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Ausbildungsstart Ausbildungstipps: Richtig mit Azubis umgehen

Viele Auszubildende, darunter auch angehende Textilreiniger, steigen in diesen Tagen ins Berufsleben ein. Die aktuelle Generation von Azubis der "Generation Z" gilt dabei als besonders schwierig im Umgang, immer häufiger brechen die Jugendlichen ihre Lehre sogar ab. R+WTextilservice liefert Tipps, mit denen Ausbilder ihre Schützlinge fördern und halten können.

Viele Ausbilder, unter anderem in der Textilpflegebranche, beschweren sich oft über eine unmotivierte "Jugend von heute", die gerne mal die Lehre abbricht und etwas Neues beginnt. Dieses Phänomen ist nichts Neues, schon seit Jahren werden die Jugendlichen im Beruf immer anspruchsvoller, die Abbruchrate im Handwerk ist zu hoch. Zeit, sich die Jugendlichen, die akutell der "Generation Z" angehören, etwas genauer anzusehen. Denn nur, wer seine Azubis kennt, kann sie richtig fordern, fördern und dauerhaft halten. Also: Wer sind die jungen Leute, die den Arbeitsmarkt mehr und mehr umkrempeln, und welche Potenziale für die Textilpflegebranche bringen sie mit? Eines scheint schon mal klar: Sie sind anders als ihre Vorgänger. Für sie müssen Unternehmer neue Wege gehen und neue Dinge ausprobieren. Oder auch einfach mal – ganz im Sinne der "Generation Z" – Altbewährtes positiv bewerten.

Wie ticken die Azubis der "Generation Z"?

Die Jugendlichen der "Generation Z" sind zwischen den Jahren 2000 und 2010 geboren. Damit sind die ältesten Vertreter ihrer Generation heute ungefähr 18 Jahre alt. So lautet zumindest die Definition von Klaus Hurrelmann, dem wohl bekanntesten Jugend- und Generationenforscher Deutschlands. " Die Generationenzugehörigkeit hängt ab von den gleichartigen Erfahrungen, die die Jugendlichen machen", erklärt der Professor. Wenn die politischen, wirtschaftlichen und technischen Verhältnisse während dem Erwachsenwerden ähnlich sind, entstehen gemeinsame Interessen und Vorstellungen über das Leben fast automatisch: "Was erleben die jungen Leute gemeinsam? Das sind die Dinge, durch die sie geprägt werden!" Viele Jugendliche dieser Generation stehen momentan in den Startlöchern für einen Ausbildungsplatz oder kurz vor dem Schulabschluss. Sie werden die Textilpflegebranche und andere Handwerksbetriebe noch mehrere Jahre begleiten, eigene Akzente setzen und die Branche durch ihre hohen Ansprüche beeinflussen.

Es ist nicht einfach, der "Generation Z" ein Etikett aufzudrücken. Sie lassen sich schwieriger durch einen einzelnen Begriff definieren als ihre Vorgänger, die berühmtberüchtigte "Generation Y", auch bekannt als "Generation Why". Diese "Generation Y", deren Mitglieder heute erwachsen sind, hatte sich schnell einen Namen gemacht: Denn die Jugendlichen galten als Abwarter und Unentschlossene, als Zögerer und Zauderer. "Die 'Generation Y' ist aufgewachsen in einer Zeit, als die Arbeits- und Ausbildungsplätze in Deutschland wahnsinnig knapp waren und die digitale Revolution begann", ergänzt Hurrelmann. Sie wurde also groß mit dem ständigen Mantra: Es gibt nicht genug Arbeit für euch alle. Ihr seid zu viele – obwohl ihr so wenige seid. Aus diesen Erlebnissen schöpfte die "Generation Y" auch ihre ganz besondere Gemütsart: D ie Teenager waren oft unsicher und ängstlich. Sie waren ständig unglücklich und hinterfragten so gut wie alles. Ganz im Gegensatz zur "Generation Z".

Work-Life-Balance ist Jugendlichen besonders wichtig

Neues Selbstbewusstsein und das Streben nach Sicherheit

"Bei dieser jüngsten Generation bleiben die weltweiten Spannungen bestehen, genauso wie die Dominanz der Digitalisierung“, betont Hurrelmann. Trotzdem fällt eines schnell auf: Für die "Generation Z" ist Ängstlichkeit ein Fremdwort geworden. Sie ist auffällig selbstbewusst, hat hohe Ansprüche an ihren Arbeitgeber und legt großen Wert auf Freizeit. Die Jugendlichen lassen sich nicht viel gefallen und bekommen häufig, was sie fordern. Es scheint, als hätten sie den Dreh raus. Hurrelmann begründet das so: "Die heute unter 15-Jährigen sind in einer ruhigeren wirtschaftlichen Lage groß geworden. Sie haben keine große Sorge mehr, in Ausbildung und Beruf zu kommen. Die gute konjunkturelle und demografische Entwicklung spielt ihnen in die Hände. Und das wissen sie ganz genau." Die Angst ist also weg. Die Angst, eventuell auf der Strecke zu bleiben. Die Angst, nicht gut genug für den Arbeitsmarkt zu sein. Tatsächlich hat sich der berufliche Markt deutlich gedreht. Im Handwerk ist der Fachkräftemangel realer denn je, die Abbruchrate bei den Auszubildenden ist fatal. Hurrelmann erklärt: " Es gibt kaum noch Regionen, in denen die jungen Leute die Bittsteller sind. Davon profitiert die 'Generation Z'. Sie kann sich zurücklehnen, kann entspannt sein. Sie muss nicht mehr zittern." Die jungen Leute sind sich ihrer Sache also sicher. Sie werden gebraucht und, solange sie sich halbwegs clever anstellen, werden sie Arbeit finden.

