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Imprägnieren in der Textilreinigung Mehr als wasserabweisend: Imprägnierung von Textilien

Beim Thema Imprägnierung denken viele an Schuhe oder Outdoorbekleidung. Doch der Gewebe- und Faserschutz kann mehr. Was genau? Und wie funktioniert Imprägnierung eigentlich? Warum ist es besser, Textilien beim Profi in Textilreinigung und Wäscherei imprägnieren zu lassen? Wie sieht es mit Umwelt und Gesundheit aus? Antworten darauf gibt R+WTextilservice.

Mehr als wasserabweisend: Imprägnierung von Textilien
Eine Imprägnierung bedeutet, dass Textilien wasserabweisend, aber nicht wasserdicht sind. Foto: Viktor – stock.adobe.com -

Stundenlang im Regen spazieren gehen und nicht nass werden? Das geht, dank einer gut imprägnierten Regenjacke oder eines gut imprägnierten Regenschirms. Doch ewig hält so eine Imprägnierung nicht. Für Wetter- und Outdoorbekleidung ist eine professionelle Nachimprägnierung ein Muss, am besten beim Experten in der Textilreinigung oder Wäscherei. Aber auch für viele andere Textilien ist die Ausrüstung mit einer Imprägnierung Vorteilhaft.

Imprägnieren - was ist das überhaupt?

Imprägnieren leitet sich vom spätlateinischen Verb impraegnare für schwängern, durchtränken, füllen mit einer Substanz ab. Damit ist laut Wikipedia eine durchtränkende Behandlung von festen porösen Stoffen (z.B. Textilien, Papier, Holz, Beton), mit gelösten, emulgierten oder dispergierten Substanzen gemeint. Nach dem Verdunsten oder Trocknen des Imprägniermittels verleihen die aufgebrachten Substanzen den behandelten Materialien veränderte Funktionen und Gebrauchseigenschaften. Textilien werden z.B. knitterarm oder flammsicher gemacht, vor Mottenfraß oder Flecken geschützt. Fälschlicherweise wird Imprägnierung manchmal synonym für die Hydrophobierung von Textilien verwendet. Eine Hydrophobierung ist eine wasserabweisende Ausrüstung, bei der die Tropfen von einer Oberfläche "abperlen". Imprägnierung kann aber viel mehr.

Für welche Textilien ist eine Imprägnierung sinnvoll?

In vielen Fällen ist eine Imprägnierung notwendig, um die Unversehrtheit des Trägers der Bekleidung - in diesem Falle der persönlichen Schutzausrüstung (PSA) - zu garantieren. Feuerwehrbekleidung wird imprägniert, damit das Gewebe kein Wasser aufnimmt, sonst würde der Träger in der Hitze seines Arbeitsumfeldes ggf. verbrüht. Die Imprägnierung des OP-Gewebes soll sowohl verhindern, dass eventuell keimhaltige Flüssigkeiten vom Arzt auf den Patienten (z.B. Schweiß) als auch umgekehrt vom Patienten auf den Arzt (Blut, Desinfektionsmittel etc.) übertragen werden können. Chemikalienschutzbekleidung soll ebenfalls das Durchdringen von Flüssigkeiten verhindern.

Imprägnierungen werden außerdem in verschiedestenen anderen Bereichen angewendet, u.a. bei Markisen, Schirmen, Zelten, Bootssegeln und -persennings. Der Verbraucher kennt die Imprägnierung vor allem bei Outdoor- und Skibekleidung sowie bei Schuhen.

Da eine Imprägnierung auch vor Flecken bzw. deren Festsetzung im Gewebe schützt, können z.B. auch Anzüge, Krawatten und Blusen imprägniert werden.

Wie funktioniert Imprägnierung von Textilien?

Je nach den Anforderungen an die Wasch-, Reinigungs- und Wetterbeständigkeit werden als Imprägnierungsmittel Paraffin- und Wachsemulsionen, aber auch filmbildende Silikone und Fluorcarbone für einen permanenten Schutz eingesetzt.

Der Bundesinnungsmeister der österreichischen Textilreiniger, Wäscher und Färber, Walter Imp, erläuterte die Funktionsweise in einer Fernsehsendung auf ORF 2. Zu den Formen der Imprägnierung sagte er, dass die Harzimprägnierung und die Silikonimprägnierung die am häufigsten angewendeten Formen der Imprägnierung seien. Imprägniert werden könne in Sprühform aus der Dose und in der Waschmaschine mit dem Tauchverfahren.

