Eine nur leicht verschmutzte Designerstrickjacke wird aufgrund einer nassgebundenen Verfleckung einer Nassbehandlung unterzogen. Danach ist die Jacke fast vollständig verfilzt. Lediglich der Kragen ist unversehrt geblieben.
Verfilzt bis auf den Kragen
Ein ganz besonderes Stück hat die Kundin einer Textilreinigung erstanden. Eine Strickjacke, tailliert, mit vielen Verzierungen und schön kontrastierenden, geflochtenen Knöpfen aus echtem Leder. Das Ganze ist in Naturweiß gehalten. Ein Designerteil des norwegischen Labels „Ti-Mo“, der Designerin Tine Mollatt. Nur zweimal getragen, kommt die Jacke mit geringer Verschmutzung in die Reinigung. „Die können das besser als ich“, denkt die Reinigungskundin. „Bei dieser Jacke gehe ich das Risiko einer Handwäsche lieber nicht ein.“
Im Reinigungsbetrieb wird die Strickjacke aufgrund einer wassergebundenen Verfleckung einer Nassbehandlung unterzogen. Leider kommt die Jacke reichlich verfilzt aus der Waschmaschine. Die Inhaberin der Reinigung, die nicht selbst die Maschinen bedient, fragt sich nun, ob das Waschverfahren entsprechend der Pflegekennzeichnung (30°C Schonwäsche) vorgenommen wurde oder ob ein Bearbeitungsfehler vorliegt. Um einen Vergleichstest durchführen zu können, wäre es hilfreich, eine weitere Strickjacke des gleichen Modells zur Verfügung zu haben. Leider besteht diese Möglichkeit nicht. Bei exakter Durchmusterung des Designerstückes zeigen sich alle Partien des Strickstoffes verfilzt, lediglich der Kragen ist nicht beeinträchtigt.
Schadensursache
Der Kragen ist augenscheinlich aus dem gleichen Material wie die übrige Jacke gearbeitet. Das legt die Vermutung nahe, dass die Jacke aus zwei unterschiedlichen Chargen derselben Farbe gearbeitet wurde. Hierbei ist der Strickstoff des Kragens filzfrei ausgerüstet und somit entsprechend der Pflegekennzeichnung waschbar. Das andere Material, aus dem die restliche Jacke gefertigt wurde, ist eben nicht filzfrei ausgerüstet und deshalb bei der entsprechend der Pflegekennzeichnung durchgeführten Waschbehandlung verfilzt.
In der Textilindustrie gibt es verschiedene Verfahren, um Wollstoffe filzfrei auszurüsten. Beispielsweise werden mit dem „Hercosett-Verfahren“ die Schuppen der Wolle teilweise abgelöst, um deren Verhaken zu verhindern. Dies geschieht mit Hilfe von Chlor. Verschiedene Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit Alternativverfahren, um auf den Einsatz von Chlor verzichten zu können. Unter anderem bieten enzymatische Behandlungen interessante Alternativen.
Der weitere Prozess der Filzfreiausrüstung besteht aus der Beschichtung der Wolle mit einem Polyamid-Epichlorhydrinharz, die einen waschbeständigen Film über der Faser bildet. Dieser verbindet sich zudem reaktiv mit den Aminogruppen des Wollkreatins.
Für eine milde Maschinenwäsche sind die so ausgerüsteten Stoffe durchaus geeignet, nicht jedoch für stärkere alkalische und mechanische Beanspruchungen von Bunt- und Kochwaschverfahren. Sind besondere Verarbeitungs- und Konfektionierungssrichtlinien eingehalten worden, können die ausgerüsteten Textilien sogar im Trockner getrocknet werden.
Schadensregulierung
Im hier vorliegenden Fall wurde das Material nicht filzfrei ausgerüstet. Daher handelt es sich um eine vom Hersteller fehlerhaft angebrachte Pflegekennzeichnung.