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Automatisierung Fliegel Textilservice investiert acht Millionen Euro

Die Großwäscherei Fliegel Textilservice investiert acht Millionen in neue Technik. Die Automatisierung soll mehr hygienische Sicherheit garantieren und die Arbeit der Mitarbeiter erleichtern. Warum die Investition nichts mit Corona zu tun hat und was das Unternehmen zu einer Schlagzeile über 250 gestrichenene Stellen sagt.

Die Wäsche kommt nun zum Mitarbeiter – nicht umgekehrt. "Das steigert unsere Produktivität", sagt Jörg Müller, Prokurist von Fliegel Textilservice. Um Prozesse effektiver und hygienisch noch sicherer zu gestalten, hat die Holding nun acht Millionen Euro an den verschiedenen Standorten investiert.

Investieren trotz gestrichener Stellen?

Die Meldung aus der Großwäscherei verblüfft. Noch am 11. Dezember 2020 titelte die Berliner Morgenpost " Wäscherei Fliegel streicht in Polen fast 250 Arbeitsplätze ". Die interviewte Fliegel-Prokuristin Regina Werler fühlte sich damals missverstanden, erklärte sie nach der Veröffentlichung des Artikels im Gespräch mit R+WTextilservice. Ihren Worten zufolge konnten lediglich Saisonkräfte nicht eingestellt werden. Statt der üblichen 80 t am Tag rechnete das Unternehmen damit, dass aufgrund der geschlossenen Hotels nur noch 270 t im Monat durch die Produktion in Nowe Czarnowo laufen werden. Um mit allen Mitarbeitern am Standort die Folgen der Pandemie bewältigen zu können, so der Bericht weiter, habe das Unternehmen einen Teil der Belegschaft in Stillstand versetzt.

Auf Nachfrage bestätigt das Unternehmen heute: Mitarbeiter wurden nicht entlassen. "Wir halten aktuell an 80 Prozent der Mannschaft fest", betont Geschäftsführer der Fliegel-Gruppe Daniel Tarczyński. Deren Kurzarbeitergeld habe man auf 80 Prozent aufgestockt.

Aber: Von den regulär 1.000 Arbeitsplätzen an allen Standorten sind demnach gut 20 Prozent der Planstellen nicht besetzt – vorübergehend, betont Tarczyński. Die offenen Stellen ergaben sich nach seinen Worten so: Befristete Verträge liefen aus und konnten nicht verlängert werden. Außerdem setze das Unternehmen vorerst den Einsatz geringfügig Beschäftigter oder Zeitarbeiter aus. Und, vereinzelte Mitarbeiter hätten sich in den Ruhestand verabschiedetet oder den Betrieb auf eigenen Wunsch verlassen. Mit der aktuellen Belegschaft sehe sich die Fliegel-Gruppe aber bestens gerüstet. "Wenn das Wäschevolumen wieder auf Vor-Corona-Niveau steigt, werden die Stellen wieder besetzt sein", versichert der Geschäftsführer.

So baut Fliegel Textilservice seine Standorte um

Die Umbauten und Erneuerungen plante das Unternehmen, das Teil des Servitex-Bunds ist, nicht als Reaktion auf Corona, sondern bereits 2019. Ziel ist, u. a. weniger Energie zu verbrauchen und Wäsche schonender zu bearbeiten.

  • In Leipzig baute die Großwäscherei die automatischen Zuführungssysteme aus und erschloss ein Nachbargrundstück, um die Lagerkapazität zu vergrößern. Am Standort in Sachsen steht laut Fliegel Textilservice v. a. ein Aspekt im Fokus: die interne Logistik verbessern. Der Umbau begann bereits im vergangenen Jahr, 2021 sollen die Erneuerungsarbeiten abgeschlossen werden.
  • Wie in Ostdeutschland baute das Unternehmen auch in Mecklenburg-Vorpommern die automatischen Zuführungssysteme aus. Davon verspricht sich der Fliegel-Standort in Grimmen die Prozesslogistik zu verfeinern. Zudem wurden das Lager erweitert, die Mangelstraße modernisiert, ein elektronisches System eingeführt, das Wäsche automatisch erkennt und verfolgt sowie Scherenhubtische installiert, die in den Ladezonen der Lkw ein ergonomisches Be- und Entladen ermöglichen. Der Einsatz der neuen Technik in der Produktion ermöglicht laut Betriebsleiter und Prokurist David Ruszkiewicz nicht nur einen reduzierten Verbrauch von Ressourcen, sondern sorge für saubere Wäsche und entspreche höchsten hygienischen Ansprüche der Hoteliers. "Außerdem haben wir nun die Möglichkeit, auch kleineren Kunden unsere textilen Dienstleistungen zu attraktiven Konditionen anzubieten."
  • Auch der größte Fliegel-Standort in Berlin hat in seine Produktionsstätte im polnischen Nowe Czarnowo – nahe der deutschen Grenze – investiert: Im Werk "NC1" bringen Zuführungssysteme die Wäsche zu den Mitarbeitern, die einzelnen Textilien lassen sich elektronisch verfolgen und Frottee wird mit modernster Technik gefaltet. Mithilfe der erweiterten Kapazitäten des Lagers und der Ladefläche im zweiten Werk, sollen Logistikprozesse effizienter gestaltet werden. Außerdem befindet sich nun in beiden Werken eine Abteilung für Berufsbekleidung.

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