Es gibt also unterschiedliche Verfahren, um Imprägnierungsmittel aufzutragen, z. B.:

  • Foulardieren
  • Tauchen
  • Sprühen
  • Druckimprägnieren
  • Pflatschen (Kiss-Roll)

Um den Nutzen der Imprägnierung zu verdeutlichen, führte der Fachmann im Fernsehstudio einen Test durch. Dafür hatte KommR Walter Imp ein Tuch vorbereitet, das auf einer Seite imprägniert war und auf der anderen nicht. An der imprägnierten Stelle perlte das Wasser ab. Der Textilreinigermeister kommentierte, dass der Stoff rund zwei bis drei Stunden die „mechanische Belastung“ durch das Wasser aushalten könne. Allerdings verdünne sich die Imprägnierung durch die Feuchtigkeit im Laufe der Zeit. Dann müsse ein Textilpflegeexperte die Bekleidung nachimprägnieren. Anders verhielt sich die unimprägnierte Stoffstelle. Das Textil saugte das aufgetragene Wasser auf.

Daunenjacke Jacken

Daunen- oder Winterjacken können auch imprägniert werden. Der Bundesinnungsmeister verwies auf die Textilreiniger, die spezielle Sprühautomaten dafür hätten. Daunenjacken würden nicht tauchimprägniert, da die Daunen nicht imprägniert werden müssten. „Sonst verklumpen sich diese. Deshalb Daunenjacken nur vom Textilreiniger imprägnieren lassen", so Walter Imp.

Tipp: Wie man mit Daunen und Federn gefüllte Textilien richtig pflegt, lesen Sie im Artikel "Daunen und Feder richtig reinigen".

Der Bundesinnungsmeister stellte abschließend klar: „ Imprägnierung heißt nicht, dass ein Textil wasserdicht wird.“ Vielmehr sei es so, dass das imprägnierte Textil wasserabweisend sei.

"Unter die Dusche stellen können Sie sich damit nicht“, das sagt auch Gabriele Drechsler ihren Kunden, wenn sie für Skihose, Wintermantel, Regenjacke und Co. eine Imprägnierung wünschen. „Die Bekleidung weist Wasser ab, ist aber nicht wasserdicht. Man kann keine Wunder erwarten“, fügt die Textilreinigungsmeisterin und öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für das Textilreinigerhandwerk von der Handelskammer Mittelfranken hinzu.

Auch Sigrid Förster-Henze, Inhaberin von Förster – Ihre gute Textilpflege in Wetter, ist der Meinung, dass man mit Kunden sprechen muss, um Irrtümern vorzubeugen: „Wir verkaufen Imprägnierungen mit Erfolg. Das liegt auch daran, dass wir offen über die Möglichkeiten dieser Ausrüstung reden.“ Sie und ihr Team kommunizieren, dass eine Imprägnierung nicht nur einen Wasser-, sondern ebenfalls einen Fleckenschutz darstellt. „Deswegen werden bei uns nicht nur Skihosen, sondern beispielsweise auch Anzüge, Krawatten und Blusen behandelt“, ergänzt Förster-Henze. Es sei aber auch wichtig, mit Vorurteilen aufzuräumen. „Viele Menschen denken ja noch, dass eine Ausrüstung Bekleidung steif macht, obwohl das nicht der Fall ist“, erklärt sie.

Ausrüstung gegen Wasser, Schmutz, Öl, Chemie

Eine Imprägnierung stellt eine Ausrüstung, meist gegen Wasser und Schmutz, dar. Sie kann auch öl- und chemikalienabweisend sein. Gerade bei Chemikalienschutz setzt die Industrie oft auf Mittel auf Fluorcarbonbasis. Die Fluorchemie findet besonders in der Ausrüstung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) Anwendung, steht aufgrund von problematischen Stoffen aber in der Diskussion (Näheres dazu weiter unten beim Punkt Hintergrund: Imprägnierung und Fluorcarbon).

Imprägnierungen sind nicht permanent. „Nach jeder Pflegebehandlung müssen Bekleidungsstücke nachimprägniert werden. Der Wachprozess wäscht nicht nur Schmutz, sondern auch Ausrüstungen herunter“, erklä rt Drechsler. Bei älteren Textilien, bei denen das Material bereits aufgeraut ist – z.B. bei Skihosen vom Liftsitzen oder bei Jacken an Scheuerstellen wie Kragen und Ärmeln –, sollte auch darauf hingewiesen werden, dass das Material die Imprägnierung nicht mehr richtig aufnimmt. Die Oberfläche müsse glatt sein.

