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Teamgeist DTV: So tickt die neue Verbandsspitze

Teamgeist ist ihnen wichtig. Präsidentin Beate Schäfer und Vizepräsident Henrik Bier sind Anfang des Jahres in ihren neuen Ämtern beim Deutschen Textilreinigungs-Verband durchgestartet, mit Schatzmeister Holger Schäfer an ihrer Seite. Das neue Geschäftsführende Präsidium des DTV setzt ein Signal für eine gemeinsame Haltung und einen Dialog auf Augenhöhe.

Im September 2021 wurde Beate Schäfer von den Mitgliedern des Deutschen Textilreinigungs-Verbandes e.V. (DTV) im Rahmen einer ordentlichen Mitgliederversammlung einstimmig zur neuen Präsidentin gewählt. Als Vizepräsidentin war sie seit 2015 im Amt. In einer konstituierenden Sitzung des neuen Präsidiums Ende Dezember 2021 wurden die weiteren Positionen des geschäftsführenden Präsidiums gewählt: Henrik Bier als Vizepräsident und Holger Schäfer weiterhin als Schatzmeister. Henrik Bier ist seit 2011 im Präsidium, zunächst als Vertreter im Arbeitskreis der Junioren (AKJ), dann als Beisitzer und zuletzt als Beiratsvorsitzender. Seit 2015 gehört auch Holger Schäfer zum DTV-Präsidium, zunächst als Beisitzer und seit 2018 als Schatzmeister. Seit 2016 ist er zudem 1. Vorsitzender des Textilreinigungs-
Verband Nordrhein-Westfalen e.V.

DTV: Präsidium neu aufgestellt

Wir sprachen mit den Repräsentanten des DTV über anstehende Aufgaben und Themen, denen sie sich nun im Präsidium stellen. Dabei geht es um Fragen wie Ausbildung, Nachwuchsgewinnung, Nachhaltigkeit, Standardisierung oder Normung und nicht zuletzt um die Öffentlichkeitsarbeit für die Branche. Antworten darauf will das gesamte DTV-Präsidium finden, das mit versierten Branchenvertretern besetzt ist: mit Reiner Heinrichs (MEWA Textil-Service AG & Co. Management OHG, Wiesbaden), Joachim Krause (CHMS GmbH & Co. KG, Rödental), Thomas Neyers (ALSCO Berufskleidungs-Service GmbH, Köln), Anja Seidel (SEIDEL GmbH, Garbsen), Richard Sterr (Wäscherei-Reinigung Sterr & Achternbusch GbR, München) sowie Jutta Volkmann (Textilpflege Wäscherei Volkmann GbR, Düren) als neue Beiratsvorsitzende und TATEX-Sprecher Achim Paul (SITEX-Textile Dienstleistungen Simeonsbetriebe GmbH, Minden). Der DTV-Jahreskongress am 16. und 17. September 2022 in Kiel dürfte die beste Gelegenheit für ein persönliches Kennenlernen und den Austausch mit allen Präsidiumsmitgliedern bieten.

DTV-Präsidentin Beate Schäfer

Dieses Ziel verfolgt Präsidentin Beate Schäfer

"In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden in den DTV-Geschäftsstellen und unseren Mitgliedern wollen wir die branchenrelevanten Themen weiterentwickeln und das Bewusstsein für Textilservice als nachhaltige Dienstleistungen stärken", sagt Beate Schäfer, Geschäftsführerin der Mietwäsche-Service GmbH in Walldorf. Die Arbeit und die Aufgabenfülle hätten sich in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren enorm vergrößert, so die Präsidentin: Es gehe um herausfordernde Themen wie den demografischen Wandel, die Klimaerwärmung oder Digitalisierung, von der aktuellen Situation in der Pandemie ganz abgesehen.

Um in Zeiten wie diesen als Verband wirksam werden zu können, brauche der DTV ein starkes Team als Verbandsspitze: Spezialisten, die Ergebnisse entwickeln und Vorschläge miteinander abstimmen. "Nur so können wir unseren Mitgliedern in angemessener Zeit gerecht werden", so die Präsidentin. "Außerdem macht es mir unendlich viel Spaß, mit meinen jüngeren Kollegen im geschäftsführenden Präsidium Zukunft zu gestalten und mich von ihren Ideen inspirieren zu lassen."

Im Team stark

Als erfahrene Unternehmerin bringe sie gern auch eine weibliche Perspektive ein. Es möge kontrovers klingen, aber Frauen seien ihrer Erfahrung nach sachlicher und uneitler. "Diese Eigenschaften eignen sich gut, um interdisziplinäre und geschlechtsübergreifende Teams zu formen und zu führen. Wir können es uns nicht mehr erlauben, das riesige Know-how und das Engagement unserer weiblichen Mitarbeiterinnen und Geschäftsführerinnen in der Branche nicht zu nutzen. Das sehen wir auch am Führungswechsel der Zulieferfirmen in den letzten Jahren." Es sei bewiesen, dass gemischte Teams schneller bessere Ergebnisse hervorbringen. Jutta Volkmann, Beiratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes NRW, und Anja Seidel im Beirat des DTV seien leuchtende Beispiele für erfolgreiche Unternehmerinnen in der Verbandsarbeit.

