Andrea Kuttner kennt die Textilpflege von beiden Seiten: Als Chefin der Putzerei Kuttner in Amstetten und als Bundesinnungsmeisterin der österreichischen Textilreiniger, Wäscher und Färber. Im Gespräch erzählt sie, warum Energie zum Kostentreiber Nummer eins geworden ist, wie die Branche gegen den Fachkräftemangel ankämpft – und warum sie sich mehr Selbstbewusstsein für ein unterschätztes Handwerk wünscht.
Wer heute einen Textilpflegebetrieb führt, braucht mehr als nur handwerkliches Geschick. Andrea Kuttner weiß das aus eigener Erfahrung. Sie leitet seit 2002 eine Textilreinigung mit zwölf Mitarbeiterinnen. Die größte Herausforderung? „Den steigenden bürokratischen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig die Qualität und die Liebe zum Detail im täglichen Arbeiten nicht aus den Augen zu verlieren“, sagt sie. Immer mehr Zeit verbringe man heute im Büro statt im Betrieb – ein Trend, der vielen Unternehmern zu schaffen macht.
Als Bundesinnungsmeisterin kommt noch eine Aufgabe dazu: unterschiedliche Interessen vereinen. Die Bundesinnung vertritt kleine Betriebe genauso wie größere Unternehmen. Gleichzeitig gilt es, Nachwuchs zu fördern und bei politischen Entscheidungen mitzureden. „Das erfordert viel Abstimmung, Zeit und auch ein gutes Gespür für Entwicklungen“, erklärt Kuttner. Die Textilpflege hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Früher sei die Branche deutlich männerdominiert gewesen, erzählt Kuttner. Heute arbeiteten wesentlich mehr Frauen in diesem Bereich. Gleichzeitig seien moderne Maschinen, neue Reinigungsverfahren und immer komplexere Textilien dazugekommen. Das erfordere deutlich mehr Fachwissen. Auch Nachhaltigkeit und Umweltschutz spielten eine viel größere Rolle als noch vor einigen Jahrzehnten.
Die Technik ist ebenfalls wesentlich effizienter geworden. Computergesteuerte Maschinen, optimierte Wasch- und Reinigungsprozesse sowie bessere Textilerkennung erleichtern den Arbeitsalltag und sorgen für gleichbleibend hohe Qualität. Gleichzeitig werden moderne Textilien immer anspruchsvoller – das Know-how muss mithalten. „Einmal Meisterprüfung und dann zurücklehnen gibt es schon lange nicht mehr. Dazu ist unser Beruf viel zu innovativ“, betont sie.
Wichtige Werte des Berufs
Bei aller Technik bleiben bestimmte Werte wichtig. Für Kuttner ist es die Liebe zum Detail bei jedem einzelnen Stück. „Kleidung ist – so einfach es klingt – oft die letzte haptische Erinnerung, die wir mitnehmen können“, sagt sie. Deshalb sei ein sorgfältiger und respektvoller Umgang damit nach wie vor ein zentraler Wert des Berufs.
Die Digitalisierung hat vieles erleichtert, aber auch verändert. Die Kommunikation läuft heute stark über E-Mail und digitale Kanäle. Das ist zwar effizient, wirkt aber oft unpersönlich. Kuttner hat den Eindruck, dass sich viele Menschen wieder mehr direkten, menschlichen Kontakt wünschen – und genau das bleibe in ihrem Beruf ein wichtiger Bestandteil.
Die Textilpflegebranche in Österreich
Die aktuelle Situation der österreichischen Textilpflegebranche beschreibt Kuttner als durchaus positiv. „Das Waschen und Aufbereiten von Textilien gehört zu den ältesten Handwerken und ist im Grunde ein natürlicher Recyclingkreislauf. Unser Handwerk ist daher eines der ältesten Recyclinghandwerke überhaupt“, sagt sie. Gerade die Bedeutung von Hygiene sei in den letzten Jahren wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Allerdings gibt es etliche Herausforderungen. Energie und Umweltauflagen sind zu bestimmenden Faktoren geworden. Die Energiekosten sind laut Kuttner massiv gestiegen und setzen die Betriebe stark unter Druck. Gleichzeitig bringen Umweltauflagen zusätzliche Anforderungen mit sich. Das wirkt sich auf die gesamte Kostenstruktur aus – bis hin zu den Löhnen.
„Energie ist ein wesentlicher Kostenfaktor geworden – zu hohe Ausgaben kann sich heute kein Betrieb mehr leisten“, erklärt Kuttner. Deshalb sei Effizienz in den Arbeitsabläufen entscheidend. Gleichzeitig müsse diese Effizienz mit Sorgfalt verbunden werden, also jedes einzelne Stück genau beachtet werden. Diese Kombination sei eine tragende Säule für nachhaltiges Arbeiten – sowohl ökologisch als auch im Sinne der Kunden.
BIM Andrea Kuttner im Interview: Trends, Technik und Zusammenhalt
BIM Andrea Kuttner blickt nicht nur zurück, sondern vor allem nach vorn. Im Gespräch mit R+WTextilservice skizziert sie, wie Textilreinigungen in Zukunft arbeiten werden und welche Weichen dafür heute schon gestellt werden müssen.