Häufig bekommt Drechsler von Kunden zu hören, dass Goretex-Produkte nicht imprägniert werden müssen. „Ein Irrtum. Goretex ist eine Membran, die Wasserdampf beim Schwitzen von innen nach außen transportiert, aber kein Wasser von außen nach innen lässt. Auch Goretex-Bekleidung ist imprägniert, damit das Wasser, das sich auf der Bekleidung absetzt, nicht wieder eindringen kann“, erklärt sie. Goretex selbst gibt online auf auf seiner Website (www.gore-tex.de/service/impraegnierung) ebenfalls an, dass eine Ausrüstung nicht unbegrenzt anhält. „Regelmäßiges Tragen, Abnutzung, Schmutz, Waschmittel, Insektenschutzmittel oder andere Verunreinigungen können ihre Lebensdauer verkürzen“, schreibt der Hersteller W. L. Gore & Associates.

Weitere Tipps zur Imprägnierung und Pflege von Goretex-Textilien gibt es im Beitrag "GoreTex: Gepflegt in den Schnee".

Wie imprägniert eine Reinigung die Textilien?

In der professionellen Textilpflege gibt es zwei Wege, Bekleidung zu imprägnieren: mittels Nassreinigung oder im Sprühverfahren. Welche Methode wählt man? Dazu sagt Förster-Henze: „Textilien, die nur gereinigt werden können, werden sprühimprägniert. Textilien wie z.B. Outdoorbekleidung und Daunenjacken werden in der Nassreinigung ausgerüstet.“ Bei der Nassreinigung – die laut Drechsler etwas stärker ausgeprägt ist – wird die Imprägnierungslösung nach der Wäsche in einem Spülbad hinzugefügt. Das Bad wird aufgewärmt und danach abgeschleudert. Bei gereinigten Textilien wird die Imprägnierung erst nach dem Reinigungsprozess aufgetragen. Sie wird beim Rollieren auf die abgeschleuderte, aufgelockerte Ware aufgesprüht und anschließend getrocknet. In Textilreinigungsmaschinen werden Imprägniermittel in der geschlossenen Maschine im Sprühverfahren appliziert.

Es gibt auch einen Unterschied zwischen der Imprägnierung, wie sie der Textilveredler durchführt, und der Imprägnierung, die der Textilreiniger vornimmt. Bei der Herstellung von textilen Flächengeweben werden Imprägnierungen in der Regel im Foulard-Verfahren aufgebracht, d.h. „zwangsappliziert“. Meist ist die Erstausrüstung bei der Textilherstellung dauerhaft und erzielt eine hohe Leistung. Bei der Wiederausrüstung in der professionellen Textilpflege erfolgt die Imprägnierung der Textilien aus dem Bad, d.h., die Fluorpolymere müssen im günstigsten Fall eine gewisse Affinität zum Gewebe aufweisen, um aktiv auf der Faser zu adsorbieren. Näheres zum Unterschied zwischen Erst- und Nachimprägnierung finden Sie weiter unten beim Punkt Unterschiede zwischen Erst- und Nachimprägnierung.

Mittel für den Heimgebrauch oft nicht wirkungsvoll

Mittel zur Imprägnierung gibt es auch für den Heimgebrauch, meist in Sprayform. „Die sind aber häufig nicht wirklich wirkungsvoll“, erklärt Drechsler. Ein Faktor: Weichspüler. „ Imprägnierungen und Weichspüler sind wie Salz und Zucker, das hebt sich auf“, fügt die Sachverständige hinzu. „Weichspüler setzen sich immer in den Kammern von Haushaltswaschmaschinen ab und gelangen dann auf die Textilien. Für eine ordentliche Imprägnierung ist eine professionelle Pflegebehandlung daher am besten geeignet.“

Imprägnierung Spray Haushalt Textilien

BÜFA bestätigt: Um eine Imprägnierung optimal aufzubringen, benötigt man Textilien frei von Tensiden und anderen in Waschmitteln vorkommenden Substanzen. Dies sei oft mit Haushaltswaschmaschinen nicht zu gewährleisten. Zusätzlich erfordere eine Imprägnierung eine starke Unterbeladung sowie eine längere Ausrüstzeit bei höheren Temperaturen. Gerade bei größeren Artikeln wie Skibekleidung sei das Volumen von Haushaltsgeräten zu gering. „Die Wäsche sollte wirklich sauber sein. Wer verschmutzte Textilien imprägniert, überzieht auch die Flecken mit einem Schutz“, sagt Gabriele Vongries, Leiterin der Anwendungstechnik bei Kreussler.

Imprägniermittel richtig dosieren

Die professionelle Imprägnierung hat den Vorteil der genaueren Dosierung und des gleichmäßigen Auftragens der Mittel auf die Textilien, gibt Seitz an. Durch einen definierten Spülprozess werde die Grundlage für das Aufziehen der Imprägniermittel auf die Textil­fasern gelegt. „Wichtig ist, die richtige Konzentration des Imprägniermittels in der Flotte sicherzustellen“, sagt auch Vongries.