Doch die Jugendlichen der Generation Z sind nicht nur selbstsicher, sie erwarten auch Sicherheit, vor allem im Beruf. Auf die Frage, was eine berufliche Tätigkeit bieten müsse, um die Jugendlichen zufriedenzustellen, antwortete die große Mehrheit, dass ein sicherer Arbeitsplatz das wichtigste sei. Dicht gefolgt von der Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und neben dem Beruf genügend Freizeit zu haben. Überraschenderweise hielt jeder Zweite das Konzept der sogenannten "Work-Life-Balance" für unrealistisch. Sie alle teilten die Sorge, neben der Berufstätigkeit zu wenig Freizeit zu haben. Sicherheit steht also an erster Stelle. Sinnhaftigkeit und Erfüllung sind sehr wichtig. Eine Vereinbarkeit von Arbeit und Leben ist absolut wünschenswert. Und die Karriere, die ist dabei sogar zweitrangig. Dass dies nicht bedeutet, dass die Jugendlichen faul sind, ist Hurrelmann wichtig: "Das wird oft falsch verstanden. Die Jugendlichen wollen sich einfach nicht mehr vom Beruf auffressen lassen. Sie möchten nur eine gewisse Absicherung haben, dass sie nicht immer erreichbar sein müssen. Da sie digital aufgewachsen sind, kennen sie den Stress, der damit schnell verbunden ist."

Ist die "Generation Z" älteren Generationen überlegen?

Die Generation Z wurde im digitalen Zeitalter sozialisiert. Sie ist die erste Generation, die eine Welt ohne Internet nicht mehr kennengelernt hat. Hier liegt eines ihrer größten Potenziale – dessen sind sich die Jugendlichen bewusst. Hurrelmann erklärt: "Die jungen Leute wissen, dass sie den älteren Generationen in dieser Hinsicht etwas voraushaben. Dadurch fühlen sie ihnen gegenüber eine Art Überlegenheit, die es in der Geschichte bisher fast nie gegeben hat." Das hieße aber nicht, dass die Jugendlichen automatisch eine digitale Kompetenz entwickeln würden: "Sie haben aber doch eine intuitive Fähigkeit dafür. Sie haben keine Angst, sehen die Digitalisierung als Chance und nicht als Gefahr und experimentieren gerne herum."

Nicht umsonst gelten die Jugendlichen also als "Generation Internet". Dabei hat sich in den letzten Jahren ihr Bewusstsein für den Datenschutz enorm gesteigert. Die Jugendlichen werden immer kritischer. In Bezug auf Datensicherheit sinkt das Vertrauen in die Weltkonzerne wie Google und Facebook kontinuierlich. Die neu gewonnene Skepsis der Jugend überträgt sich auch auf andere Bereiche des Lebens, vor allem auf die Politik. "Sie sind politischer als ihre Vorgänger. Es werden in Zukunft immer kritischere Töne kommen, darauf müssen sich Unternehmen einrichten. Die 'Generation Z muss sich nicht verbiegen' und das merkt man. Sie kuschen nicht", so der Forscher.

Die Checkliste für Ausbilder: Sechs Führungstipps

Die Azubis der neuen Generation ticken also anders. Wer das akzeptiert, wirklich auf sie eingeht und einige Grundregeln beachtet, kann trotzdem gut mit ihnen arbeiten.

