Mitarbeiterführung -

Uniklinik Düsseldorf Medizinstudenten helfen in Krankenhauswäscherei

In der Wäscherei der Uniklinik Düsseldorf helfen Medizinstudenten, die anfallende Wäsche zu bearbeiten. Einer davon ist Niklas Tillmanns. Die Arbeit gefällt dem 20-Jährigen – nur die Mangel, die hält ihn auf Trapp. Warum Betriebsleiter Ulrich Steinbach das gelassen sieht.

Nach dem ersten Tag hatte Niklas Tillmanns ordentlich Muskelkater. "Ich wache noch immer jeden Morgen mit schweren Armen auf", sagt der 20-Jährige und lacht. Seit Ende März arbeitet der Student in einer Wäscherei. Mit elf weiteren angehenden Medizinern folgte er dem Hilferuf von Betriebsleiter Ulrich Steinbach. Denn in der Uniklinik Düsseldorf fällt seit der Pandemie mehr Wäsche an als sonst. "Bis zu 30 Prozent mehr", berichtet Steinbach. Insbesondere Schutzkittel treiben die Wäschemenge in die Höhe. Seit 2010 leitet der 56-Jährige die Bereiche Wäscherei und Technik. Sonst laufen in dem klinikeigenen Betrieb täglich bis zu zehn Tonnen Wäsche durch die Hallen, zurzeit fallen zwölf Tonnen an. Eine Menge, die das Personal nicht ohne Weiteres zusätzlich schultern kann.

Schichtdienst und zwei Meter Abstand

Neben den Wäschebergen fordert das Coronavirus nämlich auch Änderungen im Ablauf. "Mitarbeiter halten zwei Meter Abstand", nennt Steinbach als Beispiel. Das sei in der großen Halle an der Moorenstraße machbar. Zudem waschen, mangeln und verteilen die 36 Angestellten die Textilien nun in zwei Schichten. Normalerweise laufen die Maschinen nur von 6 Uhr morgens bis 15 Uhr. Inzwischen drehen sich die Trommeln zwölf Stunden am Tag. Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr und arbeitet bis 12 Uhr Mittag. Dann ruht der Betrieb für eine Stunde. Um unnötige Kontakte zu vermeiden, erklärt Steinbach: "So begegnen sich die Schichten nicht." Die Spätschicht beginnt um 13 Uhr. Bis 19 Uhr stapeln die Männer und Frauen die reine Wäsche.

Studenten waschen, anstatt Bücher zu wälzen

Einer davon ist seit vier Wochen Tillmanns. Normalerweise lauscht er Vorlesungen und wälzt Bücher. Seit dem 16. März sind die Tore der Universität geschlossen. Der angehende Arzt hatte also Zeit. "Ich wollte helfen", sagt er. Also kam er dem Appell der Uniklinik nach. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt baten die Geschäftsführer, Medizinstudenten einzuspringen: bei der städtischen Info-Hotline, in Apotheken, bei der Pflege oder eben in der klinikeigenen Wäscherei. "Über 500 Studenten haben sich gemeldet", weiß Tillmanns. Am Düsseldorfer Klinikum helfen aktuell 30 davon aus, zwölf landeten in der Wäscherei. Die Studierenden wurden der Arbeit zugeteilt. Ausgesucht hat sich der 20-Jährige den Bereich also nicht, aber nach dem ersten Tag wusste er: "Ja, ich will hier arbeiten!"

Medizinstudenten helfen in der Klinkwäscherei

Das liegt an der guten Stimmung im Betrieb und an der Einweisung von Betriebsleiter Steinbach, sagt Tillmanns. Angst, sich im Umgang mit Schmutzwäsche anzustecken, hat er keine. Sicherheit gibt ihm da auch sein Vorwissen, das er als Student im vierten Semester schon erworben hat. "Ich glaube, die Wäscherei ist vermutlich der Ort, wo man sich im Klinikum am wenigsten ansteckt." Auch, weil die Studenten nicht mit kontaminierter Wäsche hantieren. Das übernehmen die geschulten Experten, sagt Steinbach. Die akademischen Helfer teilt er nur auf der reinen Seite ein.

Der neue Alltag in der Wäscherei

In der Frühschicht packt Tillmanns meist Container. Je nach Bestellung der Stationen legt er Kasacks und Hosen, Handtücher oder Waschlappen in die Rollwägen. Das gefällt ihm. "Es ist abwechslungsreich und man kann sich bewegen." Am Nachmittag warten andere Aufgaben. Bettwäsche an der Großmangel plätten beispielsweise. An dieser Maschine läuft es für den Aushilfstextilpfleger allerdings nicht ganz so glatt. Die Mangel hat eine automatische Zuführung, die Bettlaken müssen also sorgfältig an der langen Seite eingeführt werden. Nur dann zieht das Band das Wäschestück gleichmäßig ein. Liegt es nicht exakt, stoppt eine Lichtschranke den Prozess – das Textil fällt wieder raus. Das sei ihm schon einige Male passiert, räumt er kleinlaut ein. Steinbach meldet sich zu Wort: "Das ist Übungssache." Dass sowas nicht aufs erste Mal perfekt klappt, sei kein Beinbruch. Im Gegenteil, Textilpfleger gehöre zu den Anlernberufen. Spezieller Vorkenntnisse bedürfe es nicht. Jeder, der gewillt sei, könne die Aufgaben übernehmen. Aus diesem Grund haben die studentischen Helfer auch einen regulären Vertrag: Vollzeit und nach Tarif bezahlt.

Doch genau dieser Vertag wird für manche zur Hürde. Wer Vollzeit angestellt ist, verliert den Anspruch auf BAfög und auf Studententarife bei der Krankenkasse. Zudem werden höhere Sozialabgaben fällig. Mancher Kommilitone hörte deswegen wieder auf. Tillmann nicht. Trotzdem hängt auch er den Job nach dieser Woche an den Nagel, obwohl er weiterhin gerne helfen würde. Das Studium geht weiter. Seit diesem Montag lehren die Professoren wieder. "In fünf Wochen schreibe ich Klausuren", sagt Tillmanns. Das Lernpensum schafft er nicht nebenbei. Und obendrein herrsche in den meisten Seminaren Anwesenheitspflicht, die gelte auch für Kurse, die online stattfinden.

Mehr Wertschätzung für die Branche

Wie Steinbach und seine Mitarbeiter die anfallende Wäsche ohne die zusätzlichen Kräfte bewältigen, weiß der Betriebsleiter noch nicht. Seine Devise: "Abwarten, wie es mit Corona weitergeht." Fachfremde Helfer, insbesondere Studenten, würde er jedenfalls jederzeit wieder einstellen. "Das hat hervorragend geklappt." Steinbach zieht einen weiteren positiven Aspekt aus Krise: die gestiegene Wertschätzung gegenüber der Branche. Die demonstrierten etwa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, bei einem Besuch Ende März. An diesem Dienstag bedankten sich die Politiker sowohl bei den Mitarbeitern der Wäscherei als auch bei den studentischen Helfern.

Politiker besuchen die Wäscherei im Uniklinikum

Ein neues Bewusstsein für Wäsche schufen die vergangenen vier Wochen auch bei dem Medizinstudenten. "Normalerweise nimmt man die Wäsche, die da ist", sagt Tillmanns. "Und denkt nicht weiter drüber nach." Seit er selbst angepackt hat, weiß der angehende Arzt: Saubere Wäsche ist nicht selbstverständlich. "Es ist ein harter Job." Dennoch würde er sofort wiederaushelfen. Auch trotz des frühen Aufstehens. "Das war ich vom Studium nicht gewohnt."

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