„Meine Ausbildung ist ein Goldgriff“, sagt Mara Ladewig, Auszubildende in der Wäscherei Eben-Ezer, einer inklusiven Wäscherei in Ostwestfalen-Lippe. „Mir wurde von Anfang an signalisiert, dass ich als ausgebildete Fachkraft optimale Aufstiegsmöglichkeiten habe, nicht nur in unserem Betrieb, sondern überall im Textilservice.“ Das motivierte die 26-Jährige, eine klassische duale Ausbildung zur Textilreinigerin zu machen.
Die Wäscherei Eben-Ezer ist Teil der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Bielefeld. Hier startete Mara Ladewig im August 2023 ihre Ausbildung zur Textilreinigerin, die sie voraussichtlich im Juli 2025 abschließen wird. Mit Erfolg, davon geht ihre Chefin Antje Stracke aus. Gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Stefanie Kost leitet die Textilreinigermeisterin den Betrieb, der mit derzeit 17,8 Angestellten und 4 Klient/innen in Teilzeit rund 2,5 Tonnen pro Tag bearbeitet: Bewohnerwäsche, von der Socke bis zur Zudecke und Gardine.
„Im Prinzip sind wir so etwas wie ein übergroßer Haushalt, allerdings mit besonderen Artikeln, wie Schutzanzügen und einem hohen Anteil an Desinfektionswäsche. Wir haben ein Leasingangebot für Bettwäsche, Frottierwaren, Lätzchen und Inkontinenzunterlagen, das sehr gut angenommen wird. In erster Linie bearbeiten wir persönliche Wäsche, die sortiert und händisch gelegt wird. Das sind Textilien der Klient/innen in unseren Wohnheimen und dem ambulant betreuten Wohnen. Ein großer Kunde ist das eeWerk, unsere Eben-Ezer-eigene Behindertenwerkstatt. Außerdem arbeiten wir für andere Behindertenwerkstätten, zwei Altenheime und kleinere Einrichtungen wie Kindergärten oder Restaurants“, erklärt die Wäschereileiterin.
Erste Auszubildende im Team
Sie war es, die das Engagement und Talent der jungen Mitarbeiterin erkannte und sie ermutigte, eine Ausbildung zur Textilreinigerin zu machen. „Als Mara Ladewig zu uns kam, stellte sich sehr bald heraus, dass sie über wertvolle Qualitäten verfügt. Sie ist klug, motiviert, arbeitet qualitativ hochwertig und schnell. Sie kommt mit allen gut aus. Wir haben sie dann schnell in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen und ihr die Ausbildung angeboten. Eine fundierte Ausbildung ist für Menschen in Leitung immer sehr wertvoll, aber wir hoffen damit auch, Mara Ladewig an uns zu binden. Wie Stefanie Kost, die erste Mitarbeiterin, der wir angeboten haben, die Meisterschule zu besuchen, ist Mara Ladewig unsere erste Auszubildende.“
Neugierig und ehrgeizig, wie sie sich selbst beschreibt, ließ sich Mara Ladewig von ihrer Chefin und deren Stellvertreterin über das Berufsbild mit all seinen Facetten und Herausforderungen beraten. So erfuhr sie unter anderem, dass sie sich nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung zur Textilreinigermeisterin weiterbilden oder ein Studium anschließen könnte, für Textiltechnik beispielsweise. „Diese Perspektiven sind für mich attraktiv“, so die angehende Textilreinigerin.
Einzigartige Vielseitigkeit
Mara Ladewig hatte bereits eine Ausbildung als Gestaltungstechnische Assistentin absolviert und mit ihrer Begeisterung für Sprachen Japanologie studiert, um dann festzustellen: In allen anfangs angestrebten Bereichen waren Jobs und Karrieremöglichkeiten begrenzt. „Ich wollte dann erst einmal eine Pause vom Studieren machen, einfach arbeiten, Geld verdienen und mich sortieren“, verrät sie. Dass ihr gerade der Job in der Wäscherei neue Erfolgsaussichten bieten würde, war eine willkommene Überraschung. Über eine Zeitarbeitsfirma hatte sie die Arbeitsstelle und bereits kurze Zeit später eine Festanstellung angeboten bekommen.