Textilien, die nicht waschbar sind, können laut BÜFA zuhause nur mit Sprays imprägniert werden. Diese seien oft teuer und würden nicht auf dem Textil landen, sondern eher in der Lunge. „Ein Vorteil der gewerblichen Anwendung von Imprägniermitteln besteht darin, dass die Anwendung nicht außerhalb der Maschine stattfindet“, so Vongries.

Imprägnierte Textilien richtig trocknen

Ein weiter Grund, sich für die professionelle Imprägnierung zu entscheiden? Die optimale Auskondensierung der Textilien ist mit Haushaltsgeräten nur schwer zu gewährleisten. „Bei der gewerblichen Ausrüstung mit fluorcarbonhaltigen Imprägniermitteln im Badverfahren müssen die notwendigen Trocknungstemperaturen erreicht werden, damit die Ausrüstung ihre volle wasserabweisende Wirkung entfaltet“, fügt Vongries hinzu.

Für die CHT-Gruppe beinhaltet eine professionelle Imprägnierung neben besseren Trocknungs- und Fixierbedingungen auch den Umweltaspekt. Wäschereien hätten ihr Abwasser besser im Griff als Privatpersonen mit handelsüblichen Haushaltswaschmaschinen. Textilveredlungsbetriebe seien nach dem Ausziehverfahren aufgrund einer Zwangsapplikation sogar noch besser aufgestellt. Auch Seitz gibt an, dass bei einer Imprägnierung in Lösungsmitteln kein Eintrag der Wirkstoffe in die Umwelt erfolgt.

Woran eine optimale Imprägnierung im Privathaushalt scheitert, zeigt, worauf in einem professionellen Betrieb wertgelegt wird. Neben gut gespülter Wäsche, einer richtigen Dosierung und Trocknung achten Profis noch darauf, dass keine anderen Ausrüstungsprodukte verwendet werden, so BÜFA. Außerdem müsse auf den richtigen pH-Wert geachtet werden. Dieser sollte schwach sauer sein und mit einprotonigen Säuren eingestellt werden.

Die Vorteile einer professionellen Imprägnierung überwiegen. Doch auch hier gilt: Ehrlich währt am längsten. Wenn Kunden etwas suchen, womit sie auch unter der Dusche trocken bleiben, sollte man vielleicht einen Ostfriesennerz empfehlen. Wer seine Kunden richtig informiert, beugt derartigen Anfragen jedoch vor.

Darum sollten Textilien von Profis imprägniert werden

Egal ob Imprägnierung mit einem Spray oder im Spülbad in der Haushaltswaschmaschine, die Ausrüstung wird selten so gut wie beim Profi. Hier ein paar Gründe:

  • Sauberkeit: Bei der Wäsche in Haushaltswaschmaschinen bleiben häufig Waschmittel- und Weichspülerreste in Textilien. Diese entkräften eine Imprägnierung.
  • Dosierung: Die richtige Menge des Imprägniermittels entscheidet über den Wirkungsgrad der Ausrüstung. Bei der Nassreinigung in der Haushaltsmaschine oder bei der Verwendung von Sprays kann die Dosierung von Anwendern oft nur geschätzt werden.
  • Maschinenleistung: Haushaltswaschmaschinen erfüllen meist nicht die Anforderungen für eine professionelle Imprägnierung. Für optimale Ergebnisse müssen Haushaltsmaschinen bei einer starken Unterbeladung laufen und längere Spülzeiten bei höheren Temperaturen bieten.
  • Gesundheit: Bei Imprägniersprays besteht die Gefahr, dass sie bei Anwendung in die Atemwege gelangen und sich in der Lunge absetzen.
  • Ökosystem: Imprägniermittel gelangen bei Anwendung im Privathaushalt ungefiltert in die Umwelt.
  • Auskondensieren: Für eine optimale Imprägnierung ist eine richtige Trocknung entscheidend. Haushaltstrockner sind oftmals nicht leistungsstark genug, um Textilien richtig auszukondensieren.

Mit diesen Vorteilen können Reinigungen und Wäschereien für sich werben. Textilpflegebetriebe sollten die Imprägnierung als Zusatzleistung aktiv bei den Kunden "anpreisen". Denn oft wissen Kunden gar nicht, dass eine Textilreinigung oder Wäscherei eine professionelle Ausrüstung der Textilien anbietet. Informieren sollte man Kunden auch über Folgendes: Imprägnierung hat neben der wasserabweisenden Funktion noch eine weitere nützliche Eigenschaft für den Verbraucher. Sie ist gleichzeitig auch ein Faserschutz, z.B. gegen Flecken.

