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Konzentrationstrend in der Textilserviceindustrie Firmenverkauf in Zeiten der Marktkonsolidierung

Die Meldungen zu Übernahmen von Wäschereien und Textilserviceunternehmen häufen sich. Was steckt hinter dem Konsolidierungstrend in der Textilpflegebranche? Und wie kann ein Unternehmensverkauf ablaufen? Torsten Denker klärt auf. Der Autor ist Partner bei der auf mittelständische Unternehmenstransaktionen spezialisierten IMAP M&A Consultants AG aus Mannheim.

Die Textilserviceindustrie ist aktuell in einer Konsolidierungsphase. Große internationale Player, sogenannte „strategische Käufer“ wie Elis, erwerben fortwährend mittelständische Großwäschereien. Zuletzt die Wäscherei Waiz mit einem Umsatz von rund zehn Millionen Euro und das belgische Unternehmen Ardenne et Meuse, das jährlich etwa acht Millionen Euro umsetzt (siehe auch R+WTextilservice 6/2018). Die polnische Hollywood-Gruppe übernahm im Juni 2016 die Targatz GmbH aus Brandenburg und erwägt weitere Zukäufe. Die Ettlinger Bardusch-Gruppe hat vor gut einem Jahr die Großwäscherei Reinhard aus der Schweiz gekauft. Ziel der Käufer ist es, in einem boomenden Markt Wäschereikapazitäten und Kundenzugänge, aber auch Fachkräfte und Know-how, zu erwerben und den Konsolidierungsprozess aktiv zu gestalten.

Mit Ufenau Capital Partners aus der Schweiz ist ein neuer Spieler in den Markt eingetreten. Er hat den Hotelmietwäschespezialisten Kruppert aus Hünfeld bei Fulda mehrheitlich übernommen. Ufenau ist ein Finanzinvestor, der sich auf sogenannte „Buy-and-Build“-Konzepte spezialisiert hat. Das bedeutet, es wird zunächst in ein solide aufgestelltes, gut geführtes Mittelstands­unternehmen als „Keimzelle“ einer größeren Gruppe investiert. Nach und nach werden dann weitere Unternehmen hinzuerworben. Dieses Konzept hat auch Frank Kruppert, geschäftsführender Gesellschafter von Kruppert, überzeugt: „Ich freue mich sehr, dass wir für unser stark wachsendes Familienunternehmen mit Ufenau einen erfahrenen und kapitalstarken Partner für weiteres Wachstum gefunden haben. Ich bin sicher, dass wir durch strategisch wichtige Zukäufe zusammen eine im ­HoReCa-Segment führende Gruppe aufbauen können.“

Der deutsche Textilservicemarkt ist mit einem Volumen von rund 3,4 Milliarden Euro (Quelle: WIRTEX – Marktvolumen ohne chemische Reinigungen 2016) der bedeutendste in Europa. Davon vereinen CWS-boco, MEWA, Elis/Berendsen, Bardusch und ALSCO mehr als die Hälfte auf sich. Wie auch in anderen Wirtschaftszweigen wird aber ein Großteil der Wirtschaftsleistung von zahlreichen kleinen und mittelständischen Unternehmen erbracht. In diesen Familienbetrieben stellt sich häufig die Frage nach der Unternehmernachfolge, wenn die Kinder den elterlichen Betrieb nicht weiterführen möchten oder können.

Prozess frühzeitig anstoßen

Den geeigneten Partner dafür zu finden, ist meist nicht einfach. Daher ist es ratsam, den Prozess frühzeitig anzustoßen, um einen eventuellen Firmenverkauf ohne Zeitdruck durchführen zu können. Vielleicht kann das Unternehmen vor einem Verkauf an der einen oder anderen Stelle noch optimiert werden; eventuell sind steuerlich oder gesellschafsrechtlich noch Weichenstellungen vorzunehmen. In jedem Fall sollte man gut vorbereitet in einen solchen Prozess gehen und den betreuenden Steuerberater bzw. Rechtsanwalt einbinden, um alle Informationserfordernisse potenzieller Interessenten bedienen zu können. Auch kleine und mittelständische Unternehmen werden im Vorfeld eines Erwerbs in der Regel auf Herz und Nieren durch den Interessenten geprüft – bei einer sogenannten „Due-Diligence“-Prüfung. Von Bedeutung sind hier z.B. Jahresabschlüsse, wichtige Verträge, gesellschaftsrechtliche und steuerliche Dokumente, getätigte und geplante Investitionen, Details zur Kunden- und Mitarbeiterstruktur sowie anhängige oder drohende Rechtsstreitigkeiten.

Den optimalen Käufer finden

Wer sich entscheidet, einen Verkaufsprozess zu initiieren, sollte nicht nur mit einem potenziellen Erwerber sprechen. Neben dem Kaufpreis sind auch weitere Faktoren einzubeziehen, etwa Ideen zur strategischen Weiterentwicklung oder der Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Um jedoch Diskretion zu wahren und nicht für Unruhe am Markt bzw. im Unternehmen zu sorgen, sollten auch nicht zu viele potenzielle Erwerber angesprochen werden – es gilt, ein gesundes Mittelmaß zu finden.