  1. Wählen Sie einen angemessenen Führungsstil: Die Azubis fordern eine klare, strukturierte Führung, aber lehnen autoritäre Ausbilder ab. Sie schätzen flache Hierarchien und einen "partizipativen" Führungsstil, das bedeutet: Ein großes Mitspracherecht und Beteiligungsmöglichkeiten sind selbstverständlich.
  2. Geben Sie regelmäßig Feedback. Videospiele haben diese Generation geprägt. Regelmäßiges Feedback ist deshalb besonders wichtig. Was kann ich, was kann ich nicht? Wo kann ich mich verbessern? Diese Fragen muss der Ausbilder beantworten.
  3. Halten Sie Regeln rational und transparent. Sie sind es gewohnt, an Regeln mitzuwirken und darüber zu verhandeln. Ausbilder müssen daher den Sinn neuer Regelungen offenlegen. Die Azubis müssen die Intention des Meisters verstehen, um sich mit seinen Wünschen zu arrangieren.
  4. Fördern Sie die Bindung und Integration. Als Mitarbeiter und Teil des Unternehmens möchten sie wertgeschätzt und ernst genommen werden. Die hedonistische Generation bindet sich trotzdem wenig an den Arbeitgeber. Verantwortungsvolle Projekte können das ändern.
  5. Seien Sie realistisch. Sie vertrauen nicht blind. Sie haben ein äußerst gutes Gespür dafür, was realistisch ist und was nicht. Ausbilder sollten keine unrealistischen Versprechungen machen und glaubwürdig kommunizieren. Sonst ziehen die Jugendlichen sich zurück.
  6. Bringen Sie den Azubis etwas bei. Die Azubis möchten lernen und sind keine billigen Arbeitskräfte. Sie lassen sich nicht ausbeuten und verlangen eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Die Quittung für eine schlechte Betreuung kommt sonst prompt: Die Azubis brechen ab.
"Diese Generation ist anders und sie wird ihre eigenen Akzente setzen. Deswegen ist sie aber nicht schlechter. Sie bringt auch Kompetenz, Entspanntheit und eine gewisse Lässigkeit mit sich. Das kann man als Ausbilder nutzen", hebt Hurrelmann die Vorteile der Generation Z hervor. Am Ende des Tages sind sie schlichtweg eine Generation, die sich nicht kaputt arbeiten möchte. Ihre Einstellung ist im Grunde einfach: Die Karriere steht nicht an erster Stelle. Zufriedenheit im Job, ein angemessenes Gehalt und der richtige Ausgleich zwischen Arbeit und Leben. Das sind die Ziele. "Ihre Mentalität ist sehr lebensorientiert", fasst Hurrelmann zusammen, "wer das versteht, kann sehr gut mit ihnen arbeiten."

Wie findet man einen Textilreiniger-Azubi? So erreichen Sie die "Generation Z"

Immer häufiger müssen Azubis nicht nur gehalten, sondern erstmal gefunden werden. Worauf es bei der Suche nach Azubis der "Generation Z" ankommt, erklärt Jakob Osman Jakob Osman, Leiter der Marketingagentur "Junges Herz" in Dresden. Für Betriebe, die sich bei der Azubisuche schwer tun, empfiehlt der Experte, zielgruppengerecht zu handeln und dort zu suchen, wo die Jugendlichen wirklich sind.

  1. Realistische Berufsdarstellung. Die "Generation Z" verlangt nach Realismus. Die Textilpflegebranche muss sich deshalb für die Jugendlichen nahbar machen. Was steckt hinter dem Beruf? Welche Vorteile bietet er konkret? Osman empfiehlt: "Zeigt, dass der Beruf Spaß macht und dass die Azubis bei euch etwas Sinnvolles machen!"
  2. Praktika. Schüler äußern zunehmend den Wunsch nach Praktika. Trotzdem verliert das Angebot seit Jahren an Bedeutung. "Über das Reinschnuppern kann man die Jugendlichen oft für sich begeistern und von der Mundpropaganda profitieren", so Osman. Traditionelle Schülerpraktika und Ferienjobs gehören deshalb zu den wichtigsten Elementen der Akquise.
  3. Social-Media-Recruiting. Jugendliche lesen immer weniger. Das gilt für Print- und Onlinemedien gleichermaßen. "Am besten fahren die Betriebe deshalb mit Ausbildungsvideos auf YouTube und Facebook oder mit Instagram-Stories", rät Osman. "Es geht darum, ein cooles, ehrliches Video zu drehen, das zeigt, was in dem Job geboten wird." Facebook wird von der "Generation Z" zwar nur noch passiv genutzt. Durch die Reichweite erwischt man trotzdem mehr Auszubildende als über jeden anderen Weg. Snapchat verlangt eine intensive redaktionelle Betreuung und lohnt sich deshalb selten.
  4. Elternabende. Keine Generation war ihren Eltern jemals näher als die "Generation Z". Als wichtigste Karriereberater ihrer Sprösslinge führt kaum ein Weg an ihnen vorbei. Elternabende finden in jeder Schule statt. Diese Chance können Unternehmer nutzen, um ihre Ausbildungsangebote attraktiv vorzustellen und die Eltern von sich zu überzeugen.
  5. Schulen. Kooperationen mit Schulen gelten immer noch als das Nonplusultra der Akquise. Durch Gespräche mit Schulklassen und an einem "Tag der offenen Tür" können Berufe erklärt oder sogar ausprobiert werden. Regelmäßige Boy‘s oder Girl‘s Days sollten außerdem zum Pflichttermin werden.
  6. Ausbildungsqualität. Gute Ausbilder, eine faire Behandlung und eine ordentliche Bezahlung. Das ist es, was sich in der Region herumspricht und für Azubi-Nachschub sorgt. Viele Betriebe schätzen ihre Ausbildungsqualität dabei falsch ein, kritisiert Osman: "Wichtig ist, dass die Jugendlichen viel lernen und richtig geführt werden. Da sind sie sehr sensibel. Sie möchten einfach etwas Sinnvolles machen."


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