Die Vielseitigkeit im Textilservice, das wisse sie heute, sei einzigartig. Dass sie sich auch für die Theorie und Fachthemen begeistern kann, macht es ihr leicht, alle prüfungsrelevanten Inhalte in der verkürzten Ausbildung zu lernen. Sie gehe daher gern auch zur Berufsschule, zur Anna-Siemsen-Schule in Hannover, die für sie gerade noch erreichbar ist. Die Berufsbildende Schule ist eine der wenigen, die noch Textilreiniger/innen ausbildet, in der Abteilung Textiltechnik und Bekleidung, die von Ursula Dreyer geleitet wird. Wie alle Fachlehrerenden sorge sie dafür, dass der komplexe Stoff verständlich und nachvollziehbar vermittelt werde, sagt Mara Ladewig anerkennend. Faserkunde ist eines ihrer Lieblingsfächer. Sie findet es faszinierend, sich mit dem Aufbau von Textilien zu beschäftigen und den Möglichkeiten nachhaltiger Textilpflege.
Das einzige Manko im Rahmen ihrer Ausbildung sei der lange Weg zur Berufsschule. „Meine Arbeitsstelle erreiche ich in zehn Minuten zu Fuß. Auch das war ein glücklicher Zufall“, sagt sie. „Die Fahrt nach Hannover hingegen ist wirklich eine Herausforderung, da ich kein Auto habe. Man kann sich nie auf die Bahnverbindungen verlassen. Und es fährt noch kein Bus, um morgens um 5 Uhr die passende Verbindung vom Lemgoer Bahnhof zu erreichen. Es gibt Tage, an denen ich um 4 Uhr aufstehe und erst um 22 Uhr zuhause bin, obwohl die Schule nur bis 15.10 Uhr geht, da es ständig zu Verspätungen und Zugausfällen kommt.“
Sie nimmt es sportlich: „Es ist ja nur einmal die Woche und für eine absehbare Zeit“, sagt die zielstrebige junge Frau, die sich in ihrer Freizeit für Kunst interessiert, viel liest und Bücher sammelt, unter anderem Mangas (aus Japan stammende Comics) und eine Leidenschaft für Videospiele hat. Sie sei eben sehr vielseitig.
Ein gelungener Kurswechsel
Ihre Familie und Freunde hatten sich dennoch über die plötzliche Leidenschaft für die Wäscherei und den beruflichen Kurswechsel sehr gewundert „Und dafür hast du nun die ganze Zeit studiert?“ Solche Kommentare habe sie oft zu hören bekommen. Aber sie habe schlicht und einfach das getan, was sie liebt. „Auch meine Mutter hat mir im Nachhinein gestanden, dass sie dachte, ich würde das höchstens zwei Wochen aushalten. Jetzt ist sie der Meinung, dass die Ausbildung in der Wäscherei eine der besten Chancen ist, die ich je bekommen habe.“
Es sei bedauerlich, dass akademische Tätigkeiten im Allgemeinen ein höheres Ansehen hätten als im Handwerk. „Ich würde mir wünschen, dass diese essenziellen Berufe mehr wertgeschätzt werden, die Arbeit in der Wäscherei zum Beispiel. Unsere Jobs sind nicht nur vielfältig, sondern wirklich sinnvoll und absolut krisensicher!“
Ich würde mir wünschen, dass diese essenziellen Berufe mehr wertgeschätzt werden, die Arbeit in der Wäscherei zum Beispiel.
Mara Ladewig
Dass Mara Ladewig in ihrem Ausbildungsbetrieb in eine Leitungsfunktion aufsteigen kann, ist bereits geplant. Ihre Chefin hofft, dass ihre ambitionierte Mitarbeiterin als qualifizierte Fachkraft bleibt. „Nach der Ausbildung würden wir sie gerne so schnell wie möglich zur Meisterschule schicken“ betont Antje Strack. „Wir sprechen bereits mit den Fortbildungsgremien unserer Einrichtung, damit das dann schnell genehmigt wird. In ein paar Jahren gehe ich in Rente, dann ist es vorgesehen, dass sie die Position meiner Stellvertreterin übernimmt.“ Bisher leiten sie und Stefanie Kost die Wäscherei kooperativ und gleichberechtigt. Dieses System habe sich bestens bewährt. Wie ihre Nachfolgerinnen das später regeln werden, sei dann ihre Sache.
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