Graue Stellen an der Knopflochleiste eines weißen Hemdes. „Ein gutes Detachiermittel und weg ist der Fleck“, dachte sich der Textilreiniger. Doch falsch gedacht, denn kein Fleckmittel half, nicht mal das Entfärben. Des Rätsels Lösung fand der Gutachter heraus: Dunkle, farbbeständige Flusen waren schuld.
Der Textilreiniger gibt alles. Kein Fleckmittel wird ausgelassen, um die dunklen Flecken aus dem weißen Hemd zu entfernen. Schließlich handelt es sich nicht nur um einen guten Kunden, sondern auch um einen guten Bekannten, der das „schwierige Hemd“ zur Bearbeitung in die Reinigung gegeben hat.
Machbare Aufgabe
„Meine Frau hat das Hemd bereits mehrfach gewaschen, aber die grauen Stellen an der Knopflochleiste sind einfach nicht wegzubekommen“, berichtet der Kunde an der Ladentheke. „Naja“, denkt da der Textilreiniger, „dunkle Flecken aus einem weißen Hemd zu entfernen, sollte kein Ding der Unmöglichkeit sein.“ Es gibt ja außerordentlich gute Detachiermittel – und wenn gar nichts hilft, wird das Hemd einfach entfärbt. „Das müsste machbar sein.“ So schätzt er die Chancen ein, das Problem seines Kunden zu lösen.
Detachieren, bleichen, entfärben
Doch es kommt anders. Die Flecken lösen sich nicht. Auch als alle Detachiermittel durchprobiert sind, bleiben die Flecken weiterhin auf dem Hemd. Die mechanische Einwirkung beim Einsatz von Blutlöser in Verbindung mit Lacklöser führt genausowenig zu einer Entfernung der Flecken wie der Einsatz von weiteren lösungsmittelhaltigen Detachiermitteln; ebenso erfolglos wie die anschließende Sauerstoffbleiche sowohl mit natrumpercarbonathaltigem Mittel als auch mit Wasserstoffperoxid. Bleiche, selbst das Entfärben mit natriumdithionithaltigem Detachiermittel und zuletzt mit chlorhaltigem Entfäber, bringt keinerlei Verbesserung.
Der fachliche Ehrgeiz des Textilreinigers, einmal angestachelt, war aber immer noch nicht erschöpft und so wurde das Hemd zur Begutachtung geschickt.
Der Gutachter, der den Fall übernahm, hatte bereits nach der Schilderung des Falles und der erfolglosen Versuchen ein Lächeln auf den Lippen.
Von „Geisterhand“ entfernt
Offenbar stand hier ein Kollege „auf der gleichen Leitung“ wie der Gutachter vor Jahren selbst. Bei den Flecken kann es sich nach dieser Vorgeschichte nur um eine Substanz handeln, die zwar entfernbar, aber nicht detachierbar ist.
Des Rätsels Lösung: Dunkle, farbbeständige Flusen, die sich zwischen den nicht fest vernähten Stofflagen des weißen Hemdes verfangen haben und auf der Höhe der Knöpfe besonders gut haften. Klappt man diese Stellen soweit wie möglich auf und holt die Flusen mit Hilfe eines Stecknadelkopfes heraus, sind die Flecken wie von „Geisterhand“ entfernt.
So ist das Problem mit den Flecken auf dem weißen Hemd am Ende doch noch gelöst und der Textilreiniger konnte seinem Bekannten eindrücklich beweisen, dass es sich lohnt, professionelle Textilpflege in Anspruch zu nehmen.