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GermanFashion-Umfrage Coronavirus: Deutsche Modebranche unter Druck

Das neuartige Coronavirus legt die Fäden der Globalisierung offen. Steht in China die Produktion, bricht die Lieferkette. Auch deutsche Unternehmen spüren diese Auswirkungen, z.B. die Bekleidungsindustrie. In einer Blitzumfrage hat der Modeverband GermanFashion ermittelt, wie stark die Branche betroffen ist.

Die aktuelle Krise hat die deutsche Bekleidungsindustrie ebenso unerwartet getroffen wie andere Industrien, die in China produzieren. Um herauszufinden, wie stark die Branche betroffen ist, hat der Deutsche Modeverband GermanFashion in einer repräsentativen Umfrage mittelständisch geprägte Hersteller und Mitglieder befragt.

Die Umfrage-Ergebnisse

Lieferverzug, Umsatzausfall und Preise

  • Betrachtet man die beiden Saisons in diesem Jahr (Frühjahr/Sommer 2020 und Herbst/Winter 2020/2021), so stellen sie sich unterschiedlich dar: Die Auslieferung für die laufende Saison Frühjahr/Sommer 2020 ist relativ wenig betroffen, die Hälfte der Befragten sagt, dass es keinen Lieferverzug gibt. Anders stellt sich das für die Saison Herbst/Winter 2020/2021 dar: Rund 55 Prozent gehen von einen Verzug von ein bis mehr als zwei Monaten aus. Die erwarteten Umsatzausfälle stellen sich analog dar.
  • Rund die Hälfte der Unternehmen können für die aktuelle Saison ihre Beschaffungspreise stabil halten. Jeder Fünfte gibt an, dass der Preis sich geringfügig erhöht. Für die Herbst/Winter-Saison verschiebt sich die Situation: 65 Prozent erwarten geringe bis mittlere Steigerungen.

Lieferquellen

Der aktuelle Ausbruch zeigt, dass nur etwa jeder Fünfte alternative Lieferquellen in petto hat. Der Druck auf europäische Lieferländer wird demzufolge laut GermanFashion deutlich zunehmen. Das heißt konkret: Jeder Dritte gab an, 10 Prozent des Beschaffungsvolumens nach Europa verlagern zu wollen.

Corona trifft ganz China

Anders als bisweilen kommuniziert, trifft der Produktionsausfall nicht nur den mittleren Teil des Landes. Die Befragten gaben an, dass in weniger als einem Drittel aller Produktionsstätten zurzeit mit voller Belegschaft gearbeitet wird.

GermanFashion zieht folgendes Fazit:

  • "China ist als Produktionsland kurz oder mittelfristig nicht zu ersetzen, ganz besonders nicht durch Ersatzlösungen, die nun hektisch gesucht werden. Sicherlich werden aber einige Unternehmen für die Zukunft überlegen, wie sie ihre hochentwickelte Supply Chain (Lieferkette) unempfindlicher gegen Störungen wie diese gestalten können."
  • Mit einem leichten Zuwachs 2019 liegt China weiterhin unangefochten an der Spitze der wichtigsten Importländer. Bangladesch hat sein Wachstum verlangsamt, zeigt sich jedoch stabil auf Platz 2 der Importstatistik. Die Türkei findet sich mit einem leichten Minus auf Platz 3. Dahinter kommen Italien, Indien, Vietnam, Kambodscha, Pakistan, Niederlande und erstmalig auf Rang 10 ist Polen unter den Top Ten dabei.

So sehen die Gesamtumsätze 2019 aus

" Mit einem leichten Minus von rund einem Prozent im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zeigen die Gesamtumsätze der Bekleidungsbranche eine den gemäßigten Erwartungen des letzten Jahres entsprechende Situation", beschreibt Gerd Oliver Seidensticker, Präsident des deutschen Modeverbandes GermanFashion, die wirtschaftliche Situation. " Die Exportmärkte präsentieren sich weiterhin erfreulich stark, während wir es insbesondere auf dem Beschaffungsmarkt China mit einer, bedingt durch das Coronavirus, schwierigen Situation zu tun haben", erklärt Seidensticker weiter.

Deutsche Wirtschaft zeigt sich derzeit nicht investitionsfreudig 

Das Segment der "sonstigen Oberbekleidung“ schließt bei den deutschen Unternehmen mit einem Minus von 4,7 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten zeigt sich stabil und die Anzahl der Betriebsstätten verringert sich um knapp ein Prozent. Die jahrelangen Gewinner der Branche, die Hersteller der Arbeits- und Berufsbekleidung, gehen mit einer schwarzen Null aus dem Jahr hervor. "Dies ist ein Zeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft zurzeit nicht besonders investitionsfreudig ist und große Unternehmen trotz insgesamt guter Konsumlage auf Kurzarbeit setzen", erklärt Thomas Lange, Hauptgeschäftsführer von GermanFashion. "Doch insgesamt können wir sagen, dass sich der Minustrend des Vorjahres erfreulicherweise verlangsamt hat." Im Jahr 2019 erwirtschaftete die deutsche Bekleidungsindustrie einen geschätzten Umsatz von rund elf Milliarden Euro.

Export: Deutsche Marken international beliebt

2019 sprechen die Bekleidungsexporte eine deutliche positive Sprache: Die Gesamtumsätze zeigen auf allen internationalen Märkten ein Plus von 5,6 Prozent. Auf dem außereuropäischen Markt erreichten deutsche Hersteller 2019 ein Umsatzplus von zwei Prozent. "Deutsche Marken genießen auch außerhalb ihrer bewährten europäischen Heimat mit ihrer Qualität, ihrer guten Passform und ihrem Design einen sehr guten Ruf und behaupten sich gegenüber internationalen Fast Fashion Anbietern", betont Seidensticker von der gleichnamigen Unternehmensgruppe.

Bei den wichtigsten zehn Exportländern der Branche liegt folgende Rangliste vor:

  • Schweiz,
  • Polen,
  • Österreich,
  • Frankreich,
  • Niederlande,
  • Italien
  • Vereinigtes Königreich,
  • Belgien,
  • Spanien und
  • Tschechien.
Das Vereinigte Königreich zeigt sich trotz Brexit noch stabil mit keinerlei Veränderung zum Vorjahr, was mit der abwartenden Haltung der deutschen Hersteller einhergeht.


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