pflegekennzeichnung in vollem Umfang beachtet zu haben, kamen Zweifel auf. Der Anorak wurde daraufhin untersucht, ob die Reinigung sachgemäß erfolgt war. Dabei hat sich durch eine Prüfung der Lösemittelechtheit der Paspel ergeben, dass diese bei Normaltemperatur (20 bis 30 ºC) des Lösemittels Perchlorethylen keine Ausbluterscheinungen zeigt. Erst bei Erhöhung der Temperatur auf 50 ºC (zulässige Trocknungstemperatur) wurde roter Farbstoff freigesetzt und führte zur Verfärbung des weißen Testgewebes. Der Schaden ist aber auch dadurch zusätzlich begünstigt worden, dass durch die Paspel eine Nahtverdickung vorlag, in der sich das Lösemittel besonders lange befindet, ehe es durch die Trocknung abgedunstet wird. Dies bedeutet eine starke Belastung der Färbung. F
Schadensregulierung
E Durch das eindeutige Untersuchungsergebnis war sichergestellt, dass der Reinigungsbetrieb den Schaden nicht zu vertreten hat. Dennoch war es nicht einfach, dieses der Besitzerin des Kleidungsstückes klar zu machen. Auch das Verkaufsgeschäft, bei dem der Anorak sechs Monate zuvor gekauft wurde, war zunächst nicht einsichtig und verwies immer wieder auf die Vielzahl von gleichen Anoraks, die verkauft worden seien und bei denen eine derartige Reklamation nicht bekannt sei. Man sprach in dem Zusammenhang sogar davon, dass keine Verfärbung vorläge, sondern die Paspel durch den Futterstoff durchschimmere. Erst nach Vorlage eines detaillierten Untersuchungsberichtes wurde die Reklamation eines herstellungsbedingten Mangels anerkannt. F