Bei Werbemaßnahmen werden Betriebe z.B. vom Deutschen Textilreinigungs-Verband mit Werbemitteln wie Plakaten unterstützt. Bei der Branchenkampagne des Verbands ist professionelle Faserschutzausrüstung immer wieder ein Thema. Der DTV informiert auch auf der Verbraucherseite www.reinigen-lassen.com über das Thema Imprägnierung.

Hintergrund: Imprägnierung und Fluorcarbon

Bei einer Imprägnierung handelt es sich um eine Ausrüstung gegen Wasser und Schmutz. Sie kann aber auch öl- und chemikalienabweisend sein. Um vor Chemikalien zu schützen, wird häufig auf Mittel auf Fluorcarbonbasis gesetzt. Fluorcarbon bieten ein hohes Schutzniveau gegenüber Öl, Wasser und Chemikalien.

Imprägnierung Fluorcarbone Schutztextilien

Sowohl bei Feuerwehruniformen und Chemikalienschutzbekleidung als auch bei OP-Textilien erfüllen Ausrüstungen auf Fluorcarbonbasis die geforderten Normen für Schutztextilien. Polymere auf C8-Telomerbasis enthalten jedoch Spuren von PFOA, weshalb sie auf dem europäischen und amerikanischen Markt weitestgehend verschwunden sind. Seitz bietet eigenen Angaben zufolge Ausrüstungen für PSA-Textilien, die z.B. im Bereich der Feuerwehr oder der chemischen Industrie benötigt werden, auf C8-Basis an. Ausreichende Werte für eine wasserabweisende und chemikalienabweisende Ausrüstung könnten nur so erreicht werden.

Als Alternative entwickelten Chemiehersteller Produkte mit C4- oder C6-Polymeren. „All diese Maßnahmen bringen zwar eine gute Wasserabweisung. Sie erreichen aber weder die geforderte Öl- und Chemikalienabweisung noch die Waschpermanenz, die die C8-Chemie vorlegt“, sagte Stefan Thumm vom Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie in einem Gespräch mit R+WTextilservice im Jahr 2016 (siehe Ausgabe 10/2016). Thumm war zum damaligen Zeitpunkt der Überzeugung, dass fluorfreie Alternativen für den Arbeitsschutz gültige Standards aus physikalischen Gründen nicht erfüllen könnten. Ihre Effekte würden höchstens für die Imprägnierung von Outdoorartikeln reichen.

„Wir müssen aber alle Möglichkeiten nutzen, die Grundausrüstung und Nachimprägnierung noch umweltverträglicher zu gestalten“, sagte Thumm. Einen Weg, den beispielsweise die CHT-Gruppe einschlägt. So biete die Geschäftseinheit Textilpflege in erster Linie fluorcarbonfreie Produkte zur Imprägnierung an. In Ausnahmefällen arbeite man allerdings mit C6-Chemie.

R+WTextilservice hatte bereits im Jahr 2010 über die Problematik der fluorcarbonhaltigen Imprägnierungen berichtet. Autorin und Textilexpertin Sabine Anton-Katzenbach schrieb schon damals: "Fluorcarbone verleihen Stoffen schmutz-, öl- und wasserabweisende Eigenschaften. Allerdings entstehen bei der Herstellung als krebsverdächtig eingestufte Inhaltsstoffe. Bis zum Jahr 2015 soll die Ausrüstungschemikalie nun weltweit auf ökologische Beine gestellt werden. Für die Wäschereibranche hat das weitgehende Auswirkungen, derer sich ein Großteil der Branche noch nicht bewusst ist." Den vollständigen Artikel "Die chemische Stoffgruppe Fluorcarbone: Einzug der Ökologie" lesen Sie hier.

R+WTextilservice bleibt weiter an dem Thema dran und wird auch zukünftig über die Entwicklung berichten. Einiges hat sich seit 2010 aber auch schon getan.

Forschung bei BÜFA zu fluorfreier Imprägnierung

Auch in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von BÜFA weiß man: Bedingt durch die Sensibilisierung des Verbrauchers hinsichtlich schwer abbaubarer Chemikalien stehen fluorhaltige Imprägnierungen vermehrt in der Kritik. Eine Imprägnierung ist auch ohne die Stoffe möglich – zwar mit Einschränkungen, doch nicht jedes Textil benötigt jede schützende Eigenschaft. In der Kritik geht es um Stoffe wie Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS). Hierbei handelt es sich um Mitglieder der per- oder polyfluorierten Chemikalien (PFC), die biologisch schlecht abbaubar sind und sich im lebenden Organismus anreichern.