"Ich wünsche mir, dass noch viele weitere Frauen ihren Weg in den Verband und die Arbeitsgruppen finden", so Beate Schäfer. Ihr selbst liege es sehr, Kompromisse oder einen Konsens zu finden. In diesem Sinne werde sie die hervorragende Arbeit von Friedrich Eberhard fortführen, in der internen Verbandsarbeit genauso wie in der Zusammenarbeit mit Organisationen wie dem ZDH. " Meine Zuständigkeit sehe ich immer dort, wo ich als Präsidentin verlangt werde. Mein Job ist es, die oder den Besten für das jeweilige Aufgabenfeld zu finden, einzuarbeiten und dann den nötigen Freiraum zur Entfaltung zu lassen." Sie verstehe sich eher als Strippenzieherin und Koordinatorin, weniger als Arbeitsbiene. Aber natürlich liege die letzte Verantwortung für das Gesamte bei ihr.

Groß denken, statt kleinreden

Beate Schäfer ist in Führung versiert. Gemeinsam mit ihren Schwestern Claudia Müller und Karla Schäfer führt sie seit 1995 die Mietwäsche-Service GmbH im DRESSLINE Verbund. Im eigenen Familienunternehmen wird sie weiterhin ihre Führungsbereiche Technik, Produktion, Logistik und Personalmanagement verantworten. "Auch hier habe ich ein Team, das mich unterstützt. Mein Sohn Timo hat seit 2013 viele meiner Aufgaben übernommen und sorgt mit meinen beiden Schwestern dafür, dass ich den nötigen Freiraum für die Verbandsarbeit habe."

Ob in Fragen des Personals, der Dienstleistungen oder Kommunikation: Die Branche müsse sich endlich adäquat darstellen und sich nicht immer selbst kleinreden. Auch in diesem Punkt ist sich das geschäftsführende Präsidium einig. Ein Großteil der Wirtschaft könne ohne nachhaltige, textile Dienstleistungen gar nicht funktionieren, seien es nun Krankenhäuser, Industriebetriebe oder Kindergärten. Das habe die Diskussion über systemrelevante Betriebe klar gemacht. "Wir versorgen Millionen von Menschen mit Hygiene und Sicherheit – 365 Tage im Jahr. Und unsere Branche wird durch Kreislaufzyklen noch nachhaltiger werden." Das müsse kommuniziert werden, nicht zuletzt um Personal zu gewinnen. Eines sei sicher: "Den Mitarbeitenden von morgen reicht es nicht mehr, Geld zu verdienen. Sie wollen einen sinnstiftenden Beruf, der etwas für die künftigen Generationen tut. Und genau das machen wir!"

Natürlich stehe die Branche vor Herausforderungen. Aber auch das sei klar: "Noch nie hatte der Textilservice – und damit ist von der Wäscherei bis hin zur Reinigung die gesamte Branche gemeint – mit seinen smarten Lösungen so viel Potenzial, um sich als Gesamtbranche nach vorne zu bringen", betont Beate Schäfer. Dies sei eine wichtige Schnittstelle für die branchenübergreifende Zusammenarbeit, beispielsweise mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), Berlin. Diese Lösungen schließlich auf internationalen Messen präsentieren zu können, setze dem ganzen buchstäblich die Krone auf.

DTV-Vizepräsident Henrik Bier

Synergien schaffen

Das DTV-Präsidium habe nicht nur Aufgaben, sondern durchaus auch Vorbildfunktion, sagt Henrik Bier. Es müsse richtungsweisend für ein Miteinander sein. "Alle Unternehmen unserer Branche funktionieren nur als Team, ob handwerklich oder industriell geprägt. Für mich heißt das: Jeder Einzelne bringt seine Stärken ein, verlässt sich auf die Stärken des Gegenübers, freut sich gemeinsam über Erfolge und stützt sich gemeinsam im Scheitern."

Henrik Bier, Geschäftsführer der Waschbär GmbH in Mühlhausen, setzt allerdings nicht nur auf Teamgeist, sondern auch auf Synergien. Seit 2011 ist er 1. Vorsitzender des Ostdeutschen Textilreinigungs-Verband e.V., Erfurt. Eng verbunden mit seinem Landesverband bleibt er in diesem Amt, unterstützt von René Bauer und Bernd Grommelt im Vorstand des OTV. Er sei ein Verfechter der Subsidiarität, so Henrik Bier. Ein starker Bundesverband brauche die Diskussion mit den Regionen, um national und europäisch klug handeln zu können. Die Landesverbände und insbesondere die Innungen seien die Quellen aller Verbandsarbeit. Als Vizepräsident könne er die Fragestellungen aus diversen Blickwinkeln betrachten und damit bessere Lösungsvorschläge entwickeln. "Natürlich bin ich auch stolz darauf, dass sich die Region Ost nun in ein so verantwortungsvolles Amt einbringen kann."

