Glossar | Pilling - Unerwünschtes Zusammenrollen an der Gewebeoberfläche"> Glossar | Pilling Unerwünschtes Zusammenrollen an der Gewebeoberfläche

Pilling (Pillen, Pillingbildung, Pills, Büseln) aus dem lateinischen Pila = Haarknäuel. Durch unerwünschtes Zusammenrollen an der Gewebeoberfläche entstehende Stellen („Nester“, „Büschel“), fehlerhafte noppenartige Stellen an besonders tragebeanspruchten Teilen von Bekleidungsstücken. Pilling führt zu einer unruhigen Warenober­fläche (Pillingeffekt). Es tritt vorzugsweise bei weichen Garndrehungen und nicht homogenem Spinngut, wie Mischgeweben und Wirkwaren aus Wolle mit synthetischem Fasermaterial. Der Pillingeffekt ist auch bei rein synthetischen Waren anzutreffen. Ebenfalls kann der Pillingeffekt durch die Verwendung von kurzstapligen Baumwollfasern begünstigt werden. Pilling entsteht durch Reiben und Scheuern. Oft lösen Gebrauchseinflüsse Pillingbildung aus, es gibt jedoch auch Gewebe, die bereits nach der Wäsche Pillinge aufweisen. Die Ursache für Pilling ist in der jeweiligen Kombination aus Material, Garndrehung, Bindung der textilen Fläche, Dichte und Ausrüstung zu suchen. Ebenfalls spielt die im Rahmen des Waschprozesses einwirkende mechanische Belastung eine Rolle. Bei Mischgeweben tritt Pilling besonders häufig auf, wenn eine Faser mit hoher Scheuerfestigkeit mit einer Faser höchstens mittlerer Scheuerfestigkeit kombiniert wird. Manche Ausrüstungen wirken Pilling begünstigend. Durch Kunstharzausrüstung im Produktionsprozess kann Pillingbildung vorgebeugt werden. Eine weitere Möglichkeit, Pillingbildung zu verhindern, ist das Sengen nach dem Weben. Beim Sengen werden vom Gewebe abstehende Fasern weggebrannt und damit ein späteres Eindrehen dieser Fasern wirksam verhindert.

Die Beseitigung von entstandenen Pillingen kann – je nach Material – durch Abscheren oder durch Sengen erfolgen. Bei einzelnen Stücken kann dazu eine Pillingkratze oder ein Pillingstein dienen. Auch Pillingrasierer werden angeboten. Für abstehende Faserenden aus Zellulosefaserstoffen könnte auch eine Enzymbehandlung mit Cellulase für Abhilfe sorgen.

Nach Rouette, Fischer-Bobsien: Lexikon für Textilveredelung Band 1, 1995