Da der Prozess eines Unternehmensverkaufs zeitintensiv ist und „nebenbei“ das Tagesgeschäft weiterläuft, ist es empfehlenswert, einen professionellen Berater hinzuzuziehen. Dieser kennt idealerweise den Markt, hat Kontakte zu möglichen Erwerbern, bereitet den Prozess sorgfältig vor und dient während der Gespräche als Sparringspartner – auch um den Verkäufer vor voreiligen Entscheidungen zu schützen. Nicht zuletzt stellt er einen zügigen, abschlussorientierten Verhandlungsverlauf sicher.

Kaufpreis und Unternehmenswert

Einer der häufigsten Gründe, warum Unternehmenstransaktionen scheitern, sind unterschiedliche Vorstellungen über den Kaufpreis. Der Verkäufer möchte für sein Lebenswerk einen angemessenen Preis erzielen, der Käufer möchte nicht „überzahlen“ – insbesondere auch, da er selbst nach einer noch so sorgfältigen Analyse des Kaufobjekts stets nur einen limitierten Einblick erhalten kann.

Der Wert eines Unternehmens ermittelt sich primär auf Basis der zukünftigen Erträge. In der Vergangenheit getätigte Investitionen und die vorhandene „Substanz“ spielen dabei selbstverständlich eine Rolle – jedoch müssen diese sich auch im Rahmen des künftigen Unternehmenserfolgs monetarisieren. In der Textilservicebranche wird häufig das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) als Bewertungsmaßstab herangezogen. Diese Kennzahl lässt sich aus dem Jahresabschluss bzw. den unterjährigen Ergebnissen (z.B. BWA) ermitteln. Sie bildet die operative Ertragskraft unabhängig von Finanzierungsstruktur und Abschreibungspolitik ab. Aktuell sind – je nach Größe und Qualität des Unternehmens – ­EBITDA-Multiplikatoren zwischen vier und sechs üblich. Das heißt, Käufer sind bereit, das Vier- bis Sechsfache des zuletzt erzielten EBITDA als Kaufpreis zu zahlen. Entscheidend für ein „gutes“ Unternehmen aus Käufersicht sind u.a. folgende Punkte:

  • Entwicklung der letzten Jahre (möglichst wachsendes Geschäft),
  • Kundenstruktur (möglichst keine Abhängigkeiten),
  • Ausstattung der Wäscherei und der IT (möglichst nicht zu alt),
  • Management (idealerweise verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern).

Am Ende ist der Wert eines Unternehmens jedoch das, was ein Käufer dafür zu zahlen bereit ist, sodass diese Kalkulationen im Vorfeld lediglich eine Orientierung darstellen können.

Weniger entscheidend ist in der Regel, ob die Betriebsimmobilie im Eigentum des Unternehmens steht oder – von Dritten oder im Rahmen einer Betriebs­aufspaltung – gepachtet wird. Häufig werden bestehende Mietverträge bei Transaktionen übernommen bzw. erneuert. Für den Verkäufer, der Immobilie und Betrieb in separaten Gesellschaften hält, kann der Pacht­ertrag eine interessante laufende Vergütung darstellen, nachdem keine jährlichen Ausschüttungen aus dem Unternehmen mehr anfallen. Umgekehrt wollen Erwerber von Wäschereien nicht zwangsläufig „in Steine“ investieren, um bei künftigen Investitionsentscheidungen flexibler zu sein.

Hat man den Unternehmenswert errechnet (EBITDA mal Faktor), ist davon die Nettoverschuldung abzuziehen, um zum Wert des Eigenkapitals und damit des Kaufpreises zu gelangen. Dabei spielen auf der einen Seite der Kassenbestand (positiv), auf der anderen Seite die zinstragenden Verbindlichkeiten (negativ) wie Bankkredite, Mietkauf- oder Leasingverpflichtungen sowie Pensionsrückstellungen eine Rolle. Dabei gilt es, mit realistischen Vorstellungen in die Gespräche zu gehen und die Rahmendaten einer möglichen Transaktion frühzeitig abzustecken, um Enttäuschungen auf beiden Seiten zu vermeiden. Auch hier hilft ein professioneller Berater, der die Usancen der Unternehmensbewertung beherrscht und – frei von Emotionen – Argumentationshilfe leisten kann.

Aktuell ein „Verkäufermarkt“

Fazit: Die Marktkonsolidierung, das aktuelle Konjunkturumfeld, die Verfügbarkeit von Kapital sowie das niedrige Zinsniveau führen im Moment zu interessanten Unternehmensbewertungen. Der derzeitige „Verkäufermarkt“ kann Unternehmern, die einen Verkauf in Erwägung ziehen, eine Möglichkeit bieten, die geschaffenen Werte zu sehr guten Konditionen zu realisieren.

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