Mitarbeiter kooperativ führen

Im eigenen Unternehmen pflegt Henrik Bier seit Jahren einen kooperativen Führungsstil, eine Haltung, die bereits sein Vater erfolgreich in die Tat umsetzte. Seine Fähigkeit, in der entscheidenden Situation Verantwortung zu übernehmen, stellte er nach dem tragischen Tod seines noch jungen Vaters im Jahr 2008 unter Beweis. Seither führt er den Familienbetrieb als geschäftsführender Gesellschafter. Der Stil seines Vaters habe ihn geprägt; anders könne er auch im Verband nicht agieren. "Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mitarbeitende im Unternehmen ein besseres Selbstverständnis von seiner Arbeit erlangt, wenn man seine Leistung nicht nur anerkennt, sondern ihm auch Raum zur Verantwortung lässt." In vielen Detailfragen hätten Mitarbeitende häufig ein tieferes Verständnis und könnten daher Probleme schneller oder einfacher lösen. Menschen zu motivieren, sich einzubringen und engagiert eigene Ideen durchzusetzen, sei seine Hauptaufgabe als Unternehmer.

Für vorbildliche Mitarbeiterführung wurde er bereits ausgezeichnet. Mitarbeiterqualifikation sei allerdings kein einmaliges Projekt, sondern ein lebendiger Prozess. So richtet er im eigenen Unternehmen unter anderem schon lange den Fokus auf die interne Demografie. Kein Unternehmen komme daran vorbei, denn die junge Generation habe andere Biografien, vertrete andere Werte und lege andere Lebensschwerpunkte.

Kernaufgabe der Branche: Image pflegen

Auch der klassische, lineare Ausbildungsweg gelte längst nicht mehr als der einzig gangbare Weg. "Daher geben wir auch Quereinsteigern, ungelernten Menschen oder Personen mit zerrissenen Biografien die Chance, sich weiterzuentwickeln." Das bedeute für einige bereits, Teil eines Teams zu sein, Wertschätzung für die eigene Leistung zu erfahren, um daraus Selbstbewusstsein aufzubauen. Er selbst fühle sich im "Team Präsidium" sehr wohl.

Eine Kernaufgabe der gesamten Branche bleibt auch für ihn die Imagearbeit, nicht als Kür, sondern als Pflicht. "Unsere Branche ist eine der wenigen, die Kreislaufwirtschaft als erfolgreiches Geschäftsmodell betreibt. Und das seit Jahrhunderten." Es mangele nicht nur an der Wahrnehmung dafür in Politik und Öffentlichkeit, sondern auch am Selbstverständnis der Branche. Ihren Stellenwert ins rechte Licht zu rücken, sei eine Grundvoraussetzung, um junge Menschen für die Branche zu begeistern. Diesen Aspekt werde er ebenso intensiv weiterverfolgen wie die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte.

Die Chance im Verband aktiv gestalten und netzwerken zu können, motiviere ihn, abgesehen vom Vertrauensbeweis der Mitglieder bei der Wahl zum Vizepräsidenten. Abgesehen davon, sei es natürlich wichtig, zielführend zu agieren. Er verstehe sich als Stütze der Präsidentin, um ihr konkrete Arbeit abzunehmen, Projekte anzustoßen und anvisierte Ziele zu erreichen. Dazu falle ihm das Zitat von Mark Twain ein, der das sehr pragmatisch formuliert habe: Wer nicht genau weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.

DTV-Schatzmeister Holger Schäfer

Das Ergebnis zählt

Sie alle seien Teamplayer, das sei seine Erfahrung, sowohl in der Zusammenarbeit mit Beate Schäfer als auch mit Schatzmeister Holger Schäfer. "Gemeinsam bringen wir uns mit unseren Schwerpunkten ein. Es geht uns nicht darum, wer welches Amt konkret ausfüllt, sondern um das Gesamtergebnis. Dabei lassen wir uns genügend Raum, auch individuelle Wege zu gehen. Wir verstehen uns eher als Symbiose auf der Basis von Vertrauen und Respekt."

Dem schließt sich Holger Schäfer an. Er sieht große Vorteile in der Arbeitsteilung. Jeder bediene andere Marksegmente und sei in unterschiedlichen Regionen aktiv. Das spiegele letztlich auch die Mitgliederstruktur des DTV wider und erlaube es, in der Entscheidungsfindung alle Branchenteile zu berücksichtigen. Als Präsident des nordrhein-westfälischen Landesverbandes ist ihm zudem die Arbeit auf regionaler Ebene wichtig. Das gelte besonders für die Ausbildungsarbeit und Themen wie Kommunikation. So könnten die Mitglieder auf allen Ebenen der Verbandswelt profitieren und Mehrwerte für die gesamte Branche schaffen.

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