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Österreich: Gewerbe und Handwerk Schwellenwerte-Verordnung als Dauerimpuls

Gemeinden und Städten sprachen sich in einer Umfrage 2012 für das Beibehalten der Schwellenwerte-Verordnung aus. Nun soll die Verordnung verlängert werden.

Österreichische Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben von der seit 2009 gültigen Schwellenwerte-Verordnung profitiert. Der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Konrad Steindl, attestiert der Verordnung eine Win-Win-Situation und äußerte sich positiv darüber: "Durch die Regelung sind die Aufträge in der Region geblieben. Dadruch ist die regionale Wertschöpfung im Bereich der Baukosten gewachsen und es ergaben sich für Auftraggeber sogar Kostensenkungen. Die Verordnung ist ein wichtiger Wirtschaftsimpuls sowohl für die Region und kleine und mittelständische Betriebe (KMU)." Diese positive Grundstimmung bestätigt eine Umfrage unter 300 Gemeinden und 13 Städten, in der sich 92 Prozent der Befragten für eine Beibehaltung der Schwellenwerte-Verordnung aussprechen. Laut Steindl soll die Verordnung weiter verlängert und Dauerrecht werden.


Rückenstärkung für KMUs


In den Jahren 2010 und 2011 wurde die Schwellenwerte-Verordnung verlängert. Bund, Länder und Gemeinden konnten so Aufträge im Bau-, Liefer- und Dienstleistungsbereich bis zu einem Wert von 100.000 Euro direkt an geeignete Unternehmen vergeben. „Angesichts der sich eintrübenden Konjunktur wäre dies zukünftig ein wertvolles Instrument, um die KMU zu stärken“, sagt Steindl.
Gefordert seien die Gewerbe- und Handwerksbetriebe auch durch den immer stärker zunehmenden Bürokratie- und Verwaltungsaufwand. Dieser entstehe vor allem durch die mehr als 5.700 gesetzlichen Vorschriften. So hätte z.B. die Höhe der Lohnnebenkosten ein Ausmaß erreicht, das als Kostenfaktor nur schwer in den Preisen der mittelständischen Wirtschaft unterzubringen sei.


"Fahren auf der Kriechspur"


"Impulse aus der Nachfrage und kostenseitige Entlastungen sind für Gewerbe und Handwerk nötig", betonte Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, auf der Quartals-Pressekonferenz. Nach den schweren Jahren 2009 bis 2011 habe sich im ersten Halbjahr 2012 die Situation des Sektors nicht verbessert. Im Gegenteil: Der Ausblick für das Gesamtjahr 2012 sei gedämpft. So meldeten im ersten Halbjahr 21 Prozent der Betriebe Steigerungen bei Umsätzen und Auftragseingängen, 58 Prozent lagen auf Vorjahresniveau und 21 Prozent verzeichneten Rückgänge um durchschnittlich rund 17 Prozent. "Im Durchschnitt sind die Auftragseingänge bzw. die Umsätze im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem ersten Halbjahr 2011 wertmäßig um 0,1 Prozent gesunken", erläuterte Bornett. Gewerbe und Handwerk hätten sich damit schlechter entwickelt als andere Sektoren der österreichischen Wirtschaft. Die aktuelle Situation bezeichnete der Wirtschaftsforscher als "Fahren auf der Kriechspur".


Für das vierte Quartal erwarten laut Bornett noch immer 20 Prozent der Betriebe steigende Auftragseingänge oder Umsätze, 66 Prozent keine Veränderung und 14 Prozent rückgängige Umsätze. In Hinblick auf die Personalplanung werde der Beschäftigtenstand von den Betrieben derzeit gehalten. Dies zeuge von einem hohen Maß an Verantwortung der KMU gegenüber ihren Mitarbeitern.


Geringes Wachstum zu erwarten


Anhaltendes Hauptproblem sei die Ertragslage der Betriebe. Bei durchschnittlichen 2,5 Prozent Jahresertrag vor Abzug von Steuern und Inflation bleibe lediglich eine schwarze Null und diese sei zu wenig, um die Eigenkapitalsituation nachhaltig zu verbessern, mahnt Bornett. So würden 36 Prozent der Gewerbe- und Handwerksbetriebe kein positives Ergebnis ausweisen und 26 Prozent über kein Eigenkapital verfügen.


Sorgen bereitet Gewerbe und Handwerk auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. "Es ist eine Zurückhaltung spürbar", sagt Helmut Heindl, Geschäftsführer der Bundessparte. Deshalb erwarte er ein geringes Wachstum und eine Stagnation in den kommenden Monaten. Positive Signale seien für Optimismus und die Bereitschaft für Investitionen notwendig.


Infos: www.portal.wko.at

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