Neue Regeln für Textilien stehen bevor: Mit der „Allianz für textile Kreisläufe“ wollen Textil- und Handelsverbände Einfluss darauf nehmen, wie die Erweiterte Herstellerverantwortung in Deutschland umgesetzt wird.

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie und der Handelsverband Deutschland (HDE) haben in Berlin die „Allianz für textile Kreisläufe“ ins Leben gerufen. Unter dem Motto „Kreislauf braucht Zusammenarbeit“ richtet sich die Initiative an Unternehmen, Institutionen und weitere Akteure entlang der gesamten textilen Wertschöpfungskette.
Im Mittelpunkt steht die geplante Einführung der Erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR) für Textilien und Schuhe in Deutschland. Die EU schreibt ein entsprechendes System vor. Wie es konkret in Deutschland umgesetzt werden soll, wird derzeit vorbereitet. Künftig sollen Hersteller und andere Unternehmen, die Textilien in Verkehr bringen, stärker für die Kosten der Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Entsorgung ihrer Produkte aufkommen.
Verbände fordern praxisnahe Regeln
Die Allianz will die Unternehmen, die künftig von den EPR-Vorgaben betroffen sind, frühzeitig in die Gestaltung des Systems einbinden. Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands textil+mode, betonte, dass dabei das Wissen der Textil- und Modeindustrie sowie der Textilforschung einfließen müsse. Nur so könnten praxistaugliche Lösungen entstehen.
Auch der HDE fordert einheitliche Regeln für alle Marktteilnehmer. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth warnte davor, dass deutsche und europäische Unternehmen die Kosten eines EPR-Systems tragen, während internationale Plattformen und Anbieter aus Drittstaaten ihren Pflichten nicht nachkommen. Für alle Unternehmen, die Produkte auf dem europäischen Markt anbieten, müssten daher die gleichen Regeln gelten.
Fünf Forderungen an das künftige EPR-System
Die Initiatoren sehen die Branche vor zwei Herausforderungen: Sie muss den Einsatz von Ressourcen verringern und Kreisläufe für Textilien aufbauen. Gleichzeitig verschärft der internationale Wettbewerb den wirtschaftlichen Druck auf Unternehmen in Deutschland und Europa.
Die Allianz formuliert deshalb fünf zentrale Forderungen an das künftige EPR-System:
- Beteiligung von Herstellern und Handel an der Gestaltung des Systems
- klare und schlanke Strukturen für die Umsetzung
- transparente und verursachergerechte Kostenverteilung
- rechtssichere und europaweit einheitliche Regeln
- gleiche Bedingungen für alle Marktteilnehmer
Das EPR-System soll nach Vorstellung der Allianz ökologische Ziele unterstützen, wirtschaftlich tragfähig sein und gleichzeitig faire Wettbewerbsbedingungen schaffen.
Für die Textilservicebranche ist die Entwicklung ebenfalls relevant. Je nach Ausgestaltung des deutschen Systems könnten sich neue Anforderungen und Kosten für den Umgang mit gebrauchten und ausgedienten Textilien ergeben. Auch die Organisation von Sammlung, Sortierung, Wiederverwendung und Recycling könnte sich verändern. Wie stark Textilservice-Unternehmen davon betroffen sein werden, hängt allerdings von den konkreten gesetzlichen Vorgaben ab.
Mehr Informationen zur Allianz finden Sie auf www.allianz-textile-kreislaeufe.de.