Was 1966 als kleine Shop-Reinigung begann, ist heute ein leistungsfähiger Textilpflege-Dienstleister: Die Norge Textilreinigungs GmbH aus Boxberg feiert 2026 ihr 60-jähriges Bestehen. Geschäftsführer Martin Schwind, der das Unternehmen seit fast vier Jahrzehnten prägt, hat aus einem Familienbetrieb ein überregional agierendes Netzwerk mit zwölf Filialen und rund 150 Annahmestellen geformt. Ein Blick zurück – und nach vorn.
Wenn Martin Schwind heute durch die Hallen seines Zentralbetriebs in Boxberg geht, liegt zwischen ihm und den Anfängen seines Unternehmens fast ein ganzes Berufsleben. Vor 60 Jahren begann die Geschichte der Norge Textilreinigung in einem kleinen Ladengeschäft.
Die Wurzeln des Unternehmens reichen ins Jahr 1966 zurück, als Walter Gimpl die Norge-Reinigung in Bad Mergentheim übernahm. 20 Jahre später fing sein Neffe Martin Schwind nach Abschluss seiner Textilreinigerlehre in Nürnberg im Betrieb an. Bereits zum 1. Januar 1987 übernahm er das Geschäft von Walter und Elvira Gimpl – und krempelte es von Grund auf um. „Seit ich im September 1986 in den Betrieb meines Onkels eingetreten bin, hat sich so gut wie alles verändert“, erinnert sich Schwind. Im Sommer 1987 folgte der Komplettumbau in Bad Mergentheim: Wände wurden entfernt, neue Böden verlegt, Schaufenster eingebaut – und die damals modernste Reinigungstechnik von Seco installiert. Mit gerade einmal 23 Jahren war Martin Schwind damit Inhaber eines gut eingeführten Reinigungsgeschäfts.
1989 wurde der Betrieb in eine GmbH umgewandelt, mit Martin Schwind als alleinigem geschäftsführenden Gesellschafter. Es folgte eine bemerkenswerte Expansion:
- 1990: Übernahme der Norge Reinigung Lauda sowie der Tadellos-Textilpflege und der Norge Reinigung in Tauberbischofsheim
- 1991: Filiale Hardheim und Übernahme der Feldmann-Reinigung in Tauberbischofsheim
- 1993/1994: Bau und Bezug des Zentralbetriebs in Boxberg
Vom „heißen“ zum „lauwarmen“ Betrieb
Die zweite Bundesimmissionsschutzverordnung (II. BImSchV) zwang die Textilpflegebranche Anfang der 1990er Jahre zum Umdenken. Sie regelt die Begrenzung von Emissionen leichtflüchtiger halogenierter organischer Verbindungen – allen voran das in der Textilreinigung weit verbreitete Lösungsmittel Perchlorethylen (Per). Die II. BImSchV schreibt strenge Grenzwerte für Emissionen, geschlossene Maschinensysteme und Mindestabstände zu Wohn- und Aufenthaltsräumen vor. Für viele klassische „heiße“ Shop-Reinigungen mitten in Wohngebieten oder in Ladenzeilen bedeutete das faktisch das Aus.
„Der eingeschlagene Weg der heißen Standorte musste korrigiert werden“, so Schwind. Da viele Kollegen ihre Maschinentechnik stilllegten und nach Kooperationspartnern suchten, entschied sich Schwind für den mutigen Schritt: einen Zentralbetrieb auf der grünen Wiese. 1993 gebaut, 1994 bezogen – eine gewaltige Investition, die nur durch Volumen zu stemmen war, also durch mehr Teile, Geschäfte und Annahmestellen. Innerhalb von drei Jahren baute Norge über 50 Annahmestellen auf und versorgte acht Filialen vom Standort Boxberg aus.
Die folgenden zwei Jahrzehnte waren von kontinuierlichen Übernahmen und Modernisierungen geprägt: von Wertheim über Heilbronn bis Backnang. 2005 kam die erste KWL-Maschine hinzu, 2006 erweiterte Norge die Produktionsfläche durch einen Anbau, 2007 folgte ein zusätzliches Nassreinigungssystem.

Im Jahr 2010 wurde das Unternehmen für sein vorbildliches Marketingkonzept mit dem „Goldenen Kleiderbügel“ ausgezeichnet. Martin Schwind hatte begonnen, für jeden Monat im Jahr ein eigenes Werbethema zu entwickeln – saisonal abgestimmt auf Mäntel, Pullis, Wohntextilien oder Gartenpolster. Beworben werden die Aktionen mit Plakaten, Aufstellern, Flyern, Anzeigen in lokalen Tageszeitungen, einem Werbespot in Kinos, im regionalen TV sowie mit gezielten Mailings an Stammkunden. Mit messbarem Erfolg: Die Hemdenkampagne in der Adventszeit beschert dem Betrieb im Dezember 90 Prozent mehr Hemden als im Jahresdurchschnitt.