Um diese Problemstoffe zu vermeiden, wurde zunächst auf eine spezielle Herstellungsart, die elektrochemische Fluorierung, verzichtet. PFOS-freie Fluorcarbonharze konnten so hergestellt werden. Später entwickelte die chemische Industrie kürzere Fluorketten, so dass nun auch PFOA-freie Fluorcarbonharze zur Verfügung stehen. Fluorcarbonharze sind aber weiterhin fluorierte Verbindungen, die in Spuren Perfluorcarbonsäuren (häufig die Perfluorhexansäure; C6-Chemie) enthalten.

Um ganz auf diese Stoffe verzichten zu können, wird auf eine Eigenschaft der Fluorpolymere verzichtet: Die drastische Herabsetzung der Oberflächenenergie der ausgerüsteten Oberfläche unterhalb der Oberflächenspannungen von Ölen – die Imprägnierung. Eine Flüssigkeit breitet sich auf einer Oberfläche aus, wenn die Oberflächenspannung der Flüssigkeit geringer ist als die Oberflächenenergie der Oberfläche. Durch die Modifikation der Oberfläche mit geeigneten Mitteln wird bei der Imprägnierung die Oberflächenenergie des Textils herabgesetzt.

Bislang gibt es laut BÜFA keine fluorfreien Substanzen, die eine so niedrige Oberflächenenergie verursachen können wie die Fluorcarbonharze. Deshalb kann eine Ölabweisung nur durch perflourierte Verbindungen erzielt werden. Die Oberflächenenergien der mit fluorfreien Imprägnierungen ausgerüsteten Textilien liegen im gleichen Bereich wie die Oberflächenspannungen von Ölen. Diese Imprägniermittel wirken ausschließlich wasser-, aber nicht ölabweisend.

Kann auf eine Ölabweisung verzichtet werden, stehen seit längerer Zeit verschiedene Ausrüstungsprodukte zur Verfügung, die komplett frei von Fluorverbindungen sind. Bei modernen Phobiermitteln bildet sich kein luftundurchlässiger Film, der die Atmungsaktivität herabsetzt. Die Imprägnierung verstopft die Membranen nicht und wirkt sich auch nicht negativ auf die Warnschutzbekleidung oder das Brandverhalten aus.

Bei Outdoortextilien ist Hydrophobierung ausreichend

Bei persönlichen Schutzausrüstungen (PSA), wie z.B. dem Chemikalienschutz, kann jedoch nicht auf fluorhaltige Imprägniermittel verzichtet werden, wenn der Kontakt zu öligen Substanzen eine Gefahr darstellt, so BÜFA. Bei einer reinen Wetterschutz-PSA oder bei Outdoortextilien hingegen ist eine Hydrophobierung in der Regel ausreichend. Da Nutzer von Outdoortextilien hinsichtlich der Diskussion von besorgniserregenden Inhaltstoffen sensibilisiert sind, ist die Vermeidung von fluorierten Polymeren im Outdoorbereich vorteilhaft. Andere technische Textilien, wie Markisen, Schirme oder auch Persenninge, können ebenfalls mit diesen Hydrophobiermitteln ausgerüstet werden.

BÜFA liefert nach eigenen Angaben seit vielen Jahren das Allrounder-Hydrophobiermittel Terasit AP an Wäschereien und Textilreinigungen. Im Laufe der Jahre wurde der Kenntnisstand hinsichtlich des fluorfreien Ausrüstungsverfahrens von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des Oldenburger Unternehmens erweitert. Das fluorfreie Terasit AP zeichnet sich durch eine gute Wasserabweisung auf allen Faserarten, ob Wetterschutz-, Sportbekleidung oder technische Textilien, aus. Das Mittel sorgt für eine Abriebbeständigkeit und erhält die Atmungsaktivität. Bereits bei niedrigen Temperaturen entfaltet sich die volle Wirksamkeit – bei vollkommenem Verzicht auf PFC.

Kreussler: Keine Kompromisse bei der Imprägnierung

Auch Kreussler bietet Imprägniermittel für den professionellen Einsatz an, u.a. die Produkte der Reihe "Hydrob". Dr. Manfred Seiter von Kreussler hat im Jahr 2012 in einem Interview mit R+WTextilservice gesagt: Die Hydrob-Produkte aus dem Hause Kreussler enthalten keine PFOS. „Hydrob FC“ und „Hydrob OP“ können PFOA in Spuren enthalten, aber weniger als 0,02 ppm. „Hydrob Easydry“ ist frei von PFOA und PFOS.

Seiter empfiehlt ganz klar die Imprägnierung beim Profi: "Der Effekt durch professionelle Imprägnierung ist deutlich besser und haltbarer als die Haushaltsimprägnierung aus der Sprühdose. Die Verteilung auf der Textiloberfläche wird durch die professionelle Bearbeitung ebenfalls gleichmäßiger sein." Bei persönlicher Schutzausrüstung müsse die Erfüllung der für die Bekleidung genannten Normen gesichert sein. Hier verbieten sich Experimente von selbst.