R+WTextilservice: Frau Kuttner, Welche technologischen Trends sehen Sie für die kommenden Jahre in der Textilpflege?
Andrea Kuttner: Die Entwicklung wird stark in Richtung noch effizienterer und ressourcenschonender Technologien gehen. Automatisierung, optimierte Prozesse und neue, umweltfreundlichere Reinigungsverfahren werden eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig wird die Technik immer intelligenter und unterstützt die Betriebe dabei, Qualität und Effizienz besser zu verbinden.
Wie werden sich Energieversorgung und Ressourcenschonung weiterentwickeln?
Hier wird es ganz klar in Richtung Unabhängigkeit und Effizienz gehen. Betriebe werden verstärkt in energiesparende Technologien investieren und alternative Energiequellen nutzen müssen. Ressourcenschonung wird dabei nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit sein.
Welche Chancen bieten Kooperationen oder Verbandsarbeit, um gemeinsam Zukunftsthemen zu bewältigen?
Kooperationen sind ein ganz wesentlicher Schlüssel. Gerade durch Vernetzung können Betriebe voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Die Verbandsarbeit bietet dafür eine wichtige Plattform und stärkt die gesamte Branche.
Der Textilservice ist eine Kreislaufwirtschaft mit großer Tradition. Muss die Branche ihre Stärken noch mehr kommunizieren?
Auf jeden Fall. Unsere Branche ist seit jeher ein funktionierendes Beispiel für gelebte Kreislaufwirtschaft – lange bevor dieser Begriff überhaupt in den Fokus gerückt ist. Themen wie Ressourcenschonung, Wiederaufbereitung und Werterhalt gehören zu unserem Alltag. Diese Stärken sollten wir viel offensiver nach außen tragen.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen – wie sieht der Textilpflegebetrieb im Jahr 2040 aus?
Ich denke, er wird deutlich digitaler und technologisch weiterentwickelt sein, gleichzeitig aber seine handwerklichen Wurzeln behalten. Automatisierte Prozesse werden den Arbeitsalltag erleichtern, während Fachwissen und Erfahrung weiterhin entscheidend bleiben. Der Betrieb wird nachhaltiger, effizienter und noch stärker vernetzt sein.
Welchen Appell möchten Sie an junge Menschen, an Betriebsinhaber und an die Politik richten?
- An junge Menschen: Seid offen für Berufe, die vielleicht nicht auf den ersten Blick im Fokus stehen – hier gibt es spannende und sichere Perspektiven.
- An Betriebsinhaber: Investiert in Ausbildung und bleibt offen für Veränderungen.
- An die Politik: Schafft verlässliche Rahmenbedingungen, die es den Betrieben ermöglichen, wirtschaftlich und nachhaltig zu arbeiten.
Wie wirkt sich der Fachkräftemangel bzw. die Nachwuchsfrage aktuell auf die Betriebe aus?
Sehr schmerzhaft. Während der Corona-Zeit war man in den Betrieben vor allem froh, die bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter halten zu können – gerade im Vergleich zu anderen Branchen wie der Gastronomie, wo viele abgewandert sind. Gleichzeitig hat diese Phase aber auch dazu geführt, dass in der Lehrlingsausbildung Lücken entstanden sind, die wir jetzt deutlich spüren.
Welche Maßnahmen setzt der Verband, um junge Menschen für den Beruf zu begeistern?
Ein wichtiger Schritt war die deutliche Erhöhung der Löhne. Darüber hinaus stehen wir am Anfang neuer Initiativen, etwa einer Podcast-Reihe, in der wir unsere Berufe näher vorstellen wollen – auch in Form von Gesprächen oder Diskussionsrunden. Themen wie „Textilreinigung früher und heute“ oder „Mythen und Wahrheiten“ sollen dabei helfen, ein realistischeres und moderneres Bild zu vermitteln.
Wie könnte das Berufsbild modern und attraktiv kommuniziert werden?
Indem wir genau diese neuen Formate nutzen und authentische Einblicke geben. Es geht darum, den Beruf so zu zeigen, wie er heute wirklich ist: vielseitig, technisch spannend und mit viel Verantwortung. Transparenz und persönliche Geschichten spielen dabei eine große Rolle.
Welche Rolle spielen Ausbildung, Weiterbildung und Fachschulen für die Zukunftssicherung der Branche?
Eine entscheidende Rolle. Es reicht heute nicht mehr aus, nur die Ausbildung im Betrieb zu absolvieren. Auch nach der Lehre oder der Meisterprüfung ist kontinuierliche Weiterbildung unerlässlich. Man muss offenbleiben, sich weiterentwickeln, neue Dinge sehen und dazulernen – das ist heute wichtiger denn je.
Was wünschen Sie sich von der Branche?
Ich wünsche mir mehr Zusammenhalt und noch stärkere Sichtbarkeit nach außen. Wir leisten täglich wertvolle Arbeit, die oft unterschätzt wird. Wenn wir es schaffen, diese Leistung gemeinsam klarer zu kommunizieren, können wir die Zukunft unserer Branche nachhaltig sichern.
Die Fragen stellte Peter Schmid.