Mit dem Erwerb der Wäscherei Stickel im Jahr 2020 sicherte sich Norge zusätzlich die Bearbeitung haushaltsüblicher Postenwäsche und erschloss das Geschäft mit der Kleingastronomie.
Norge heute: Von Brautkleid bis Wischmopp
Heute betreibt Norge zwölf eigene Filialen sowie rund 150 Annahmestellen und beschäftigt 50 Mitarbeiter. Das Einzugsgebiet erstreckt sich von Südthüringen bis Stuttgart und von Aschaffenburg bis Nördlingen; die Tagesleistung beträgt bis zu 3.000 Teile. Die technische Ausstattung kann sich sehen lassen:
- Lösemittelbereich: Per und KWL in den Maschinengrößen 27 kg (2 Stück), 22 kg und 15 kg
- Nassreinigung: vier 24-kg-Systeme, ein 28-kg- und ein 60-kg-System
„Vom Brautkleid bis zum Wischmopp können wir alles“, bringt es Schwind auf den Punkt. Die Betriebsauslastung liegt bei 90 Prozent. Während das Privatgeschäft seit Jahren rückläufig ist, gleicht Norge dies durch ein dichteres Annahmestellennetz aus – und durch starkes Wachstum im B2B-Bereich, etwa bei Arbeitskleidung und PSA (Einstieg 2015). Auch als „Helfer in der Not“ für Kollegenbetriebe mit kurzfristigen technischen oder personellen Engpässen hat sich Norge einen Namen gemacht.
„Das alles konnte ich nur aufbauen, da meine Frau Simone mir im Büro den Rücken freigehalten hat“, betont Schwind. Die ausufernde Bürokratie und die Aufzeichnungspflichten belasten einen kleinen, mittelständischen Betrieb über Gebühr.

Gut ausgebildet, gut vernetzt
Aktuell investiert Norge vor allem in Ersatztechnik – größere Neuinvestitionen sind aus Platzgründen am Standort schwierig. Neben moderner Technik setzt Martin Schwind seit jeher auf die regelmäßige Fort- und Weiterbildung seiner Mitarbeiter – ob Verkaufsschulungen oder hausinterne Bügelseminare. „Alle meine Mitarbeiter sollen ein gemeinsames Level besitzen, dadurch kann ich von ihnen auch ein bestimmtes Leistungsniveau fordern“, erklärt Schwind. Genau diese Qualifizierungsphilosophie ist aus seiner Sicht heute besonders wichtig – zugleich sieht er hier, mit Blick auf den Nachwuchs, eines der größten Probleme der Branche. „Wir arbeiten mit wassergefährdenden Stoffen und einer Vielzahl unterschiedlicher Textilien, was eine qualifizierte Ausbildung unumgänglich macht.“ Die abgespeckte Ausbildung im Textilreinigungsbereich und den Wegfall der Meisterpflicht hält er für falsch. Seit über 30 Jahren setzt sich Martin Schwind für die Interessen der Branche im erweiterten Vorstand des FATEX ein. Und ist deshalb auch gut mit der Textilreinigerszene in Süddeutschland vernetzt.
Der Blick nach vorn: Norge 2036
Wie sieht Martin Schwind sein Unternehmen in zehn Jahren? Seine Prognose ist klar: „Im ländlichen Raum wird es keine ‚heißen‘ Betriebe mehr geben – der Zentralbetrieb wird die Versorgung übernehmen.“ In Großstädten dagegen werde die Shop-Reinigung mit moderner Technik weiter Bestand haben. Die Kombination aus heißem Laden in der Stadt und Zentralbetrieb auf dem Land bewertet Schwind als ideales Modell. Auch die Automatisierung werde im professionellen Textilpflegebereich weiter zunehmen – mit entsprechendem Platzbedarf. Die Betriebseinheiten der Zukunft werden deutlich größer sein als heute, wie der Blick ins europäische Ausland zeigt.
Ein Motto im Wandel
Wie sehr sich Norge über die Jahrzehnte gewandelt hat, zeigt sich auch im Leitspruch des Unternehmens. Lautete das Motto früher noch „Schnell – Fachgerecht – Preiswert“, so heißt es heute: „Umweltfreundlich – Nachhaltig – Regional“. Für die Norge Textilreinigungs GmbH ein guter Grund, das 60-jährige Jubiläum mit Stolz zu feiern. Das hat das Unternehmen auch getan: Am 25. Juli 2026 fand eine Abendveranstaltung in Boxberg statt, um auf sechs Jahrzehnte Vertrauen, Qualität und Partnerschaft zurückzublicken. Und gemeinsam nach vorne.