Das komplette Gespräch unter der Überschrift "Keine Kompromisse bei der Imprägnierung" lesen Sie hier.

EFIT-Projekt „Verhalten FC-freier Ausrüstungen in der Textilindustrie bzw. Reinigung“

Nicht nur die Hersteller, auch Verbände beschäftigen sich mit dem Thema der fluorcarbonfreien Ausrüstung von Textilien. Die Europäische Forschungsvereinigung Innovative Textilpflege (EFIT) weiß: Die gängigen Ausrüstungsmittel für die Wasser- und Ölabweisung mit perflourierten und polyflourierten Chemikalien (PFC) stehen in der Kritik. Alternativen sind gefordert. Die Umsetzung gestaltet sich jedoch nicht ganz einfach, insbesondere nicht für die Nachimprägnierung. Das zeigte sich beim Arbeitskreis der EFIT zu diesem Thema. Mehr als 40 Teilnehmer aus der ganzen textilen Kette kamen am 19. Mai 2016 nach Metzingen, zeigten sich interessiert für die Vorträge und diskutierten interdisziplinär die neusten Ergebnisse aus den EFIT-Versuchen sowie den Stand der Technik. Mehr zur Veranstaltung, dem Stand der PFOA-Restriktion, Erkenntnissen der Alternativchemie etc. lesen Sie im Nachbericht.

Es ging u.a. auch darum, welche Stoffe in neuen, PFC-freien Imprägnierungen möglicherweise problematisch sein könnten. Diese Thematik wird bereits in einem Projekt der Uni Bremen behandelt. Der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie (BSI) ist in das Projekt involviert. Das Forschungsvorhaben lautet: „Wasserdicht, atmungsaktiv und grün – Nachhaltige Ausrüstung von Outdoortextilien – Vergleichende Risikobewertung kurzkettiger poly- und perfluorierter Alkylverbindungen mit fluorfreien Ersatzstoffen“. Alternativchemikalien, die imprägnierend wirken und umwelt- und gesundheitsverträglich sind, sollen dabei untersucht werden.

Auch die EFIT selbst forschte mit Praxisversuchen: Von der Firma Hugo Boss zur Verfügung gestellte Meterware wurden von den Unternehmen BÜFA, Seitz und Kreussler in der Textilreinigung mit unterschiedlichen Produkten in den verschiedenen Lösungsmitteln nachimprägniert und später die wasserabweisende Funktion im Labor der Textilchemie Dr. Petry GmbH ausgewertet. Deutlich wurde dabei: Ohne das Wissen über die Produkte der Erstimprägnierung ist eine ausreichende Nachimprägnierung mit PFC-freien Produkten oft schwierig. Ist nicht klar, was sich auf der Faser befindet, so ist für den Textilpflegebetrieb eine Nachimprägnierung mit neuen Produkten und – im Vergleich zur Erstimprägnierung – doch recht eingeschränkter Maschinentechnik sowie Variationsmöglichkeiten der Verfahrensparameter sehr schwierig. Interdisziplinäre Lösungsansätze sind gefragt. So wäre zum Beispiel eine entsprechende Kennzeichnung der aufgebrachten Imprägnierung wünschenswert oder ein Reimprägnierservice durch den Hersteller in Zusammenarbeit mit der Textilpflegebranche.

Unterschiede zwischen Erst- und Nachimprägnierung

Erstimprägnierung: Je nach Material kann auf die Fläche mit der sinnvollsten Technik das geeignetste Produkt in der notwendigen Menge aufgetragen werden. Zur Verfügung stehen Direkt- sowie Indirektbeschichtungsverfahren. Die Aufbringung der Imprägnierung kann einseitig oder zweiseitig, horizontal wie vertikal, durch das Streich-, Walzen-, Tauch- oder Sprühverfahren etc. erfolgen.

Nachimprägnierung: Der Textilreiniger hat nicht so viele Möglichkeiten an Verfahren zur Auswahl. Durch die Technik sowie die Sicherheitsbestimmungen und natürlich auch durch weitere Bestandteile an den konfektionierten Textilien wie Materialverbünde, Futter, Accessoires etc. sind Einschränkungen gegeben. Diese Hürden verdeutlichen den Wunsch nach einer möglichst über die gesamte Lebensdauer des Teils haltbaren Erstimprägnierung. Dass das nicht zuletzt auch durch mechanischen Abtrag der Beschichtung im Gebrauch eher schwer zu realisieren ist, liegt auf der Hand.

Das Fazit der EFIT: Die vollständige Beherrschung der Thematik Nachimprägnierung mit PFC-freien Produkten erfordert noch einiges an Entwicklung, Erfahrung und auch Kommunikation in der gesamten textilen ­Kette.

Weitere Forschung zu fluorcarbonfreien Textilausrüstungen

Die Hohenstein Institute und das Fraunhofer Institut sind ebenfalls an der Thematik dran. Die Forscher wollen eine fluorcarbonfreie Textilausrüstung entwickeln, tun sich aber aktuell noch schwer. Ziel ist eine ökonomisch und nachhaltig stabile Funktionalisierung von Textilien als Ersatz für die aktuell nach wie vor noch vielfach verwendeten Fluorcarbonausrüstungen.

Branchenverbände um Träger von Arbeitsschutzbekleidung besorgt

Der Industrieverband für Hygiene und Oberflächenschutz (IHO) und die Hohenstein Institute als Prüf- und Forschungsinstitut der RAL Gütegemeinschaft sachgemäße Wäschepflege sorgen sich um die Träger von Arbeitsschutzbekleidung. Sie befürchten durch den drohenden Wegfall von Imprägnierstoffen für Textilien eine damit einhergehende Gesundheitsgefahr, wie sie in einem Positionspapier darlegen.

Feuerwehr PSA Schutzbekleidung Imprägnierung PFOA

Ohne eine entsprechende Imprägnierung drohe beispielsweise der Verlust des Schutzes von Feuerwehrschutzkleidung gegen Löschwasser, Kraftstoffe oder Chemikalien. Der Einsatz von Fluorcarbonharz-Verbindungen ist laut IHO und Hohenstein derzeit alternativlos, um die derzeit größtmögliche Schutzfunktion der Berufsbekleidung, etwa in Form der Abweisung von kritischen und gesundheitsgefährdenden Substanzen, zu gewährleisten.

Lesen Sie hier mehr zu dem Positionspapier zur Bedeutung von Fluorcarbonharz-Imprägnierungen im Bereich der gewerblichen und industriellen textilen Aufbereitung der Interessensverbände.

Forschungsprojekt "Waschbare Mikrokapseln" soll Farben bei Textilien erhalten

Die Forschung rund um Imprägnierung geht aber auch in andere Richtungen, wie z.B. das von den Fraunhofer-Instituten für Angewandte Polymerforschung IAP, Chemische Technologie ICT und der Fraunhofer-Forschungsgruppe "Partikeltechnologie und Rohstoffinnovation" betreute Projekt der waschbaren Mikrokapseln zur Farberhaltung in Textilien zeigt.

Lavendel-, Pfefferminz- oder Eukalyptusöl – die Mikroverkapselung ätherischer Öle, die beispielsweise vor Viren, Mikroben oder Insekten schützen, ist eines der aktuellen Themen der Technologieplattform. Fest gebunden an Textilien, sollen die Kapseln ihre Wirkung garantiert und über einen langen Zeitraum entfalten. Denkbare Anwendungen sind Bekleidung und Haushaltstextilien, aber auch Medizin-, Kosmetik- und Industrietextilien – beispielsweise antimikrobielle Bekleidung für Krankenhauspersonal oder Bettdecken mit integriertem Mückenschutz.

"Damit das Textil auch nach der Reinigung seine spezielle Wirkung behält, entwickeln wir Mikrokapseln, die entweder direkt beim Waschen oder im Nachgang durch Imprägnierung mit dem Wirkstoff beladen werden können", erklärt Monika Jobmann, Mikrokapselexpertin am Fraunhofer IAP. "Sowohl für die Partikelhülle als auch für den Wirkstoff setzen wir dabei bevorzugt umweltfreundliche und naturbasierte Stoffe ein, die zudem in der Umwelt abbaubar sind", so Jobmann.

Mikro-Container werden an Baumwolle angebunden

Waschbare Mikrokapseln

Eine erste einjährige Machbarkeitsstudie wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) gefördert. Diese vom Fraunhofer IAP durchgeführte Studie zeigte, dass die Mikro-Container an Baumwollgewebe angebunden werden können und dadurch der Wirkstoff gezielt und dosiert abgegeben wird, wodurch die mehrfache Wiederbeladung durch oder nach dem Waschen möglich wird.

Partikel dieser Art zu entwickeln ist laut Fraunhofer IAP eine große Herausforderung und erfordert verschiedenste Expertisen: Die genaue Kenntnis der Chemie der zu verkapselnden Öle sowie der Wandmaterialien, Kompetenzen zur Mikroverkapselungstechnologie selbst sowie zu Methoden und Hilfsmittel zum Verankern der Kapseln im Textil. "Die TPM-Teilnehmer unterstützen uns in diesem und vielen anderen Projekten mit Know-how, Materialien und Analytik", freut sich die Fraunhofer-Forscherin.

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